
Hafer (Avena sativa) gehört zur Familie der Süßgräser und zählt zu den ältesten Kulturpflanzen Mitteleuropas. Im Gemüsegarten spielt er eine besondere Doppelrolle, denn er lässt sich sowohl als Gründüngung zur Bodenverbesserung als auch zur Kornernte anbauen. Ursprünglich aus Westasien stammend, verbreitete sich Hafer über die Kelten und Germanen in ganz Nordeuropa und war bis zur Einführung der Kartoffel ein wichtiges Grundnahrungsmittel.
Im Gegensatz zu anderen Getreidearten blüht Hafer nicht in Ähren, sondern bildet eine charakteristische, allseitswendige Rispe, die sich während der Reife elegant nach unten neigt. Die hohlen Halme erreichen je nach Sorte 60 bis 150 cm Höhe. Im biologischen Gartenbau wird Hafer besonders geschätzt, weil er als sogenannte Gesundungsfrucht für viele typische Getreidekrankheiten keinen geeigneten Wirt darstellt und so Krankheitszyklen im Boden durchbricht.
Gerade als Gründünger hat Hafer einiges zu bieten: Sein Wurzelsystem lockert verdichtete Bodenschichten, der rasche, dichte Aufwuchs unterdrückt Unkraut wirkungsvoll, und er fängt überschüssigen Stickstoff ab, bevor dieser ins Grundwasser ausgewaschen wird. Im Gemenge mit Leguminosen wie Wicken oder Erbsen übernimmt er die Rolle der Stützfrucht, an der sich die rankenden Partner emporziehen können.
Hafer: Pflanzzeiten & Erntezeiten
Direktsaat von Anfang Januar bis Ende Dezember. Verpflanzen ins Beet von Anfang Januar bis Ende Dezember. Vorziehen etwa Tage vor dem Verpflanzen, etwa zwischen Anfang Januar und Ende Dezember.
GründüngungDirektsaat von Anfang Januar bis Ende Dezember. Verpflanzen ins Beet von Anfang April bis Mitte September. Vorziehen etwa Tage vor dem Verpflanzen, etwa zwischen Anfang April und Mitte September.
Hafer aussäen und pflanzen
Hafer wird ausschließlich per Direktsaat ins Beet gebracht. Sommerhafer säst du so früh wie möglich ab Ende Februar bis April. Als Kaltkeimer startet er bereits bei Bodentemperaturen ab 4 bis 5 °C, und frühes Säen ist ausdrücklich erwünscht, denn eine späte Aussaat führt zu einem schwächeren Bestandsaufbau.
Die Saattiefe liegt bei 3 bis 4 cm. Da Hafer ein Dunkelkeimer ist, bedeckst du die Samen mit Erde und drückst die Fläche anschließend leicht an, damit der Bodenschluss für einen gleichmäßigen Aufgang stimmt. Bei Breitsaat rechnest du mit etwa 150 bis 200 g Saatgut pro Quadratmeter. In Reihen gesät, genügt ein Abstand von 15 bis 20 cm zwischen den Reihen.
Für die Gründüngung kannst du Hafer von April bis Ende August aussäen. Eine Herbstsaat als abfrierende Winterbegrünung gelingt noch bis etwa Ende September, sofern die Pflanzen genug Zeit haben, ausreichend Biomasse aufzubauen. Im Gemenge mit Wicken oder Erbsen reduzierst du die Saatstärke beider Partner anteilig.
Standort und Boden
Hafer stellt von allen Getreidearten die geringsten Ansprüche an Boden und Standort. Er wächst am besten in voller Sonne, kommt aber auch mit halbschattigen Verhältnissen zurecht. Leichte bis mittlere Böden sind ideal, doch selbst auf schweren Lehmböden macht Hafer keine Probleme. Er toleriert sogar leicht saure Bedingungen mit einem pH-Wert zwischen 5,0 und 7,0.
Gleichmäßige Bodenfeuchtigkeit schätzt er, verträgt aber auch kurzfristige Trockenheit. Besonders wohl fühlt er sich in gemäßigten Klimalagen mit ausreichend Niederschlag. Als Schwachzehrer braucht er keine besondere Düngung, schon gar nicht als Gründüngung.
Hafer: Gute und schlechte Nachbarn
Erbsen sind einer der besten Nachbarn für Hafer im Gemenge. Der Hafer gibt den Erbsentrieben als Stützfrucht Halt und verhindert, dass der Bestand umkippt. Im Gegenzug fixieren die Erbsen Luftstickstoff im Boden, wovon auch der Hafer profitiert. Solche Mischbestände bekämpfen Blattlauspopulationen effizient, da sie Schwebefliegen fördern.
Auch die Ackerbohne harmoniert als Gemengepartner hervorragend mit Hafer. Im Ökolandbau hat sich diese Kombination besonders in trockenen Jahren bewährt, da die Partner sich gegenseitig ausgleichen können, wenn einer unter Stress gerät.
Linsen lassen sich ebenfalls gut mit Hafer kombinieren, besonders auf trockeneren Standorten. Der Hafer liefert Struktur und unterdrückt gleichzeitig das Unkraut.
Mais hingegen ist ein schlechter Nachbar. Beide konkurrieren intensiv um Licht und Nährstoffe, und Mais fördert freilebende Nematoden im Boden, die dem Hafer schaden.
Hafer: Vorgänger und Nachfolger
Hafer gilt in der Fruchtfolge als Gesundungsfrucht, weil er für viele Getreidekrankheiten wie Halmbruch oder Schwarzbeinigkeit kein geeigneter Wirt ist. Körnerleguminosen wie Erbsen, Ackerbohnen oder Linsen sind ideale Vorkulturen, denn sie hinterlassen Stickstoff im Boden und unterbrechen den Vermehrungszyklus von Getreideschädlingen.
Nach Hafer profitieren fast alle Gemüsekulturen: Starkzehrer wie Kohl, Kürbis, Tomaten oder Mais nutzen die verbesserte Bodenstruktur und den freigesetzten Stickstoff aus der eingearbeiteten Biomasse. Wurzelgemüse wie Möhren, Pastinaken oder Rote Bete schätzen die tiefe Durchwurzelung, die der Hafer im Boden hinterlässt.
Unbedingt vermeiden solltest du Hafer nach Hafer. Durch die Selbstfolge baut sich das Getreidezystenälchen im Boden auf und verursacht Kümmerwuchs. Plane mindestens zwei Jahre Anbaupause ein. Auch direkt nach Mais solltest du keinen Hafer anbauen, da Mais Fusarium-Belastungen und freilebende Nematoden im Boden fördern kann.
Sorten
Bei Hafer unterscheidet man grundsätzlich zwischen Spelzhafer und Nackthafer. Beim Spelzhafer bleibt das Korn von Spelzen umschlossen und muss nach der Ernte geschält werden. Nackthafer verliert die Spelzen beim Dreschen von selbst und eignet sich daher besser für die Verarbeitung in der eigenen Küche.
Für die Gründüngung tut es jede handelsübliche Sommerhafersorte. Wer aber Körner ernten möchte, sollte sich Sorten genauer ansehen: Apollon ist ein gelber Spelzhafer mit zuverlässigen Erträgen im Ökoanbau. Bison punktet mit kurzem, standfestem Wuchs und guter Mehltauresistenz. Für die Körnerverarbeitung zu Hause lohnt sich ein Blick auf Nackthafer-Sorten wie Saul oder Elbany.
Pflege und Düngung
Hafer ist die genügsamste Getreidekultur überhaupt. Vor der Aussaat oder kurz danach solltest du Unkraut beseitigen, denn sobald die Pflanzen einmal gut aufgelaufen sind, unterdrücken sie Beikräuter durch ihren raschen, dichten Wuchs von allein.
Gießen ist nur bei anhaltender Trockenheit in der Keimphase nötig. Danach kommt Hafer gut zurecht. Auf Düngung kannst du als Gründüngung komplett verzichten. Das größte praktische Problem im Anbau ist das sogenannte Lagern, damit ist das Umknicken der Halme bei Wind oder zu üppigem Wuchs gemeint. Im Garten ohne mineralische Düngung tritt das aber selten auf.
Wenn du Hafer als Gründüngung nutzt, arbeitest du ihn am besten vor der Samenreife ein, etwa 6 bis 8 Wochen nach dem Keimen, wenn die Biomasse maximal, aber noch saftig-grün ist. Nach dem Einarbeiten planst du mindestens 4 bis 6 Wochen Rottezeit ein, bevor die Folgekultur in die Erde darf. Bei Herbstsaat friert Hafer bei Temperaturen unter minus 8 °C ab und bildet eine schützende Mulchschicht, die du im Frühjahr einfach einhacken kannst.
Krankheiten und Schädlinge
Hafer ist deutlich robuster als andere Getreidearten, dennoch gibt es ein paar Probleme, die du kennen solltest. Der Haferflugbrand (Ustilago avenae) ist eine samenbürtige Pilzkrankheit: Befallene Rispen bilden statt Körner schwarzbraune Sporenmassen. Für die Gründüngung ist das irrelevant, da kein Korn geerntet wird. Wer Speisehafer anbaut, greift am besten zu zertifiziertem Saatgut und resistenten Sorten.
Mehltau (Blumeria graminis) zeigt sich als weißer, mehlartiger Belag auf Blättern und Halmen, vor allem bei warmem, trockenem Wetter. Standfeste Sorten wie Bison sind hier deutlich widerstandsfähiger.
Der wichtigste Schädling ist das Getreidezystenälchen (Heterodera avenae), das nestweisen Kümmerwuchs verursacht. Dieser Nematode baut sich vor allem bei Selbstfolge im Boden auf, weshalb eine Anbaupause von mindestens zwei oder besser drei Jahren so wichtig ist. In Gemengekulturen mit Leguminosen brechen übrigens auch Blattlauspopulationen schneller zusammen als in Reinkulturen, weil sich Nützlinge wie Schwebfliegen dort besser vermehren können.
Ernte und Verarbeitung
Als Speisegetreide ist Hafer ab Mitte August erntereif, wenn die Körner einen Feuchtegehalt von etwa 14 % erreicht haben. Zu langes Warten erhöht das Risiko, dass die Körner auf dem Halm auskeimen. Spelzhafer muss nach dem Dreschen noch geschält werden, was ohne Spezialgerät im Garten kaum machbar ist. Nackthafer lässt sich hingegen nach dem Dreschen und Reinigen direkt weiterverarbeiten und eignet sich daher viel besser für den Hausgebrauch. Als Gründüngung schneidest oder mulchst du den Hafer kurz vor oder bei beginnender Blüte, wenn die Biomasse am größten und das Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff noch günstig für eine schnelle Verrottung ist. Getrocknete Haferkörner halten sich kühl und trocken gelagert mehrere Jahre. Am besten bewahrst du sie in Papiertüten oder atmungsaktiven Behältern auf.