
Grünkohl ist ein Blattkohl ohne Kopf, der an einem hohen Strunk stark gekrauste Blätter bildet. Er zählt zu den ältesten Kohlformen und ist dem Wildkohl noch sehr ähnlich. Im Norden ist Grünkohl das Wintergemüse schlechthin, und auch im Süden erntest du ihn den ganzen Winter frisch aus dem Beet. Es gibt niedrige, kompakte Sorten mit 40 cm und alte Landsorten wie die Ostfriesische Palme, die fast 2 m hoch werden. Rote Sorten wie Redbor oder Roter Krauser sind zudem richtig schön im Beet. Grünkohl ist zweijährig: Bleibt er über den Winter stehen, blüht er im Frühjahr gelb.
Zahlen, Daten, Fakten
Grünkohl: Pflanzzeiten & Erntezeiten
Direktsaat von Mitte Mai bis Ende Juni. Verpflanzen ins Beet von Anfang Juni bis Ende Juli. Vorziehen etwa 60 Tage vor dem Verpflanzen, etwa zwischen Anfang April und Ende Mai. Die Ernte beginnt etwa Anfang September und geht bis Ende März im nächsten Jahr.
Grünkohl aussäen und pflanzen
Grünkohl säst du im Mai oder Juni in eine Saatrille oder in Töpfe, hohe Sorten schon ab Mitte April. Nach drei bis vier Wochen haben die Jungpflanzen drei bis vier Blätter und kommen von Juni bis Ende Juli an ihren Platz, nach Bohnen oder Erbsen sogar noch bis Anfang August. Setz den Grünkohl ruhig etwas tiefer als er im Topf stand, dann steht er später fester. Niedrige Sorten brauchen etwa 50 × 50 cm, hohe 75 × 50 cm. Weil er so spät gepflanzt wird, passt Grünkohl ideal nach Frühkartoffeln, Erbsen, Salat oder Knoblauch.
Standort und Boden
Grünkohl mag einen sonnigen Platz, kommt aber auch mit etwas Schatten zurecht. Ideal sind tiefgründige, eher schwere Lehmböden mit viel Humus und genug Kalk. Ein pH-Wert um 7 oder etwas darüber schützt vor der Kohlhernie. Auf Sandböden gelingt Grünkohl mit reichlich Kompost ebenfalls. Er ist weniger anspruchsvoll als Blumenkohl und wächst auch im Kübel ab 10 Litern.
Grünkohl: Gute und schlechte Nachbarn
Der Grünkohl kommt erst im Frühsommer ins Beet und steht dann bis zum Frühjahr. Bis er groß ist, hast du zwischen den Reihen viel Platz für schnelle Begleiter. Salat, Radieschen, Möhren oder Rote Bete säst oder pflanzt du zwischen die jungen Grünkohlreihen, sie sind geerntet, bevor der Kohl den Platz braucht. Im Spätsommer passen Endivien und Feldsalat daneben, Feldsalat überwintert sogar mit dem Grünkohl zusammen.
Sellerie ist ein besonders guter Partner, er soll mit seinem Duft den Kohlweißling fernhalten. Auch Tomaten sollen Kohlschädlinge abhalten, Bohnen und Erbsen verstehen sich ebenfalls gut mit dem Grünkohl. Gertrud Franck setzt späte Kohlarten gern neben Frühkartoffeln, die geerntet sind, wenn der Kohl wächst. Dill, Borretsch, Ringelblume und Tagetes am Rand locken Nützlinge an.
Erdbeeren gelten dagegen in vielen Ländern als schlechte Nachbarn, und Gartenkresse säst du lieber für sich. Kapuzinerkresse ist selbst Futterpflanze der Kohlweißlingsraupen, ob sie den Grünkohl entlastet oder die Falter erst anlockt, weiß niemand sicher. Andere Kohlarten neben dem Grünkohl sind kein Problem, solange du sie in der Fruchtfolge auseinanderhältst.
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Grünkohl: Vorgänger und Nachfolger
Wie alle Kohlarten sollte Grünkohl erst im vierten Jahr wieder auf ein Beet, auf dem Kreuzblütler standen. So hältst du die Kohlhernie in Schach, deren Dauersporen viele Jahre im Boden überleben. Die besten Vorfrüchte sind Erbsen und Bohnen, deren Stickstoff der hungrige Grünkohl gut nutzt. Da er erst im Juni oder Juli gepflanzt wird, kann er sogar im selben Jahr nach Frühkartoffeln, Erbsen, Buschbohnen oder Salat folgen. Auch nach Zwiebeln, Knoblauch, Schalotten, Zucchini oder Mais wächst er gut, denn diese teilen keine Krankheiten mit ihm.
Nach Roter Bete und Mangold hältst du vier Jahre Abstand, weil alle drei unter dem Rübenzystennematoden leiden, und auch Lauch und Spinat vermehren diesen Fadenwurm.
Nach dem Grünkohl passen im nächsten Jahr Pastinaken oder Lauch gut. Möhren, Schwarzwurzeln und Salat wachsen nach Kohl dagegen schlechter, und Zwiebeln werden nach den vielen Ernteresten weich. Zieh die Strünke nach der Ernte im Frühjahr heraus, damit Krankheiten und Weiße Fliegen nicht im Beet bleiben.
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Sorten
Bei Grünkohl hast du die Wahl zwischen niedrigen, kompakten Sorten wie Westerländer Winter oder Niedriger Grüner Krauser, die sich unter dem Schnee verstecken und besonders frosthart sind, und hohen Landsorten wie Ostfriesische Palme oder Lippische Palme. Rote Sorten wie Redbor, Roter Krauser oder Rote Palme sind dekorativ und schmecken mild. Red Russian hat flache, gezackte Blätter und eignet sich auch roh im Wintersalat.
Pflege und Düngung
Grünkohl ist ein Starkzehrer. Arbeite vor der Pflanzung reifen Kompost ein, frischen Mist verträgt er nicht, weil dieser die Kohlfliege anlockt. Bis August hältst du den Boden locker und unkrautfrei, gerade junge Pflanzen brauchen in Trockenzeiten Wasser. Ein Kulturschutznetz direkt nach der Pflanzung hält Kohlfliege, Erdflöhe und Raupen fern. Hohe Sorten bindest du vor dem Winter an einen Pfahl, damit Schnee und Wind sie nicht umdrücken. Grünkohl hält Frost bis etwa minus 8 °C aus, unter Schnee oder Vlies auch mehr.
Krankheiten und Schädlinge
Grünkohl ist robuster als die meisten Kohlarten, ganz verschont bleibt er aber nicht. Auf Böden mit Kohlhernie fällt er genauso aus wie andere Kohlarten, auch wenn manche Gärtner ihn für widerstandsfähiger halten. Achte deshalb auf vier Jahre Abstand zu anderen Kreuzblütlern und auf genug Kalk im Boden.
Der wichtigste Schädling am Grünkohl ist die Kohlmottenschildlaus, eine winzige weiße Fliege, die im warmen Spätsommer und Herbst massenhaft an den Blattunterseiten sitzt. Ihr klebriger Honigtau wird schwarz von Pilzen. Ein Netz ab der Pflanzung und das Abräumen alter Kohlstrünke helfen am meisten, mit einem kräftigen Wasserstrahl kannst du sie auch abbrausen.
Raupen von Kohlweißling, Kohlmotte und Kohleule fressen Löcher in die Blätter, die Kohlfliege legt ihre Eier an den Wurzelhals junger Pflanzen und Erdflöhe durchlöchern die Blätter im Sommer. Auch hier schützt ein Kulturschutznetz zuverlässig.
Bei kühlem, nassem Herbstwetter zeigen sich manchmal weiße Pusteln auf den Blattunterseiten, das ist der Weiße Rost. Rote Sorten werden von Schädlingen oft weniger befallen als grüne.
Ernte und Verarbeitung
Grünkohl erntest du am besten erst, wenn die Pflanzen ein paar kühle Wochen hinter sich haben, meist ab November. In der Kälte reichert der Grünkohl Zucker in den Blättern an und schmeckt dann milder. Einfrieren ersetzt das nicht, denn nur die wachsende Pflanze bildet den Zucker. Brich die jungen und mittleren Blätter nach Bedarf von unten nach oben ab und lass das Herz stehen, dann treibt er bis zum Frühjahr immer wieder nach. Die untersten, zähen Blätter kommen auf den Kompost oder zu den Hühnern. Im März schiebt der Grünkohl zarte Blütentriebe, die du wie Brokkoli essen kannst.
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