Winterwicke anbauen

Vicia villosa Zottelwicke, Zottige Wicke, Rauhhaarige Wicke, Behaarte Wicke, Sandwicke
Weitere Namen
Zottelwicke, Zottige Wicke, Rauhhaarige Wicke, Behaarte Wicke, Sandwicke
Botanischer Name
Vicia villosa
Familie / Gattung
Fabaceae / Vicia
Pflanzenkategorie
Gründüngung
WinterwickeRobert Flogaus-Faust / CC BY 4.0

Die Winterwicke gehört zu den wertvollsten Gründüngungspflanzen im biologischen Gartenbau. Diese ein- bis zweijährige Leguminose aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) stammt ursprünglich aus Südeuropa und Westasien, wo sie an Wegrändern und auf Äckern wild vorkommt. Im Garten hat sie eine ganz klare Aufgabe: den Boden fit machen für die nächste Saison.

Der Trick der Winterwicke liegt in ihren Wurzeln. Wie auch bei anderen Leguminosen leben dort Knöllchenbakterien der Gattung Rhizobium, die Stickstoff direkt aus der Luft binden und in eine Form umwandeln, die Pflanzen nutzen können. Nach einer Winterwicke kannst du bei der Folgekultur oft komplett auf Stickstoffdüngung verzichten.

Dazu kommt ihre beeindruckende Durchwurzelung. Mit Pfahlwurzeln bis 80 cm Tiefe durchbricht die Winterwicke verdichtete Bodenschichten und hinterlässt nach dem Einarbeiten feine Kanäle, durch die Wasser und Luft besser in den Boden gelangen. Ihre dicht behaarten Stängel und Blätter (daher der Name Zottelwicke) bilden eine üppige Pflanzendecke, die Unkraut effektiv unterdrückt und den Boden vor Wind und Regen schützt. In milden Phasen wächst sie sogar im Winter weiter und wird im Frühjahr bis zu 200 cm hoch.

Ein netter Nebeneffekt: Die violett-blauen Schmetterlingsblüten sind eine echte Insektenweide. Bienen, Hummeln und besonders Wildbienen wie Osmia acuticornis fliegen regelrecht darauf. Wer die Winterwicke bis kurz vor der Blüte stehen lässt, tut also auch den Bestäubern etwas Gutes.

Zahlen, Daten, Fakten

Lichtbedarf
Sonne / Halbschatten
Nährstoffbedarf
Schwachzehrer
Schwierigkeitsgrad
Einfach
Gründüngung
Fixiert Stickstoff über Knöllchenbakterien, Lockert verdichtete Bodenschichten in der Tiefe, Unterdrückt Unkraut besonders stark, Wertvolle Bienen-/Insektenweide, Bindet vorhandenen Bodenstickstoff gegen Auswaschung
Winterhärte
Bedingt winterhart bis -15 °C
Reihenabstand
20 cm
Pflanzabstand
5 cm
Wuchshöhe
50 - 200 cm
Saattiefe
3 cm
Keimtemperatur (minimal)
8 °C
Keimtemperatur (optimal)
10 - 15 °C
Keim-Art
Dunkel

Winterwicke: Pflanzzeiten & Erntezeiten

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Direktsaat

Direktsaat von Anfang August bis Ende September.

Winterwicke aussäen

Die Winterwicke wird immer als Direktsaat ausgebracht, ein Vorziehen ist nicht nötig und auch nicht sinnvoll. Der klassische Aussaattermin liegt zwischen Mitte August und Ende September. In diesem Zeitfenster bleibt genügend Vegetationszeit, damit die Pflanzen vor dem Winter gut einwurzeln. Wer erst im Oktober sät, riskiert, dass die Pflanzen zu schwach in den Winter gehen. Eine Aussaat ab Juli als Sommerbegrünung oder ab April als Frühjahrsdecke ist ebenfalls möglich, der Haupteinsatz bleibt aber die Winterzwischenfrucht.

Für die Aussaat lockerst du den Boden und befreist ihn grob von Pflanzenresten. Die Samen kommen 2 bis 5 cm tief in die Erde und brauchen guten Bodenkontakt zum Keimen. Die einfachste Methode im Garten ist der Breitwurf: Etwa 6 bis 8 g Saatgut pro Quadratmeter gleichmäßig verteilen und leicht einharken. Nach der Aussaat den Boden feucht halten, bis die Keimung abgeschlossen ist. Die Keimung funktioniert etwa bis 8 °C Bodentemperatur.

Die Winterwicke klettert gerne und legt sich in Reinsaat oft flach auf den Boden. Für aufrechten Wuchs hilft eine Stützpflanze. Die klassische Kombination ist das sogenannte Wickroggen-Gemenge: Winterwicke und Winterroggen im Verhältnis von etwa 3:1. Der Roggen gibt der Wicke Halt und beide ergänzen sich im Boden perfekt. Fertige Bio-Mischungen gibt es im Handel.

Standort und Boden

Die Winterwicke stellt ausgesprochen geringe Ansprüche an ihren Standort. Sie wächst auf sandigen, lehmigen und mittelschweren Böden gleichermaßen gut. Staunässe solltest du vermeiden, wohl fühlt sie sich auf lockeren, durchlässigen Böden. Im leicht sauren bis neutralen Bereich arbeiten die stickstoffbindenden Knöllchenbakterien am effektivsten.

Beim Licht ist die Winterwicke unkompliziert: Sonnige bis halbschattige Lagen reichen völlig aus. Auch bei der Feuchtigkeit zeigt sie sich tolerant. Nach dem Anwachsen kommt sie gut ohne zusätzliche Bewässerung aus. Gerade auf nährstoffarmen oder ausgelaugten Böden, auf denen andere Pflanzen schwächeln, spielt die Winterwicke ihre Stärken voll aus und bringt Stickstoff in den Boden.

Winterwicke: Gute und schlechte Nachbarn

Die Winterwicke ist keine Pflanze, die du einzeln zwischen Tomaten oder Salat setzt. Sie belegt als Gründüngung in der Regel das ganze Beet. Trotzdem gibt es Pflanzen, mit denen sie hervorragend harmoniert und andere, die gar nicht zu ihr passen.

Der beste Partner der Winterwicke ist Winterroggen. In dieser klassischen Kombination, dem Wickroggen-Gemenge, gibt der aufrecht wachsende Roggen der rankenden Wicke eine natürliche Kletterstütze. Im Gegenzug profitiert der Roggen vom Stickstoff, den die Wicke über ihre Knöllchenbakterien bereitstellt. Besonders auf leichten Sandböden funktioniert dieses Zusammenspiel ausgezeichnet.

Alle anderen Leguminosen sind dagegen ungünstige Nachbarn. Erbsen, Bohnen und Ackerbohnen nutzen dieselben Knöllchenbakterien, sind aber anfällig für die gleichen Pilzkrankheiten wie Sklerotinia oder Brennflecken. Wenn du mehrere Leguminosen auf derselben Fläche anbaust, steigt der Krankheitsdruck deutlich.

Sehr gute Nachbarn
Winterroggen
Gute Nachbarn
Inkarnatklee
Phacelia
Rotklee
Weißklee
Schlechte Nachbarn
Lupine
Sehr schlechte Nachbarn
Ackerbohne
Sommerwicke

Winterwicke: Vorgänger und Nachfolger

In der Fruchtfolge hat die Winterwicke eine klare Rolle: Sie steht zwischen zwei Anbaujahren und bereitet den Boden für die nächste Kultur vor. Nach der Ernte im Sommer oder Frühherbst wird sie gesät, überwintert und wird im Frühjahr eingearbeitet.

Sie eignet sich bestens bei Starkzehreren als Vorgänger, die den Boden ausgelaugt haben. Tomaten, Paprika, Kohl aller Art, Kürbis, Zucchini und Kartoffeln hinterlassen oft nährstoffarme Beete, genau das richtige Einsatzgebiet für die Winterwicke. Auch nach Radieschen oder Salaten macht sie Sinn, wenn du im Folgejahr einen Starkzehrer pflanzen willst.

Als Nachfolger nach der eingearbeiteten Winterwicke profitieren vor allem nährstoffhungrige Kulturen. Tomaten, Kürbis, Zucchini, Gurken und alle Kohlarten finden nach einer Wicke einen optimal vorbereiteten Boden vor. Auch Mais zeigt nach Winterwicke deutlich bessere Erträge, das ist sogar wissenschaftlich gut belegt. Kartoffeln, Sellerie und Lauch freuen sich ebenfalls über den stickstoffangereicherten Boden.

Nach der Winterwicke sollten keine andere Leguminosen folgen: keine Erbsen, keine Bohnen, keine Ackerbohnen. Die Anbaupause zu anderen Hülsenfrüchtlern sollte mindestens drei bis vier Jahre betragen. Umgekehrt gilt dasselbe, säe die Winterwicke nicht auf ein Beet, auf dem gerade erst Erbsen oder Bohnen gestanden haben.

Gute Vorgänger
Aubergine
Blumenkohl
Brokkoli
Chili
Chinakohl
Flower Sprouts
Grünkohl
Honigmelone
Kartoffel
Knollensellerie
Kohlrabi
Kürbis
Lauch
Mairübe
Mais
Mizuna (Asiasalat)
Pak Choi
Palmkohl
Paprika
Radieschen
Romanesco
Rosenkohl
Rotkohl
Spitzkohl
Steckrübe
Süßkartoffel
Tomate
Wassermelone
Weißkohl
Wirsing
Zucchini
Schlechte Vorgänger
Alexandrinerklee
Buschbohne
Erbse
Erdklee
Esparsette
Feuerbohne
Inkarnatklee
Kichererbse
Linsen
Lupine
Luzerne
Perserklee
Rotklee
Sojabohne
Sonnenblume
Stangenbohne
Weißklee
Sehr schlechte Vorgänger
Ackerbohne
Sommerwicke
Winterwicke
Gute Nachfolger
Aubergine
Blumenkohl
Brokkoli
Chili
Chinakohl
Flower Sprouts
Grünkohl
Gurke
Hafer
Honigmelone
Kartoffel
Knollensellerie
Kohlrabi
Kürbis
Lauch
Mairübe
Mais
Mizuna (Asiasalat)
Okra
Ölrettich
Pak Choi
Palmkohl
Paprika
Phacelia
Romanesco
Rosenkohl
Rotkohl
Spitzkohl
Stangensellerie
Steckrübe
Süßkartoffel
Tomate
Wassermelone
Weißkohl
Wirsing
Zucchini
Schlechte Nachfolger
Alexandrinerklee
Buschbohne
Erbse
Erdklee
Esparsette
Feuerbohne
Inkarnatklee
Kichererbse
Linsen
Lupine
Luzerne
Perserklee
Rotklee
Sojabohne
Sonnenblume
Stangenbohne
Weißklee
Sehr schlechte Nachfolger
Ackerbohne
Sommerwicke
Winterwicke

Sorten

Im Hobbygartenbereich wird die Winterwicke meistens als einfaches Art-Saatgut ohne spezielle Sortenbezeichnung verkauft. Für den landwirtschaftlichen Anbau gibt es gezüchtete Sorten wie Hungvillosa, die vor allem im Landsberger Gemenge zum Einsatz kommt, oder Welta mit besonders hohem Trockenmasseertrag. Diese Sorten sind für den Hobbygarten aber weder nötig noch leicht zu bekommen.

Interessant ist das fertig gemischte Wickroggen-Saatgut, das verschiedene Anbieter im Programm haben. Diese Mischungen aus Winterwicke und Winterroggen nehmen dir das Abmessen der einzelnen Komponenten ab und sind gerade für Einsteiger:innen sehr praktisch.

Pflege und Düngung

Die Winterwicke ist im Grunde eine Pflanze, die du aussäst und dann in Ruhe lässt. Nach der Keimung braucht sie keine Düngung. Auch gießen musst du nach dem Anwachsen normalerweise nicht mehr.

Das einzige was wirklich zählt, ist die Einarbeitung im Frühjahr. Der beste Zeitpunkt dafür ist kurz vor oder zu Beginn der Blüte, meistens im April oder Mai. Dann hat die Pflanze die maximale Biomasse aufgebaut und der gebundene Stickstoff steht optimal zur Verfügung. Dies ist natürlich Abhängig davon, wann die Aussaat der eigendlichen Kultur auf dem Beet beginnt. Du schneidest oder hackst die Pflanzen ab, zerkleinerst sie (ein Rasenmäher hilft auf kleinen Flächen) und arbeitest das Material flach in die oberen 5 bis 10 cm des Bodens ein. Zu tiefes Eingraben führt zu Fäulnis statt zu sauberer Verrottung.

Nach dem Einarbeiten sollte das Beet mindestens zwei Wochen ruhen, bei kühlen Temperaturen auch länger. In dieser Zeit wird der Stickstoff schrittweise freigesetzt und steht der Folgekultur zur Verfügung. Alternativ kannst du die abgemähte Masse auch einfach als Mulchschicht liegen lassen und bei der Pflanzung zur Seite schieben.

Achte darauf, die Winterwicke rechtzeitig vor der Samenreife einzuarbeiten. Sonst säht sie sich selbst aus und taucht im nächsten Jahr überall auf, wo du sie nicht haben willst.

Krankheiten und Schädlinge

Die Winterwicke ist insgesamt eine robuste Pflanze, bei der du dir wenig Sorgen um Krankheiten machen musst. Da sie als Gründüngung eingesetzt wird, ist ein leichter Befall ohnehin kein Drama.

Blattläuse können bei ungünstiger Witterung auftreten, richten aber bei einer Gründüngungspflanze keinen Schaden an. Marienkäfer und Schwebfliegen erledigen das meiste von allein. Der Blattrandkäfer frisst an den Blatträndern typische halbrunde Muster, auch das ist bei Gründüngung kein Grund zur Sorge.

Ernster zu nehmen sind Pilzerkrankungen, die vor allem bei zu enger Leguminosen-Fruchtfolge auftreten. Wickenrost und Brennfleckenkrankheit (Ascochyta) werden durch kurze Anbaupausen zwischen Hülsenfrüchtlern begünstigt. Die Sklerotinia (Sclerotionia sclerotiorum), auch Weißstängeligkeit genannt, verdient besondere Aufmerksamkeit: Die Winterwicke ist eine Wirtspflanze dieses Pilzes. Wenn du in deiner Fruchtfolge Kulturen hast, die ebenfalls anfällig für Sklerotinia sind (bestimmte Kohlarten, Salat), solltest du den Wickenanteil im Auge behalten.

Die beste Vorbeugung gegen alle genannten Probleme ist eine konsequente Fruchtfolge mit mindestens drei Jahren Pause zwischen Leguminosen.

Ernte und Verarbeitung

Die Winterwicke wird nicht geerntet und gegessen. Sie ist eine reine Gründüngungspflanze, deren gesamte Biomasse dem Boden zugeführt wird. Die Samen sind roh leicht giftig (sie enthalten Cyano-Glykoside und Lectine) und nicht zum Verzehr geeignet.

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