
Der Mangold ist eng verwandt mit Roter Bete, Zucker- und Futterrübe, mit denen er den botanischen Namen teilt. Alle sind dieselbe Art, Beta vulgaris, nur unterschiedlich weit gezüchtet: Bei der Roten Bete zielte die Auslese auf die Wurzel, beim Mangold auf Blatt und Stiel.
In der Schweiz, Italien und dem Balkan ist Mangold ein Standardgemüse in den Gärten. Bei uns ist er seit einigen Jahren auch wieder häufiger anzutreffen. Die Gemüsepflanze, die in bunten Sorten mit knalligen Farben und Blattmaserungen echte Akzente im Gemüsegarten setzt, ist dabei einfach zu kultivieren und das ganze Jahr bis zum Wintereinbruch und zum Teil noch im kommenden Frühjahr zu beernten.
Diese lange Erntezeit ist seine eigentliche Stärke. Mangold ist zweijährig und bildet im ersten Jahr nur seine Blattrosette. Nimmst du immer nur die äußeren Blätter, treibt die Pflanze über Monate aus der Mitte nach. Erst im zweiten Jahr schiebt sie einen Blütenstand.
Der Zierwert kommt dazu. Buntstielige Sorten machen sich in Staudenrabatten und Kübeln genauso gut wie im Gemüsebeet, und wer Gemüse zwischen Zierpflanzen setzt, macht es spezialisierten Schädlingen schwerer, ihre Wirtspflanze zu finden.
Zahlen, Daten, Fakten
Mangold: Pflanzzeiten & Erntezeiten
FrühlingDirektsaat von Mitte April bis Mitte Juli. Verpflanzen ins Beet von Mitte Mai bis Mitte Juli. Vorziehen etwa 30 Tage vor dem Verpflanzen, etwa zwischen Mitte April und Mitte Juni. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 80 Tagen etwa Mitte Juni beginnen und geht bis Ende April im nächsten Jahr.
WinterDirektsaat von Mitte August bis Mitte September. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 80 Tagen etwa Ende Oktober beginnen und geht bis Mitte Juni im nächsten Jahr.
GewächshausDirektsaat von Anfang März bis Mitte Juli. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 80 Tagen etwa Anfang Mai beginnen und geht bis Ende April im nächsten Jahr.
Mangold aussäen und pflanzen
Mangold wird meist direkt gesät, von Mitte April bis Mitte Juli, etwa 2 cm tief. Der Boden sollte mindestens 6 °C haben, zügig keimt die Saat bei 16 bis 22 °C. Je nach Temperatur dauert es 4 bis 10 Tage bis zum Auflaufen, und bis dahin muss der Boden gleichmäßig feucht bleiben. Sommeraussaaten scheitern häufiger an Trockenheit als an allem anderen.
Die Jungpflanzen vertragen keinen Frost, sonst ist die Gefahr groß, dass sie schießen. Dahinter steckt die Vernalisation: Kälte im Jungpflanzenstadium wirkt wie ein überstandener Winter, und der eigentlich zweijährige Mangold geht schon im ersten Jahr in die Blüte. Wer früh startet, deckt deshalb mit Vlies ab. Rotstielige Sorten sind besonders anfällig.
Ein Mangoldkorn ist ein Knäuel mit bis zu sechs Samenanlagen. Aus einer Stelle kommen also mehrere Pflänzchen, du brauchst wenig Saatgut und musst auf jeden Fall vereinzeln. Beim Pflanzen darauf achten, dass der Abstand groß genug ist. Die Pflanzen werden ganz schön groß und kümmern, wenn sie zu eng stehen. Der Nutzungstyp entscheidet mit: Stielmangold will 30 bis 40 cm in der Reihe, Schnitt- und Blattmangold kommen mit 15 bis 25 cm aus, die Reihen liegen 30 bis 40 cm auseinander. Zu eng gesetzt bleiben die Stiele dünn und der Bestand trocknet nach Regen schlecht ab, was Blattflecken und Mehltau begünstigt.
Beim Vorziehen rechnest du mit etwa 30 Tagen und pflanzt von Mitte Mai bis Mitte Juli aus. Halte die Anzucht warm, 18 bis 20 °C in den ersten Wochen, sonst hast du dieselben Schosser wie bei zu früher Direktsaat.
Für Herbst und Winter säst du von Mitte August bis Mitte September, im Gewächshaus geht es schon ab Anfang März los. Überwinterungsanbau ist nur in milden Gebieten oder im Gewächshaus erfolgreich. Grüne Sorten sind unempfindlicher gegen Frost als bunte. Im Winter verlieren die Pflanzen meist ihre Blätter und treiben dann im Frühjahr wieder aus, falls sie nicht erfroren sind. Eine Winterabdeckung aus Reisig kann hilfreich sein.
Standort und Boden
Er mag es Mangold mag es sonnig, kommt aber auch im Halbschatten noch zuverlässig zurecht. Das macht ihn interessant für die Gartenecken, in denen Tomate oder Rote Bete nicht mehr glücklich werden. Windgeschützt sollte der Platz sein, denn die großen Blätter bieten viel Angriffsfläche und die fleischigen Stiele brechen leicht.
Er mag es humos und ist dankbar für eine Kompostgabe im Frühjahr. Der Boden darf tiefgründig und nährstoffreich sein, gerne mit Lehmanteil, weil der die Feuchtigkeit besser hält. Staunässe verträgt Mangold dagegen nicht.
Auf sauren Böden hilft eine Kalkgabe, und das lohnt sich doppelt: Beta-Arten brauchen vergleichsweise viel Bor, und bei niedrigem pH kommen sie schlechter an das Bor im Boden heran.
Wichtiger als alles andere ist gleichmäßige Feuchtigkeit. Trockenstress führt zu dünnen, zähen Stielen, bitterem Geschmack und wieder zum Schossen. Im Topf funktioniert Mangold gut, ab etwa 25 cm Durchmesser und mit genug Tiefe für die Wurzel.
Mangold: Gute und schlechte Nachbarn
Mit Tomaten, Gurken oder Spinat verträgt sich Mangold nicht so gut. Bei Tomate und Gurke geht es um Konkurrenz: Beide sind Starkzehrer, wollen viel Wasser und beanspruchen Platz, den der breit ausladende Mangold selbst braucht. Zucchini und Kürbis überwachsen ihn schlicht.
Am besten stehen neben Mangold Zwiebel, Schalotte, Frühlingszwiebel und Schnittlauch. Sie zehren wenig, wurzeln flach und schmal und lassen ihm den Raum. Fast genauso gut passen Buschbohne, Erbse und Ackerbohne, weil sie über ihre Knöllchenbakterien Stickstoff im Beet festlegen, statt welchen zu nehmen.
Möhre und Pastinake funktionieren, weil sie tief und schmal wurzeln, während der Mangold flach und breit arbeitet. Salat und Radieschen sind die klassischen Lückenfüller, abgeerntet lange bevor der Mangold seine volle Blattmasse hat. Umgekehrt beschattet er später Salatpflanzungen, was im Hochsommer das Schossen verzögert.
Rote Bete und Spinat gehören auf keinen Fall daneben. Alle drei teilen sich die Cercospora-Blattflecken und die Rübenfliege. Cercospora verbreitet sich über Spritzwasser direkt von Blatt zu Blatt. Nebeneinander gepflanzt vervielfachst du den Infektionsdruck auf engstem Raum.
Auch Lauch ist kein guter Nachbar, obwohl er selbst gesund bleibt, dazu mehr in der Fruchtfolge.
Denk bei der Planung an die Standzeit. Mangold blockiert die Fläche über Monate. Seine Nachbarn müssen entweder fertig sein, bevor sich der Bestand schließt, oder die ganze Zeit mitgehen.
Mangold: Vorgänger und Nachfolger
Zu sich selbst und seinen Verwandten aus der Familie der Gänsefußgewächse, der Roten Bete und Zuckerrübe, aber auch dem Spinat, sind drei Jahre Pause einzuhalten. Dasselbe gilt für Gartenmelde, Erdbeerspinat und Amaranth. Vier Jahre sind die sicherere Variante, besonders wenn du schon Blattflecken oder Rübenfliegen im Beet hattest.
Der Grund steckt im Boden. Cercospora überdauert als Dauerform an Pflanzenresten, und die Rübenfliege überwintert als Puppe genau dort, wo im Vorjahr ihre Wirtspflanze stand. Beide finden im nächsten Gänsefußgewächs sofort wieder einen Wirt.
Als Vorfrucht eignen sich Kartoffeln besonders gut, weil sie den Boden tief gelockert und unkrautfrei hinterlassen. Erbsen und Bohnen füllen das Stickstoffkonto auf, auch Sellerie, Gurke und schnelle Salate passen gut.
Zwei Vorfrüchte solltest du meiden, obwohl sie harmlos aussehen. Lauch nimmt selbst keinen Schaden, vermehrt aber den Rübenzystennematoden kräftig. Der Lauch sieht gesund aus und ist trotzdem belastet. Senf gehört als Kreuzblütler ebenfalls zu den Wirtspflanzen dieses Nematoden, hier gibt es allerdings einen Ausweg: Nematodenresistente Gründüngungssorten mit Resistenznote 1 bis 2 bauen die Population sogar ab, sie müssen nur bis Mitte August in den Boden. Mais ist keine gute Vorfrucht, weil er Wirtspflanze der Rhizoctonia-Wurzelfäule ist.
Nach dem Mangold passen Bohnen aller Art, Sellerie, Feldsalat und Winterportulak. Spargel dagegen nicht, denn der kann den Erreger der Rotfäule beherbergen.
Sorten
Es gibt grob eine Einteilung in Blatt- und Stielmangold, bei dem die verdickten Stiele ebenfalls als Gemüse gegessen werden. Bei vielen Sorten geht beides.
Bei den Stielmangolden ist 'Walliser' die Sorte für frühe Aussaaten. Die alte Schweizer Züchtung bildet bis zu 10 cm breite, reinweiße Rippen und gilt als besonders schossfest. 'Rhubarb Chard' liefert intensiv rote Stiele zu großen glatten Blättern, 'Bright Lights' ist die bekannteste bunte Mischung mit gelben, roten, pinken und weißen Stielen. 'Fordhook Giant' ist der großwüchsige weißstielige Klassiker.
Beim Blatt- und Schnittmangold führt kein Weg an 'Lucullus' vorbei: hellgrüne, leicht gekrauste Blätter, schmale cremeweiße Rippen, wüchsig und mit gutem Geschmack. Die Sorte gilt als winterhart, eine Laubabdeckung hilft trotzdem. Aus Italien kommen 'Verde da Taglio' und 'Erbette' als feine Schnittmangolde, an alten deutschen Sorten sind 'Gelber Bündner' und 'Hunsrücker Schnitt' erhältlich.
Zur Überwinterung greifst du besser zu grünen und weißstieligen Sorten, die sind deutlich frosttoleranter als die bunten und roten.
Pflege und Düngung
Der Mangold ist ein Mittelzehrer und benötigt deshalb auch nur eine mäßige Düngung. Eine Kompostgabe im Frühjahr reicht in der Regel aus. Weil er über Monate beerntet wird, entzieht er dem Beet allerdings mehr, als diese Einstufung vermuten lässt. Bei langer Standzeit düngst du deshalb alle vier bis sechs Wochen leicht organisch nach. Mineralischen Stickstoff lässt du weg, denn Mangold reichert Nitrat an und starke Stickstoffgaben verstärken das deutlich.
Bei zu trockener Witterung regelmäßig gießen. Das ist die wichtigste Arbeit überhaupt, an heißen Sommertagen täglich. Eine Mulchschicht hält die Feuchtigkeit, dämpft Temperaturschwankungen und spart dir einen Teil der Gießgänge.
Vereinzeln ist Pflicht, sonst erntest du nur kümmerliche Stiele. Die entfernten Sämlinge kannst du als Babyleaf essen oder umsetzen. Welke und vergilbte Blätter nimmst du regelmäßig heraus, sie behindern den Neuaustrieb aus der Mitte und sind eine Eintrittspforte für Pilze. Zeigt sich im ersten Jahr ein Blütenansatz, brich ihn früh heraus.
Wenn man ein Gewächshaus zur Verfügung hat, kann man den Freiland-Mangold ausbuddeln und nach dem Ausräumen, beispielsweise der Tomaten, diesen unters Dach pflanzen und so den Überwinterungsanbau sichern. Im Freiland deckst du ab Frostbeginn mit Laub, Reisig oder Vlies ab. Kahlfrost ohne Schneedecke ist das eigentliche Problem, nicht die Kälte an sich.
Krankheiten und Schädlinge
Die Cercospora-Blattfleckenkrankheit (Cercospora beticola) ist das häufigste Problem am Mangold. Du erkennst sie an vielen kleinen runden Flecken mit hellgrauem Zentrum und deutlichem rotbraunem Rand, zuerst an den älteren Blättern. Bei starkem Befall fließen die Flecken zusammen und das Gewebe stirbt ab. Ähnlich sieht die Ramularia-Blattfleckenkrankheit (Ramularia beticola) aus, ihre Flecken sind größer, heller und eckiger begrenzt. Beide Pilze überdauern an Pflanzenresten im Boden, deshalb räumst du im Herbst gründlich ab und kompostierst befallenes Laub nicht.
Vorbeugen kannst du vor allem über Abstand und Wasser. Ein Bestand, der nach Tau und Regen zügig abtrocknet, wird viel seltener krank. Gieße von unten statt über das Laub, und setze Mangold weit weg von Roter Bete und Spinat, weil diese Pilze über Spritzwasser auf kurze Distanz wandern. Der Falsche Mehltau der Beta-Arten (Peronospora farinosa f. sp. betae) bleibt übrigens an seiner Familie und springt nicht auf Spinat über (dort ist es (Peronospora effusa), und umgekehrt genauso wenig.
Der Echte Mehltau (Erysiphe betae) legt einen weißen Belag auf die Blätter und tritt anders als die Blattflecken bei trockener Luft auf. Auch hier ist ausreichender Pflanzabstand die wirksamste Maßnahme.
Wichtigster tierischer Schädling ist die Rübenfliege (Pegomya betae). Sie legt ab April weiße Eier an die Blattunterseite, die Larven fressen helle, silbriggraue Gänge ins Blattgewebe. Drei bis vier Generationen pro Jahr sind normal, weshalb ein Kulturschutznetz von April bis September der zuverlässigste Schutz ist. Befallene Blätter entfernst du und gibst sie in den Restmüll, nicht auf den Kompost.
Die Schwarze Bohnenlaus (Aphis fabae) sitzt in Kolonien an jungen Blattunterseiten und hinterlässt klebrigen Honigtau. Ringelblumen und Borretsch im Beet ziehen Schwebfliegen an, deren Larven die Läuse fressen, Kapuzinerkresse funktioniert als Fangpflanze. Junge Mangoldpflanzen sind außerdem bei Schnecken beliebt, und Erdflöhe hinterlassen bei Trockenheit viele kleine runde Löcher in den Blättern.
Ernte und Verarbeitung
Blätter und Stiele kann man jeweils bis zur Blüte ernten. Danach werden sie zäh, faserig und bitter, und in den Stielen lagert sich zunehmend Oxalsäure ein. Ernte immer von außen. Du schneidest nur die äußeren großen Blätter am Grund ab und lässt das Herz stehen, dann schiebt die Pflanze aus der Mitte laufend nach und du beerntest sie über Monate. Wer die ganze Rosette abschneidet, bekommt zwar meist einen Neuaustrieb, aber deutlich weniger Gesamtertrag. Schneide die Stiele so weit unten wie möglich ab, damit keine Stummel als Fäulnisherd stehen bleiben. Die erste Ernte steht nach rund 80 Tagen an, aus der Frühjahrsaussaat also ab Mitte Juni, aus der Augustsaat ab Ende Oktober. Für einen niedrigeren Nitratgehalt erntest du möglichst spät am Tag und bei Sonne, denn Licht baut Nitrat in der Pflanze ab. Frisch hält sich Mangold nur etwa zwei Tage im Gemüsefach, in ein feuchtes Tuch gewickelt. Bei Erntespitzen blanchierst du ihn kurz und frierst ihn ein, das funktioniert wie bei Spinat. Blätter bereitest du wie Spinat zu, Stiele eher wie Spargel, wegen der unterschiedlichen Garzeiten trennst du beides sinnvollerweise. Mangold enthält viel Oxalsäure, kurzes Blanchieren halbiert den Gehalt etwa. In größeren Mengen roh ist er deshalb nichts für Kleinkinder oder Menschen mit Neigung zu Harnsteinen. Wärme gekochten Mangold höchstens einmal auf, dafür richtig durch, weil sich beim langsamen Warmhalten Nitrat in Nitrit umwandeln kann. Ein Spritzer Zitronensaft wirkt dem entgegen.