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Reihenmischkultur nach Gertrud Franck

Buch Cover von 'Gesunder Garten durch Mischkultur' von Gertrud Franck

Auf dieser Seite will ich Euch einen Überblick über die Reihenmischkultur nach Gertrud Franck geben. Auch wenn diese Seite bereits nach viel Inhalt aussieht, verbirgt sich im Detail noch so viel mehr. Es geht mir darum Euch einen Überblick und einen Einstieg in das Thema zu geben.

Viel mehr Informationen gibt es im Buch Gesunder Garten durch Mischkultur (* Affiliate) von Gertrud Franck, das in der von Brunhilde Bross-Burkhardt überarbeiteten Neuauflage wieder verfügbar ist.

Die Person Gertrud Franck

Sie war wohl eine der wichtigsten Pioniere des ökologischen und biologischen Gartenbaus. Und das zu Zeiten, als ökologisch und biologisch noch nicht den Stellenwert wie heute hatten, sondern es in den kargen Nachkriegsjahren schlicht um eine gesunde Ernährung ging.

Durch die Heirat mit Hannfried Franck kam sie 1935 auf einen landwirtschaftlichen Betrieb bei Schwäbisch Hall, was übrigens etwa 20 Kilometer Luftlinie von uns Zuhause liegt. Hier legte Sie einen etwa ein Heckar goßen Gemüse- und Obstgarten an, den Sie mit mehreren Angestellten zusammen bewirtschaftete.

Über Jahrzehnte hinweg studierte Sie die Wechselwirkungen der Pflanzen und des Bodens und entwickelte so Ihr eigenes System der Mischkultur.

Sie teilte Ihr Wissen durch Artikel und Broschüren. Später veröffentlichte Sie Bücher und gab bis ins hohe Alter Vorträge.

Klassische Beete?

Die meisten Gärten sind in einzelne kleine Beete aufgeteilt. Entweder durch feste Umrandungen und feste Wege, oder einfach wie bisher bei uns Zuhause durch Bretter, mit denen wir das Beet betreten konnten. So entstehen kleine, überschaubare Einheiten.

Die Fruchtfolge geschieht bei dieser klassischen Einteilung in Beete normalerweise über eine Rotation der Beete, also die Bepflanzung ruckt einfach ein Beet weiter. Die guten und schlechten Nachbarschaften auf einem Beet im Blick zu behalten ist nicht schwer, wenn bereits genügend Erfahrung, gute Lektüre oder eine Software zur Beetplanung vorhanden sind. Die Fruchtfolge über mehrere Jahre ist jedoch eine Herausforderung, die bei Mischkultur auf Beeten nur schwer zu meistern ist.

Dies ist genau einer der Punkte, die das System nach Gertrud Franck revolutioniert. Kein Grübeln mehr im nächsten Jahr.

Ein großes Beet

Bei der Reihenmischkultur nach Gertrud Franck wird anstelle von mehreren kleinen Beeten, ein großes Beet als Hauptbeet geschaffen. Nebenher kann es weitere kleine Beete geben, wie z.B. im Gewächshaus oder auf Hochbeeten.

Dieses Beet wird in Reihen unterteilt, die normalerweise einen einheitlichen Abstand von etwa 50 Zentimetern haben. Diese Reihen sind in drei Arten (A, B, C) unterteilt, die vorgeben was auf diesen angebaut werden kann. Dazu aber später mehr.

Zwischen den Reihen wächst zunächst Spinat, der im Laufe des Jahres abgehackt wird und als Mulch auf dem Beet bleibt. Das ganze Jahr über wird weiteres Mulchmaterial ausgebracht und ein Flächenkompost entsteht. Über diese Bodenbedeckung kann das Beet betreten werden.

Die Reihen rücken Jahr für Jahr um eine halbe Reihe weiter. Dort, wo im vorherigen Jahr der Spinat war, werden nun die Reihen neu angelegt. Es dauert Jahre, bis die gleiche Pflanze oder eine der gleichen Familie wieder am selben Platz steht. Dadurch ergibt sich die Fruchtfolge in den meisten Fällen von ganz alleine.

Die Erde bleibt bei diesem System meist bepflanzt, so gut wie nie nackt. Sobald es möglich ist, wird Gründüngung aus Gelbsenf oder Ackerbohne ausgebracht. Später im Jahr wird gemulcht. Vor dem Winter, wenn eine Reihe abgeerntet ist und die Zeit noch reicht, wird nochmals Gelbsenf als Gründüngung gesät.

A, B und C Reihen

Die Reihen sind in drei Arten eingeteilt, die vorgeben was auf diesen angepflanzt werden kann. Diese Einteilung erleichtert die Fruchtfolge während des Jahres und optimiert die Platzeinteilung im Beet.

Ausschnitt aus dem Beetplaner grove.eco für Reihenmischkultur nach Gertrud Franck

A-Reihen (rot)

In diesen Reihen werden breite und hohe Kulturen gepflanzt, die nahezu das ganze Jahr benötigen. Es gibt also keine Vor- oder Nachkultur. Hierzu gehören zum Beispiel Tomaten, Gurken, Kartoffeln, Zucchini und späte Kohlsorten wie z.B. Rot- und Weißkohl.

B-Reihen (grün)

In den B-Reihen werden Kulturen angebaut, die etwas schneller erntereif sind. Hierdurch gibt es in den B-Reihen jeweils zwei oder manchmal sogar drei Ernten pro Jahr. Hierzu gehören Zwiebeln, Mangold, Sellerie aber auch manche Kohlsorten wie z.B. Blumenkohl und Brokkoli.

C-Reihen (blau)

Von diesen Reihen gibt es doppelt so viele, da diese jeweils zwischen A und B Reihen eingezogen werden. Gepflanzt werden hier Kulturen mit niedrigem Wuchs und kurzer Wachstumszeit. Aus diesen kann meist unterjährig geerntet werden. Angebaut werden hier z.B. Salate, Karotten, Rettich und Radieschen.

Aufteilung der Reihen

Jetzt kommt der Teil, der zunächst etwas kompliziert wirkt. Die Reihen haben eine feste Abfolge, wobei A und B Reihen sich immer abwechseln, zwischen beiden aber immer eine C Reihe ist. Der Rhythmus der Reihen ist also A-C-B-C. Danach beginnt man von vorne (also wieder mit A).

Mit welcher Reihe begonnen wird, ist erstmal nicht so wichtig für das Verständnis. Es könnte auch B-C-A-C sein, oder C-A-C-B. Ob mit einer A/B oder C Reihe begonnen wird kann später für die Optimierung des Beets verwendet werden, dazu aber später mehr.

Die Reihen haben immer einen festen Abstand von etwa 40 bis 50 Zentimetern, egal welche Pflanzen in diesen angepflanzt werden. Früher hat Gertrud Franck wohl 40 Zentimeter, in späteren Jahren wohl 50 Zentimeter vorgeschlagen. Ganz sicher bin ich mir bei der Herkunft aber nicht. Zumindest hat Sie darauf hingewiesen, das bei geringem Platz die 50 Zentimeter unterschritten werden können.

Gerade wenn die Maße des Beets schon feststehen, kann mit dem Reihenabstand etwas jongliert werden, um auf eine sinnvolle Anzahl Reihen zu kommen. Hierbei hilft unser Beetplaner.

Ein bisschen Kleingedrucktes: Ich habe schon öfter gelesen, das es möglich ist, die Abstände individuell pro Reihe zu vergeben. Also anhand der Reihenabstände der dort gepflanzten Kultur. Ich habe jedoch noch nie einen Beetplan gesehen, auch nicht von Gertrud Franck selbst, der dies macht. Feste Abstände machen das Beet überschaubarer und in den folgenden Jahren einfacher anpassbar. Stellt Euch vor, Ihr habt eine schmale A-Reihe mit Puffbohnen und wollt diese später gegen Gurken oder Zucchini austauschen – passt nicht..

Mischkultur in der Reihe

Die Mischkultur, also das kombinieren von guten Nachbarn, ist nicht nur von Reihe zu Reihe möglich. In eine Reihe können auch abwechselnd zwei oder mehr Partner gepflanzt werden, die sich gegenseitig fördernden. Als Beispiel ist es sinnvoll zwischen Kohlsorten Sellerie zu pflanzen, um den Kohlweißling abzuwehren.

Viele einjährige Kräuter, wie Dill, eigenen sich hervorragend in der Mischkultur. Sie brauchen oft wenig Platz und fördern die Pflanzen um sie herum. Auch hier empfehle ich das Buch von Gertrud Franck, in dem zwei Kapitel das Thema Kräuter behandeln.

Spinat und Mulch

Sobald Spinat gesät werden kann, also etwa ab Anfang April, wird zwischen jede A, B und C Reihe Spinat gepflanzt. Nicht nur eine schmale Reihe, sondern etwa 20 Zentimeter breit. Etwa im Mai, bevor dieser schießt, wird er abgehackt und bleibt als Mulch auf dem Beet. Hierzu eignet sich eine Pendelhacke (* Affiliate). Natürlich kann ein Teil des guten Spinats auch geerntet werden.

Auf diese erste Mulchschicht wird ständig neues Material ausgebracht, z.B. Rasenschnitt und Kraut das beim Ernten anfällt. Gertrud Franck beschreibt in Ihrem Buch viele Pflanzen für den Mulch wie Beinwell und Holunder, teilweise zu Häcksel-Mischungen verarbeitet.

Mit den richtigen Mischungen soll es auch möglich sein, Schnecken im Griff zu behalten. Hier sind wir aber selbst noch am lernen.

Über das Jahr sammelt sich zwischen den Kulturreihen eine ordentliche Schicht Flächenkompost an. Neben den Nährstoffen für das nächste Jahr hat dies weitere Vorteile:

  • Der Boden ist ständig bedeckt, wodurch es unerwünschte Kräuter schwer haben zu wachsen.
  • Der Boden ist immer beschattet, wodurch nicht so viel Wasser verdunstet. Der Mulch sammelt Tau und gibt diesen an den Boden ab.
  • Bodenorganismen und Regenwürmer haben Nahrung.
  • Schnecken werden je nach Material abgewehrt.
  • Auch wenn es mal geregnet hat kann die Mulchschicht betreten werden, ganz ohne Wege.

Lockern, nicht Graben

Sobald von einer Reihe die letzte Ernte im Jahr genommen wurde, wird der Boden lediglich gelockert. Hierzu wird mit der Grabegabel eingestochen und diese etwas vor und zurück bewegt.

Der Boden wird nicht umgegraben. Die Struktur des Bodens bleibt intakt.

Gründüngung

Neben dem Flächenkompost wird der Boden noch mehr verwöhnt: Gründüngung wird genutzt, wann immer es möglich ist.

Sobald eine Reihe abgeerntet ist und noch genügend Zeit ist, damit die Gründüngung keimen und noch etwas wachsen kann, wird Gelbsenf breitwürfig gesät. Dies geschieht direkt nach dem Lockern des Bodens. Mit dieser Gründüngung geht das Beet in den Winter. Nach dem Winter sind nur noch wenige Reste übrig, die bei der weiteren Bearbeitung kaum stören.

In machen Fällen ist eine Vorsaat mit Ackerbohnen oder Gelbsenf möglich, insofern auf der jeweiligen Reihe die Kultur erst später gesät oder eingepflanzt wird. An den Wurzeln der Ackerbohne sammelt sich Stickstoff, mithilfe von Knöllchenbakterien, sie eignet sich also gut als Vorkultur für Starkzehrer. Vor der eigentlichen Kultur wird die Ackerbohne abgehackt, meist lange bevor eine Ernte möglich wäre. Wird Gelbsenf verwendet, kann dieser nur für die Pflanzreihe oder für die Pflanzlöcher entfernt werden und so den Boden weiter bedecken. Dieser wird dann erst abgerissen und zu Mulch, wenn die eigentliche Kultur den Platz und das Licht braucht. Die Wurzeln des Gelbsenfs locken den Boden und bleiben darin zurück.

Aber Senf ist doch ein Kreuzblütler..!? Laut Gertrud Franck ergeben sich keine Probleme mit Gelbsenf als Gründüngung vor einem anderen Kreuzblütler. Der Senf und die meisten anderen Arten der Kreuzblütler sind von der Verwandtschaft her wohl so weit auseinander, das diese sich nicht negativ beeinflussen. Zudem ist wohl der Senf kein Treiber für die Kohlhernie. Ich bleibe hier sehr im Konjunktiv, da mir selbst hier das Wissen fehlt. Hier vertraue ich auf die jahrzehntelange Erfahrung von Gertrud Franck.

Jahreswechsel und Fruchtfolge

Spätestens jetzt wird die Magie dieses Mischkulturensystems sichtbar. Die Reihen rücken um eine halbe Reihe weiter, also um 25 Zentimeter bei einem Reihenabstand von 50 Zentimetern. Die Reihe, die im dritten Jahr hinten rausrutscht, wird einfach wieder vorne im Beet eingefügt. Dadurch steht jede Kultur im neuen Jahr auf Boden, der im letzten Jahr durch Flächenkompost angereichert wurde.

Bis eine Pflanze wieder an der ursprünglichen Position steht vergehen Jahre. Alleine schon bis eine A-Reihe wieder auf eine frühere A-Reihe fällt, vergehen 8 Jahre. Und bis eine A-Reihe auf eine frühere B-Reihe trifft, vergehen 4 Jahre. Zwischen den A/B Reihen und den C Reihen gibt es kaum langjährigen negativen Beeinflussungen, aber hierbei hilft unser Beetplaner.

Wem die etwa 25 Zentimeter Abstand zu knapp sind, kann sich die Anpassungen der Familie Langerhorst anschauen. Hier werden die Reihen normalerweise um einen 3/4 Abstand verrückt, bei einem Reihenabstand von 40 Zentimeter.

Ist der Beetplan einmal ausgearbeitet, kann er über Jahre weitergeführt werden. Ganz ohne Kopfzerbrechen über die Vorgänger in den Jahren davor (bei denen unser Beetplaner aber auch ordentlich hilft).

Empfohlene Bücher

Das Buch Gesunder Garten durch Mischkultur (* Affiliate) von Gertrud Franck kann ich nur als Herz legen. Hier sind alle Details zur Reihenmischkultur nach Gertrud Franck enthalten. Auch sehr viel zusätzliches Wissen, z.B. über Kompostierung, Kräuter im Garten und Schneckenabwehr.

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3 Kommentare zu “Reihenmischkultur nach Gertrud FranckKommentar hinzufügen →

  1. Vielen lieben Dank für diesen ausführlichen Überblick! Es hat total Spaß gemacht diesen zu lesen! Macht weiter so!

    Gibt es inzwischen denn schon neues von eurem Beetplaner?

    Liebe Grüße

    1. Danke 🙂 Ich will schon seit längerem noch einen Ergänzungsartikel dazu über das Mischkulturensystem von der Familie Langerhorst schreiben. Auf diese Methode haben wir dieses Jahr bei uns umgestellt.

      Der Beetplaner ist größtenteils fertig. Beim „produktiven“ Einsatz für die Beetplanung bei uns zuhause sind uns noch ein paar Punkte aufgefallen die mit rein sollten. Daran und hauptsächlich an der Pflanzendatenbank arbeiten wir gerade noch. Aber zumindest mal ein neues Video bzw. die Anleitungen will ich demnächst online stellen.

      Viele Grüße,
      Thorsten

  2. Danke für diese tolle Seite und Erklärungen! Ich verzweifle gerade wieder mal (das 2.Jahr) über den Gemüseanbauplan unter all den Bedingungen, die beachtet werden müssen. Eure App klingt super. Wann wird sie fertig?? Ich würde mich sehr sehr (!!) darüber freuen!
    Viele Grüße Judith

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