Winterroggen anbauen

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Secale cereale Roggen, Sommerroggen, Korn, Grünroggen, Grünschnittroggen
Weitere Namen
Roggen, Sommerroggen, Korn, Grünroggen, Grünschnittroggen
Botanischer Name
Secale cereale
Pflanzenkategorie
Gründüngung
WinterroggenLSDSL / CC BY-SA 3.0

Roggen gehört zur Familie der Süßgräser und ist eine der ältesten Kulturpflanzen Europas. Im Gemüsegarten wird er fast ausschließlich als Gründüngung eingesetzt, und in dieser Rolle ist er kaum zu schlagen. Botanisch gesehen sind Winterroggen und Sommerroggen dieselbe Art (Secale cereale), sie unterscheiden sich nur im Anbaurhythmus: Winterroggen wird im Herbst gesät und übersteht problemlos Temperaturen bis minus 25 °C, Sommerroggen kommt im Frühjahr in die Erde. In Mitteleuropa ist Winterroggen die mit Abstand gängigere Variante und als Gründüngung erste Wahl.

Was Roggen so wertvoll für den Garten macht, ist sein intensives Wurzelsystem. Die Wurzeln reichen bis zu einem Meter tief und lockern den Boden auf eine Art, die kein Spaten hinbekommt. Nach dem Einarbeiten bleiben feine Kanäle zurück, die Wasser speichern und die Durchlüftung verbessern. Gleichzeitig nimmt Roggen den Reststickstoff aus dem Boden auf, der nach der Gemüseernte noch vorhanden ist, und bewahrt ihn vor der Auswaschung über den Winter. Im Frühjahr steht dieser Stickstoff dann der nächsten Kultur zur Verfügung.

Ein großer Pluspunkt in der Mischkultur ist, dass Roggen mit praktisch keiner Gemüseart verwandt ist. Die einzige Ausnahme im Hobbygarten ist Zuckermais, der ebenfalls zu den Süßgräsern zählt. Roggen kann deshalb auf jedes Beet gesät werden, ohne die Fruchtfolge zu belasten.

Zahlen, Daten, Fakten

Lichtbedarf
Sonne
Nährstoffbedarf
Schwachzehrer
Schwierigkeitsgrad
Einfach
Gründüngung
Lockert verdichtete Bodenschichten in der Tiefe, Unterdrückt Unkraut besonders stark, Bindet vorhandenen Bodenstickstoff gegen Auswaschung
Winterhärte
Winterhart bis -25 °C
Kulturzeit
210 Tage
Reihenabstand
20 cm
Pflanzabstand
2 cm
Wuchshöhe
60 - 150 cm
Saattiefe
3 cm
Keimtemperatur (minimal)
1 °C
Keimtemperatur (optimal)
8 - 15 °C
Keim-Art
Dunkel

Winterroggen: Pflanzzeiten & Erntezeiten

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Direktsaat
Ernte
Ernte (im nächsten Jahr)

GründüngungDirektsaat von Ende August bis Mitte Oktober.

WinterDirektsaat von Mitte Juli bis Mitte Oktober. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 210 Tagen etwa Anfang Juli beginnen und geht bis Ende August im nächsten Jahr.

SommerDirektsaat von Ende Februar bis Mitte April. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 210 Tagen etwa Anfang Juli beginnen und geht bis Ende August.

Winterroggen aussäen

Winterroggen wird im Herbst direkt auf das abgeerntete Beet gesät. Der beste Zeitraum liegt zwischen Ende August und Mitte Oktober, wobei eine Aussaat im September ideal ist, weil die Pflanzen dann vor dem ersten Frost noch ordentlich anwurzeln können. Auch späte Saaten bis Ende Oktober oder sogar Anfang November funktionieren noch, denn Roggen ist die spätsaatverträglichste aller Gründüngungspflanzen.

Die Samen kommen 2 bis 3 cm tief in die Erde, am besten als Breitsaat. Danach leicht andrücken, damit guter Bodenkontakt besteht. Pro Quadratmeter brauchst du etwa 15 bis 20 g Saatgut. Ein praktischer Tipp: Roggenkörner aus dem Lebensmittelgeschäft keimen in der Regel genauso gut wie spezielles Gründüngungssaatgut. Das spart Geld und funktioniert einwandfrei.

Roggen keimt schon ab 1 bis 2 °C und nutzt jede milde Phase im Winter zum Wachsen. Auf frisch gelockerten Beeten sollte die Erde vor der Aussaat etwas verfestigt werden. Wenn es nach der Saat trocken bleibt, hilft einmaliges Angießen.

Wichtig zu wissen: Winterroggen eignet sich nur für Beete, die erst ab Ende April oder Mai wieder bepflanzt werden sollen. Der Aufwuchs muss vor der Neuanpflanzung eingearbeitet oder abgemäht werden, und danach braucht der Boden noch 3 bis 4 Wochen Ruhezeit.

Sommerroggen lässt sich alternativ im Frühjahr von Ende Februar bis Anfang April säen und wird dann im Sommer eingearbeitet, insofern als Gründüngung verwendet. Diese Variante spielt aber in der Praxis kaum eine Rolle.

Standort und Boden

Roggen ist die genügsamste aller Getreidearten und wächst noch auf sandigen, nährstoffarmen Böden, auf denen andere Kulturen längst aufgeben. Auch kühlere Lagen machen ihm nichts aus. Als Schwachzehrer braucht er keinerlei Düngung, im Gegenteil: Er soll ja gerade den vorhandenen Stickstoff aus dem Boden aufnehmen und konservieren.

Am liebsten steht Roggen sonnig, im Halbschatten bringt er weniger Wuchsleistung. Was er gar nicht verträgt, ist Staunässe. Auf dauerhaft nassen, verschlemmten Böden geht das Saatgut schlecht auf und die Wurzeln faulen. Solange der Wasserabzug stimmt, kommt Roggen aber mit fast jedem Gartenstandort zurecht.

Winterroggen: Gute und schlechte Nachbarn

Da Roggen als Gründüngung immer allein auf einem freien Beet steht, spielt die klassische Mischkultur-Nachbarschaft hier eine etwas andere Rolle. Die bewährtesten Partner sind andere Gründüngungspflanzen: Winterwicke und Roggen ergeben zusammen eine der besten Gründüngungsmischungen überhaupt, da der Roggen den Boden lockert und die Wicke Stickstoff fixiert. Auch Inkarnatklee ergänzt Roggen hervorragend nach dem gleichen Prinzip.

Phacelia (Bienenfreund) lässt sich zeitversetzt gut mit Roggen kombinieren, wenn sie im Frühherbst ausgesät wird und vor dem Winter abfriert, sodass der Roggen allein weiterwächst.

Vorsicht ist bei Mais geboten, denn beide gehören zur gleichen Pflanzenfamilie. Auf demselben Beet sollten sie nicht direkt aufeinanderfolgen.

Ein besonderer Aspekt beim Roggen sind seine allelopathischen Wurzelausscheidungen. Diese hemmen das Wachstum anderer Pflanzen in der Nähe. Für die Unkrautunterdrückung ist das ein Segen, aber genau deshalb sollte Roggen nie zwischen bestehende Gemüsekulturen gesät werden, sondern immer auf ein leeres Beet.

Gute Nachbarn
Sehr schlechte Nachbarn

Winterroggen: Vorgänger und Nachfolger

Roggen ist einer der fruchtfolgeneutralsten Gründünger im Garten. Da er als Süßgras mit keiner üblichen Gemüsefamilie verwandt ist, kann er nach praktisch jeder Kultur stehen. Besonders sinnvoll ist er nach Starkzehrern wie Kohl, Tomaten, Gurken oder Kartoffeln, weil er deren Reststickstoff über den Winter sichert und keine familientypischen Krankheiten verschleppt.

Als Nachfolger eignen sich wiederum Starkzehrer am besten: Kohl, Tomaten, Gurken, Zucchini und Kürbis profitieren vom lockeren, nährstoffreichen Boden, den der Roggen hinterlässt. Grundsätzlich kann nach einer Roggengründüngung jede nicht verwandte Gemüseart folgen.

Meiden solltest du die direkte Abfolge mit Mais, da beide Süßgräser sind. Auch wiederholter Roggenanbau auf derselben Fläche ist ungünstig, da sich dabei Stängelälchen anreichern können. Nach Roggen solltest du mit Ackerbohnen vorsichtig sein, da er als Wirt für bestimmte Nematoden dienen kann, die Ackerbohnen befallen.

Gute Vorgänger
Sehr schlechte Vorgänger
Gute Nachfolger
Schlechte Nachfolger
Sehr schlechte Nachfolger

Sorten

Für die reine Gründüngung im Garten ist die Sortenwahl nicht entscheidend. Du kannst sogar Roggenkörner aus dem Biomarkt oder Supermarkt verwenden, solange diese nicht wärmebehandelt wurden. Wer gezielt Grünmasse produzieren will, greift zu Grünschnittroggen-Sorten die auf besonders viel Blattmasse gezüchtet sind. Die alte Sorte 'Schlägler' aus der Arche-Noah-Erhaltung ist besonders schneeschimmelresistent und damit interessant für raue Lagen.

Pflege und Düngung

Pflegeleichter geht es kaum: Nach der Herbstaussaat und dem Aufgehen braucht Roggen bis zum Frühjahr keinerlei Aufmerksamkeit. Er wächst von allein, unterdrückt Unkraut und schützt den Boden. Nur wenn es nach der Saat längere Zeit trocken bleibt, lohnt sich einmaliges Gießen für eine gleichmäßige Keimung.

Im Frühjahr hast du zwei Möglichkeiten: Entweder du mähst den Aufwuchs ab und nutzt ihn als Mulch zwischen frisch gepflanzten Jungpflanzen wie Salat oder Kohl. Oder du arbeitest die Pflanzen flach, also maximal 10 cm tief, in den Boden ein. In beiden Fällen solltest du 3 bis 4 Wochen warten, bevor du neu pflanzt, weil während der Zersetzung vorübergehend Nährstoffe gebunden werden.

Ganz wichtig: Roggen unbedingt vor der Blüte beseitigen, spätestens wenn sich Ähren zeigen. Sonst sät er sich selbst aus und wird zum hartnäckigen Unkraut. Mai ist in der Regel der richtige Zeitpunkt zum Einarbeiten. Beim Ausreißen büschelweise mit Wurzeln herausziehen und die Erde abschütteln, das ergibt eine wunderbar fein durchgearbeitete Bodenstruktur.

Krankheiten und Schädlinge

Als Gründüngung, die vor der Blüte eingearbeitet wird, treten beim Roggen im Garten selten Probleme auf. Das gefürchtete Mutterkorn (Claviceps purpurea), bei dem sich statt Körnern giftige Pilz-Dauerkörper in der Ähre bilden, ist nur relevant, wenn du Roggen zur Samenreife kommen lässt. Beim Einsatz als Gründüngung besteht keine Gefahr.

Schneeschimmel (Microdochium nivale) kann unter langer Schneedecke auftreten und zeigt sich nach der Schneeschmelze als weißliches Pilzgeflecht auf den Pflanzen. In normalen Wintern ist das kein Problem. Braunrost (Puccinia triticina) bildet rotbraune Pusteln auf den Blättern, spielt aber bei der Gründüngungsnutzung praktisch keine Rolle.

Das Thema Stängelälchen (Ditylenchus dipsaci) verdient besondere Beachtung. Roggen kann Wirt dieser Nematoden sein, die im Boden lange überdauern. Das bedeutet: Auf Flächen mit bekanntem Nematodenbefall solltest du Roggen nicht zu häufig anbauen und danach keine Ackerbohnen oder andere empfindliche Leguminosen direkt folgen lassen. Manche Quellen beschreiben Roggen andererseits als nematodenreduzierend, was vermutlich für andere Nematodenarten gilt. Im normalen Hobbygarten ohne bekanntes Nematodenproblem ist das aber kein Grund zur Sorge.

Ernte und Verarbeitung

Als Gründüngung wird Roggen nicht im klassischen Sinne geerntet. Stattdessen nutzt du den Aufwuchs im Frühjahr zur Bodenverbesserung. Abgemäht ergibt er eine hervorragende Mulchschicht, die Feuchtigkeit hält, Unkraut unterdrückt und langsam Nährstoffe freisetzt. Du kannst ihn auch büschelweise mit den Wurzeln ausreißen, das lockert die obere Bodenschicht gleich mit auf.

Wer Roggen tatsächlich zur Kornreife bringen möchte, erntet im Juli oder August, wenn die Körner hart und trocken sind. Aus Roggenmehl lässt sich mit Sauerteig kräftiges Brot backen. Roggen braucht Sauerteig statt reiner Hefe, da sein hoher Pentosangehalt die Backfähigkeit beeinflusst.