Ölrettich anbauen

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Raphanus sativus var. oleiformis Tiefenrettich
Weitere Namen
Tiefenrettich
Botanischer Name
Raphanus sativus var. oleiformis
Pflanzenkategorie
Gründüngung
ÖlrettichRasbak / CC BY-SA 3.0

Ölrettich gehört zur Familie der Kreuzblütler und ist einer der wirkungsvollsten Bodenverbesserer im Gemüsegarten. Im Gegensatz zu seinem Verwandten, dem Speiserettich, bildet er keine essbare Rübe aus, sondern eine kräftige Pfahlwurzel, die je nach Sorte 80 bis 150 cm tief in den Boden reicht. Diese Tiefenwirkung macht ihn zum echten Spezialisten für verdichtete Böden.

Die Geschichte des Ölrettichs reicht weit zurück. Schon in der Antike wurde in Ägypten aus Rettichsamen Öl gewonnen, und in China und Japan ist das bis heute der Fall. In Europa hat sich der Schwerpunkt komplett verschoben. Hier wird Ölrettich fast ausschließlich als Gründüngung und Zwischenfrucht angebaut. Er wächst 50 bis 100 cm hoch, trägt wechselständig gefiederte Blätter und blüht je nach Aussaatzeitpunkt zwischen Mai und Oktober mit hübschen Kreuzblüten in Weiß, Gelb oder Lila. Bienen und andere Insekten lieben diese Blüten als Nektarquelle.

Die echte Stärke des Ölrettichs liegt unter der Erde. Seine Pfahlwurzel durchbricht selbst verdichtete Bodenschichten und hinterlässt nach dem Absterben feine Kanäle, die den Boden dauerhaft belüften und das Wasserabzugsvermögen verbessern. Im Spätherbst bindet er außerdem überschüssigen Stickstoff und verhindert so dessen Auswaschung ins Grundwasser. Durch seinen raschen Aufwuchs unterdrückt er Unkraut zuverlässig und schützt den Boden gleichzeitig vor Erosion.

Zahlen, Daten, Fakten

Lichtbedarf
Sonne / Halbschatten
Nährstoffbedarf
Schwachzehrer
Schwierigkeitsgrad
Einfach
Gründüngung
Lockert verdichtete Bodenschichten in der Tiefe, Bekämpft Nematoden aktiv, Unterdrückt Unkraut besonders stark, Wertvolle Bienen-/Insektenweide, Bindet vorhandenen Bodenstickstoff gegen Auswaschung
Winterhärte
Abfrierend ab -8 °C
Kulturzeit
70 Tage
Reihenabstand
30 cm
Pflanzabstand
5 cm
Wuchshöhe
50 - 100 cm
Saattiefe
3 cm
Keimtemperatur (minimal)
2 °C
Keimtemperatur (optimal)
10 - 25 °C
Keim-Art
Dunkel

Ölrettich: Pflanzzeiten & Erntezeiten

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Direktsaat

Direktsaat von Anfang Juli bis Mitte September.

Ölrettich aussäen

Ölrettich wird ausschließlich direkt ins Beet gesät, ein Vorziehen ist weder üblich noch nötig. Der Aussaatzeitraum für die Gründüngung liegt zwischen Anfang Juli und Mitte September. Als Faustregel gilt: Etwa 8 bis 10 Wochen vor dem ersten erwarteten Frost sollte die Aussaat erfolgen, damit sich die Pflanze noch gut entwickeln kann.

Die Saattiefe beträgt 2 bis 4 cm. Du kannst das Saatgut breitwürfig ausbringen oder in Reihen mit 20 bis 40 cm Abstand säen. Die Saatstärke liegt bei ungefähr 3 g pro Quadratmeter. Das Saatgut keimt schon bei Bodentemperaturen ab 2 °C und braucht bis zum Auflaufen je nach Witterung rund zwei Wochen. Diese niedrige Keimtemperatur ist ein echter Vorteil, denn so klappt die Aussaat auch noch im frühen Herbst ohne Probleme.

Standort und Boden

Ölrettich ist bemerkenswert genügsam. Er gedeiht in voller Sonne genauso wie im Halbschatten und kommt auf fast allen Böden zurecht, solange die Wasser- und Nährstoffversorgung halbwegs stimmt. Sobald die Pfahlwurzel tief genug eingedrungen ist, übersteht er auch trockene Phasen gut. Nur in der Keimlings- und Jungpflanzenphase solltest du bei Hitze und Trockenheit etwas gießen.

Eine Düngung braucht Ölrettich in der Regel nicht. Nur auf sehr nährstoffarmen Flächen kann eine moderate Stickstoffgabe den Aufwuchs unterstützen.

Ölrettich: Gute und schlechte Nachbarn

Ölrettich wird im Gemüsegarten nicht als klassischer gleichzeitiger Mischkulturpartner eingesetzt. Seine Rolle ist die Gründüngung, er belegt das Beet also typischerweise dann, wenn die Hauptkulturen bereits abgeerntet sind oder noch nicht gepflanzt werden.

In Gründüngungsmischungen ergänzt sich Ölrettich hervorragend mit Phacelia (Bienenfreund). Phacelia bildet ein dichtes Wurzelnetz in den oberen Bodenschichten, während der Ölrettich die Tiefe bearbeitet. Da Phacelia kein Kreuzblütler ist, gibt es keinerlei Konflikte. Auch Lupinen und Wicken sind gute Partner in Mischungen, weil sie als Hülsenfrüchtler Stickstoff fixieren, den der Ölrettich allein nicht liefern kann.

Schlecht sind alle Kreuzblütler in unmittelbarer Nachbarschaft, also Kohl, Senf, Radieschen und Rettich. Sie teilen dieselben Schädlinge und Krankheiten, allen voran die gefürchtete Kohlhernie. Auch Sonnenblumen sollten nicht direkt neben Ölrettich stehen, da sie den Pilz Sklerotinia übertragen können.

Sehr gute Nachbarn
Schlechte Nachbarn
Sehr schlechte Nachbarn

Ölrettich: Vorgänger und Nachfolger

Als Kreuzblütler unterliegt Ölrettich denselben Fruchtfolgeregeln wie Kohl, Raps oder Radieschen. Eine Anbaupause von mindestens drei, besser vier bis fünf Jahren zu anderen Kreuzblütlern auf derselben Fläche ist unbedingt einzuhalten. Wer dagegen verstößt, riskiert die Vermehrung von Kohlhernie im Boden, deren Dauersporen bis zu 20 Jahre überleben können.

Besonders gut steht Ölrettich nach Hülsenfrüchten wie Erbsen oder Bohnen, die den Boden mit Stickstoff angereichert haben. Auch nach Frühkartoffeln passt er prima, weil das Beet rechtzeitig frei wird und er noch genug Wachstumszeit bekommt.

Nach dem Ölrettich profitieren vor allem Kartoffeln von der tiefen Bodenlockerung. Nematodenresistente Ölrettich-Sorten reduzieren aktiv den Bestand an Zystennematoden, was den Kartoffeln direkt zugutekommt. Auch Mais, Tomaten, Zucchini, Kürbis und Stangenbohnen finden nach einer Ölrettich-Gründüngung einen wunderbar aufbereiteten Boden vor.

Gute Vorgänger
Sehr schlechte Vorgänger
Sehr gute Nachfolger
Gute Nachfolger
Sehr schlechte Nachfolger

Sorten

Bei Ölrettich-Sorten lohnt sich ein genauer Blick, denn die Unterschiede sind für den Einsatzzweck entscheidend. Der wichtigste Faktor ist die Nematodenresistenz. Sorten wie 'Maximus', 'Defender' oder 'Radetzky' sind multiresistent und bekämpfen verschiedene Nematodenarten aktiv über das sogenannte Fangpflanzenprinzip.

Wenn du keinen Nematodenbefall auf deiner Fläche hast, tut es auch eine konventionelle Sorte wie 'Litinia', die mit hübschen violett-weißen Blüten eine gute Bienenweide abgibt und den Boden trotzdem ordentlich lockert. Achte beim Kauf darauf, ob du gezielt gegen Nematoden arbeiten willst oder ob es dir vor allem um die Bodenverbesserung geht.

Pflege und Düngung

Ölrettich gehört zu den pflegeleichtesten Pflanzen im Garten überhaupt. In der Keimphase bei anhaltender Trockenheit etwas gießen, danach macht die Pflanze alles allein. Gedüngt werden muss auf normalen Gartenböden nicht.

Für die Einarbeitung als Gründünger gibt es zwei Wege: Du kannst den Bestand vor dem ersten Frost zerkleinern und flach in den Boden einarbeiten, dann stehen die Nährstoffe der Folgekultur schneller zur Verfügung. Die zweite Variante ist, den Ölrettich einfach abfrieren zu lassen. Er stirbt bei stärkerem Frost ab und bildet eine natürliche Mulchschicht, die den Boden über den Winter schützt. Im Frühjahr arbeitest du die Reste dann flach ein. Für die Biofumigation, also die gezielte Nematodenbekämpfung durch Senföle, wird der Ölrettich kurz vor der Blüte gehäckselt und sofort eingearbeitet, weil zu diesem Zeitpunkt die Glucosinolatkonzentration am höchsten ist.

Zwischen Einarbeitung und der nächsten Pflanzung solltest du etwa zwei bis drei Wochen warten, damit die Zersetzung der Pflanzenmasse keine Stickstoffsperre für die Folgekultur verursacht.

Krankheiten und Schädlinge

Die wichtigste Krankheit für Ölrettich ist die Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae), die alle Kreuzblütler befallen kann. Der Erreger bildet Dauersporen, die bis zu 20 Jahre im Boden überleben. Befallene Pflanzen zeigen knotige Verdickungen an den Wurzeln und wachsen schlecht. Die beste Vorbeugung sind weite Fruchtfolgen mit mindestens drei bis fünf Jahren Pause zwischen allen Kreuzblütlern und ein basischer Boden mit pH über 7.

Erdflöhe können vor allem jungen Pflanzen zusetzen und hinterlassen typische kleine Löcher in den Blättern. Bei kräftig gewachsenem Ölrettich ist der Schaden aber meist unbedeutend.

In der Nachbarschaft von Sonnenblumen kann Sklerotinia (Weißstängeligkeit) auftreten und auf den Ölrettich übergehen. Insgesamt treten bei vernünftiger Fruchtfolge und Abstand zu anderen Kreuzblütlern aber selten ernsthafte Probleme auf.

Ernte und Verarbeitung

Ölrettich wird als Gründüngung nicht geerntet, sondern bleibt auf der Fläche und wird eingearbeitet oder friert ab. Das ist ja gerade sein Zweck: Die gesamte Pflanzenmasse kommt dem Boden zugute.

Wer mag, kann allerdings junge Blätter wie Kohlgemüse verwenden, die Blüten als scharfe essbare Dekoration nutzen oder junge Schoten in der Pfanne zubereiten. Die Wurzel verholzt schnell und ist nur ganz jung genießbar. Das sind aber eher nette Nebensachen als der eigentliche Sinn der Sache.