
Die Rote Bete ist eng verwandt mit Mangold, Zucker- und Futterrübe, mit denen sie den botanischen Namen Beta vulgaris teilt. Alle stammen von der Wilden Rübe von den Meeresküsten ab, nur zielte die Züchtung bei ihr ganz auf die Wurzel. Die Römer brachten sie nach Mitteleuropa, das satte Rot entstand aber erst durch Züchtungsarbeit im 19. Jahrhundert.
Ihre Farbe verdankt sie dem Betanin, das als E 162 auch industriell zum Färben von Lebensmitteln dient. Wer nur die klassische dunkelrote Kugel kennt, verpasst einiges: Es gibt gelbe, orange und weiße Sorten, rot-weiß geringelte, und in der Form reicht das Spektrum von plattrund über kugelig bis zylindrisch und spindelförmig.
Das Laub kannst du mitessen und wie Spinat zubereiten, junge Blätter machen sich roh im Salat gut. Angebaut wird Rote Bete einjährig, angelegt ist sie zweijährig und würde im zweiten Jahr blühen und Samen bilden. Für den Anfang im Gemüsegarten ist sie eine dankbare Kultur: robust, wenig anfällig und mit überschaubarem Pflegeaufwand.
Zahlen, Daten, Fakten
Rote Bete: Pflanzzeiten & Erntezeiten
Direktsaat von Mitte April bis Mitte Juli. Verpflanzen ins Beet von Mitte April bis Mitte Juli. Vorziehen etwa 30 Tage vor dem Verpflanzen, etwa zwischen Mitte März und Mitte Juni. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 70 Tagen etwa Mitte Juni beginnen und geht bis Ende November.
Rote Bete aussäen und pflanzen
Säe Rote Bete von Mitte April bis Mitte Juli direkt ins Beet, sobald der Boden 7 bis 8 °C erreicht hat. Wer es zu eilig hat, riskiert Schosser, denn Kälte im Jungpflanzenstadium bringt die Pflanze dazu, statt der Knolle einen Blütenstand zu bilden. Für frühe Saaten greifst du deshalb zu schossfesten Sorten wie 'Boltardy' oder 'Rote Kugel'.
Die Saatrillen ziehst du 2 bis 3 cm tief, mit 25 cm Abstand zwischen den Reihen. In der Reihe legst du alle 5 bis 10 cm ab und vereinzelst nach dem Auflaufen auf 10 bis 15 cm. Vereinzeln ist fast immer nötig, weil die Samen als Knäuel vorliegen und aus einem Korn mehrere Keimlinge kommen. Sorten wie 'Monika' sind monogerm und sparen dir das weitgehend. Die ausgedünnten Pflänzchen wandern als Baby Leaf in den Salat.
Ein paar Stunden Einweichen in lauwarmem Wasser beschleunigt die Keimung, optimal läuft sie bei 16 bis 22 °C. Vorziehen geht, ist aber unüblich, weil Rote Bete das Umpflanzen nicht besonders mag. Wenn doch, rechne mit etwa 30 Tagen und härte die Pflanzen vorher ab.
Für eine durchgehende Ernte säst du alle zwei bis drei Wochen gestaffelt nach. Willst du Rote Bete einlagern, planst du die letzte Aussaat nicht vor Anfang Juni, dann sind die Rüben im Oktober und November voll ausgereift und lagerfähig.
Standort und Boden
Rote Bete will Sonne, mindestens sechs Stunden am Tag. Im Halbschatten wächst sie zwar auch noch, lagert dann aber mehr Nitrat ein. Ein windgeschützter Platz ist von Vorteil.
Der Boden sollte tiefgründig, locker und humusreich sein, damit sich die Knolle ungehindert ausdehnen und die Pfahlwurzel darunter tief einwachsen kann. Staunässe verträgt sie nicht, die führt schnell zu Fäulnis an den Knollen.
Beim pH-Wert liegt der gute Bereich zwischen 6,5 und 7,5, also neutral bis leicht basisch. Zu saure Böden solltest du kalken, und zwar nicht nur der Nährstoffverfügbarkeit wegen: Rote Bete hat einen hohen Borbedarf und kommt bei niedrigem pH schlechter an das Bor im Boden heran. Das Ergebnis wäre die Herz- und Trockenfäule mit hohlen, dunklen Stellen im Fruchtfleisch.
Kompost oder gut verrotteter Mist vor der Aussaat sind ideal. Frischen Mist lässt du weg, der treibt nur das Laub.
Rote Bete: Gute und schlechte Nachbarn
Zwiebel, Schalotte, Frühlingszwiebel und Schnittlauch sind die stärksten Partner für Rote Bete. Sie wurzeln flach und schmal, machen kaum Konkurrenz und halten mit ihren schwefelhaltigen Ausdünstungen einiges an Schädlingen fern. Knoblauch wirkt zusätzlich gegen Wühlmäuse, die gerne an den Knollen nagen.
Salate passen ebenfalls gut. Sie nehmen kaum Nährstoffe weg, beschatten den Boden zwischen den Reihen und sind meist abgeerntet, bevor die Bete richtig Platz braucht. Buschbohnen bringen über ihre Knöllchenbakterien Stickstoff ins Beet, Kohlarten lockern mit ihren kräftigen Wurzeln den Boden. Dill und Bohnenkraut ziehen Nützlinge an und gelten seit jeher als förderlich für Geschmack und Wuchs.
Mangold und Spinat gehören dagegen weit weg. Alle drei sind eng verwandt und teilen sich die Cercospora-Blattflecken und die Rübenfliege, und Cercospora verbreitet sich über Spritzwasser direkt von Blatt zu Blatt. Möhren sind aus einem anderen Grund ungünstig: Zwei Wurzelgemüse arbeiten im selben Bodenhorizont und konkurrieren um Platz und Nährstoffe. Kartoffel und Mais fallen ebenfalls aus, die eine wegen ihres Nährstoffhungers und der Drahtwürmer, der andere schlicht wegen der Beschattung. Auch Lauch ist als direkter Nachbar keine gute Wahl.
Rote Bete: Vorgänger und Nachfolger
Zu sich selbst und ihren Verwandten aus der Familie der Gänsefußgewächse, dem Mangold und der Zuckerrübe, aber auch dem Spinat, sind drei Jahre Pause einzuhalten. Dasselbe gilt für Gartenmelde, Erdbeerspinat und Amaranth. Vier Jahre sind die sicherere Variante.
Der Grund steckt im Boden. Cercospora überdauert als Dauerform an Pflanzenresten, und die Rübenfliege überwintert als Puppe genau dort, wo im Vorjahr ihre Wirtspflanze stand.
Als Vorfrucht sind Erbsen und Bohnen ideal, weil sie Stickstoff im Boden hinterlassen. Kartoffeln funktionieren gut, obwohl sie als direkter Nachbar ungeeignet sind, denn als Vorfrucht hinterlassen sie einen tief gelockerten, sauberen Boden. Sellerie, Gurke und schnelle Salate sind ebenfalls problemlos.
Bei zwei Vorfrüchten lohnt ein zweiter Blick, weil sie unauffällig wirken. Lauch zeigt selbst keine Symptome, vermehrt aber den Rübenzystennematoden kräftig. Der Lauch sieht gesund aus und ist trotzdem belastet. Senf ist als Kreuzblütler ebenfalls Wirtspflanze dieses Nematoden, hier gibt es allerdings eine Ausnahme, die den Spieß umdreht: Nematodenresistente Gründüngungssorten mit Resistenznote 1 bis 2 bauen die Population sogar ab, sie müssen nur bis Mitte August ausgesät sein. Mais meidest du als Vorfrucht, weil er Wirtspflanze der Rhizoctonia-Wurzelfäule ist.
Nach der Roten Bete passen Bohnen, Sellerie, Feldsalat und Winterportulak. Spargel dagegen nicht, denn der kann den Erreger der Rotfäule beherbergen.
Sorten
'Boltardy' ist die naheliegende Wahl für frühe Aussaaten. Die britische Sorte aus den 1960ern ist ausgesprochen schossfest, bildet gleichmäßige dunkelrote Kugeln und liefert zartes, süßes Fleisch. 'Rote Kugel' ist der samenfeste Klassiker mit guter Lagerfähigkeit, ebenfalls schossfest.
Interessant wird es bei Formen und Farben. 'Cylindra' bildet lange zylindrische Rüben, aus denen sich gleichmäßige Scheiben ohne Abfall schneiden lassen, ideal zum Einlegen. 'Tonda di Chioggia' aus Norditalien zeigt beim Anschnitt eine rot-weiße Ringelung und schmeckt mild, das ist die dekorativste Sorte fürs Salatbrett. 'Boldor' ist gelb-orange und färbt beim Kochen nicht ab, 'Albina Vereduna' ist weiß und ebenfalls mild.
Für die Lagerung lohnt 'Robuschka', eine biodynamisch gezüchtete, samenfeste Sorte mit glatter Schale und fruchtig-süßem Geschmack. 'Ägyptische Plattrunde' ist die alte plattrunde Traditionssorte und reift früh. Und wenn dir das Vereinzeln lästig ist, nimm die monogerme 'Monika'.
Pflege und Düngung
Gieße Rote Bete vor allem in der Keimphase und bei Trockenheit gleichmäßig. Sobald sich die Knollen bilden, darfst du sparsamer werden, denn zu viel Wasser treibt das Laub auf Kosten der Rübe. Wechselt lange Trockenheit abrupt mit starken Wassergaben, platzen die Knollen auf. Eine Mulchschicht gleicht solche Schwankungen gut aus.
Beim Düngen gilt Zurückhaltung. Als Mittelzehrer kommt Rote Bete in einem gut vorbereiteten Beet meist ganz ohne zusätzliche Gaben aus. Stickstoffbetonte Dünger lässt du weg, sie erhöhen den Nitratgehalt der Rüben und verschlechtern die Lagerfähigkeit. Falls du nachdüngst, wähle etwas Kaliumbetontes, denn Kalium braucht die Rote Bete tatsächlich reichlich. Frischer Mist ist völlig ungeeignet.
Ein Punkt, der oft übersehen wird, ist Bor. Auf sauren Böden mit einem pH unter 6 entsteht schnell Bormangel, den du an der Herz- und Trockenfäule erkennst, also an dunklen hohlen Stellen im Inneren der Rübe. Der bessere Weg ist, den pH-Wert über eine Kalkgabe anzuheben, statt Bor nachzudüngen.
Halte den Boden zwischen den Reihen locker und das Unkraut kurz, solange die Blätter die Fläche noch nicht decken. Das fördert das Knollenwachstum spürbar.
Krankheiten und Schädlinge
Rote Bete ist insgesamt robust, und wer die Anbaupause einhält, hat mit den meisten Problemen wenig zu tun. Die häufigste Krankheit ist die Cercospora-Blattfleckenkrankheit (Cercospora beticola). Sie zeigt sich als kleine runde Flecken mit hellem Zentrum und rötlich-braunem Rand, zuerst auf den älteren Blättern. Bei starkem Befall stirbt das Laub ab, und ohne Blätter wächst auch keine Knolle mehr. Ähnlich sieht die Ramularia-Blattfleckenkrankheit (Ramularia beticola) aus, deren Flecken sind größer und heller und treten eher im kühleren Herbst auf.
Beide Pilze überdauern an Pflanzenresten im Boden. Räume das Beet im Herbst deshalb gründlich ab und kompostiere befallenes Laub nicht. In der Mischkultur hilft vor allem Abstand zu Mangold und Spinat, denn diese Pilze wandern über Spritzwasser auf kurze Distanz von Pflanze zu Pflanze. Gieße von unten statt über das Laub.
Der Echte Mehltau (Erysiphe betae) legt einen weißgrauen Belag auf die Blattoberseite und tritt anders als die Blattflecken bei trocken-warmem Wetter auf. Er tötet keine Zellen ab, kostet aber Ertrag.
Der wichtigste tierische Schädling ist die Rübenfliege (Pegomya betae). Sie legt ihre weißen Eier an die Blattunterseite, die Larven minieren helle Gänge durchs Blattgewebe. Ein Kulturschutznetz gleich nach der Aussaat ist der wirksamste Schutz, sonst reicht es meist, befallene Blätter abzunehmen und in den Restmüll zu geben.
Blattläuse sitzen in Kolonien an den Herzblättern und übertragen dabei Viren wie das Rübenmosaikvirus. Ein kräftiger Wasserstrahl hilft am Anfang, Ringelblumen oder Tagetes in der Nähe ziehen Schwebfliegen und Florfliegen an, deren Larven die Läuse erledigen. Junge Pflanzen fressen außerdem gerne Erdflöhe an, die vor allem bei Trockenheit aktiv werden.
Ernte und Verarbeitung
Man kann die Roten Beten nach 8 bis 10 Wochen auch jünger ernten als 'Baby Beet'. Sie sind dann deutlich kleiner, aber sehr zart und geschmackvoll. Ebenso kann das junge Laub in 'Baby Leaf'-Salaten genossen werden. Zur Lagerung eignen sich aber nur voll ausgereifte Rüben. Bis zur vollen Reife brauchen Standardsorten etwa 120 bis 150 Tage. Runde Sorten sind bei 7 bis 12 cm Durchmesser so weit. Warte nicht zu lange, denn übergroße Rüben verlieren an Geschmack, platzen leicht und faulen dann. Helle Ringe im Fruchtfleisch verraten eine zu lange Standzeit. Welkendes, alterndes Laub ist dagegen ein gutes Zeichen, es deutet auf volle Ausreife und die besten Lagereigenschaften hin. Hebe die Rüben mit einer Grabegabel heraus. Das Laub schneidest du 2 bis 3 cm über der Knolle ab und reißt es nicht heraus, sonst blutet die Rübe aus und verliert Farbe und Nährstoffe. Lass sie danach ein bis zwei Tage auf dem Beet nachtrocknen. Eingelagert hält Rote Bete bis ins Frühjahr. Am besten funktioniert eine Kiste mit feuchtem Sand im Keller oder in einer frostfreien Garage, kühl bei 3 bis 4 °C, dunkel und luftig, aber nicht zu trocken. In der Küche kannst du sie roh reiben, kochen, dämpfen, einlegen oder entsaften. Koche sie mit Schale und schäle erst danach, das hält die Farbe drin. Handschuhe sind kein Luxus, Betanin färbt gründlich. Wegen der Oxalsäure sollten Menschen mit Neigung zu Nierensteinen es nicht übertreiben, und gekochte Rote Bete kühlst du besser zügig ab, statt sie lange warm stehen zu lassen.