
Der Rettich gehört zu den ältesten Kulturpflanzen und ist wie Radieschen, Kohl und Rucola ein Kreuzblütler. Botanisch sind Rettich und Radieschen sogar dieselbe Art, der Rettich wird aber größer, schärfer und braucht länger. Frühjahrs- und Sommerrettiche erntest du je nach Sorte nach sechs bis zwölf Wochen, Herbst- und Winterrettiche bleiben bis in den Spätherbst im Beet und halten sich danach monatelang. Die Rüben sind weiß, rosa, rot, violett, braun oder schwarz, rund oder lang, bis hin zum milden Daikon aus Asien. Ihre Schärfe kommt von den Senfölen.
Zahlen, Daten, Fakten
Rettich: Pflanzzeiten & Erntezeiten
SommerDirektsaat von Mitte April bis Ende Juli. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 75 Tagen etwa Anfang Juli beginnen und geht bis Mitte Oktober.
WinterDirektsaat von Mitte Juni bis Mitte August. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 98 Tagen etwa Ende September beginnen und geht bis Ende November.
GewächshausDirektsaat von Anfang Februar bis Anfang Juni. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 50 Tagen etwa Mitte März beginnen und geht bis Mitte Juli.
Rettich aussäen
Den Rettich säst du direkt ins Beet. Frühjahrs- und Sommerrettiche kommen von Ende April bis Ende Juli in die Erde, Herbst- und Winterrettiche von Ende Juni bis Anfang August, unter Glas geht es mit Treibsorten schon ab Januar. In den ersten drei Wochen nach der Saat braucht der Rettich mindestens 12 Grad, sonst schießt er in Blüte, ein Vlies hilft bei frühen Saaten. Säe in Reihen mit 20 bis 35 cm Abstand etwa 1 bis 2 cm tief und vereinzle auf 8 bis 10 cm, große Winterrettiche und Daikon auf 15 bis 20 cm. Damit du laufend ernten kannst, säst du alle drei Wochen eine kurze Reihe nach.
Standort und Boden
Rettich wächst am besten in humosem, lockerem, leichtem bis mittelschwerem Boden, der gleichmäßig feucht bleibt. Lange Sorten mit 40 bis 60 cm langen Rüben brauchen tiefgründige Erde, in steinigem oder verdichtetem Boden verformen sich die Rüben. Auf sandigen Böden, die schnell austrocknen, musst du gut gießen, sonst schießt der Rettich. Sehr kalkreiche Böden mit hohem pH-Wert fördern Rettichschwärze und Schorf. Im Kübel klappt Rettich vor allem mit Herbstaussaaten, weil es auf dem Balkon im Sommer meist zu heiß wird.
Rettich: Gute und schlechte Nachbarn
Der beste Partner für den Rettich ist Salat. Gertrud Franck sät ihn immer zusammen mit Salat, weil der Salat die Erdflöhe vom Rettich fernhalten soll, und Schwester Christa Weinrich pflanzt Sommersalat in eine Reihe zwischen zwei Rettichreihen. Im Sommer kannst du Rettiche zwischen die Erbsenreihen säen, nach der Erbsenernte haben sie das Beet für sich. Neben Stangenbohnen passen Rettich und Salat in die Zwischenreihen und sind geerntet, bevor du zum Pflücken Platz brauchst.
Schwester Christa Weinrich nennt außerdem Buschbohnen, Möhren, Schwarzwurzeln, Spinat, Mangold, Tomaten und Gartenkresse als gute Nachbarn des Rettichs, Schnittsellerie bekommt bei ihr einen Platz neben dem Rettich. Zwischen frühem Weißkohl hat Gertrud Franck Rettiche gesät, die geerntet sind, wenn der Kohl Platz braucht.
Neben Gurken und Zucchini säst du Rettich besser nicht, in heißen, trockenen Frühsommern soll er die Gurkenblüten taub werden lassen, Radieschen tun das nicht. Chinakohl und Rucola ziehen wie der Rettich Erdflöhe an, Chinakohl teilt mit ihm dazu eine Viruskrankheit, deshalb hältst du Abstand.
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Rettich: Vorgänger und Nachfolger
Wie alle Kreuzblütler sollte der Rettich erst im vierten Jahr wieder auf ein Beet, auf dem Kohl, Radieschen, Rucola oder andere Kreuzblütler standen. So hältst du die Kohlhernie und die Rettichschwärze in Schach, deren Dauersporen mehrere Jahre im Boden überleben, und auch die Puppen der Kohlfliege bleiben nicht im Beet zurück. Nach Rettich oder Radieschen ist die Gefahr durch die Rettichschwärze besonders groß.
Gute Vorkulturen sind Erbsen und Buschbohnen, nach deren Ernte du Rettich im Sommer direkt auf das freie Beet säen kannst. Schwester Christa Weinrich sät im März Ackerbohnen als Gründüngung und räumt sie vor der Blüte ab, danach braucht der Rettich keine Düngung mehr. Auf kalkreichen Böden säst du Rettich nicht direkt nach Kartoffeln, weil er dort leicht Schorf bekommt.
Nach dem Rettich passen Salat und Feldsalat gut, Schwester Christa Weinrich nennt beide als Nachkultur. Andrea Heistinger hält Kreuzblütler dagegen für eine schlechte Vorfrucht für Salat.
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Sorten
Beim Rettich unterscheidest du Treib- und Frühjahrssorten, Sommer-, Herbst- und Winterrettiche. Frühe Sorten müssen schossfest sein, Winter- und Lagerrettiche wie der Runde Schwarze Winter haben eine feste Schale und halten bis ins Frühjahr. Japanische Daikon-Rettiche vom Minowase-Typ werden lang und mild und sind weniger anfällig für die Rettichschwärze, lange weiße Eiszapfen-Typen dagegen sehr.
Pflege und Düngung
Rettich ist ein Mittelzehrer und wächst gut auf einem Beet, das im Vorjahr Mist oder Kompost bekommen hat. Frischen Mist oder unreifen Kompost verträgt er nicht, und zu viel Stickstoff lässt Nitrat in den Rüben steigen und sie leicht platzen. Wichtig ist eine gleichmäßige Wasserversorgung, bei Trockenheit gießt du alle drei Tage und mulchst den Boden, sonst wird der Rettich pelzig, sehr scharf oder schießt. Winterrettiche häufelst du etwas an. Ein Kulturschutznetz mit höchstens 0,8 mm Maschenweite direkt nach der Saat schützt vor Erdflöhen und Kohlfliegen.
Krankheiten und Schädlinge
Der gefährlichste Schädling am Rettich ist die Kohlfliege, hier oft Rettichfliege genannt. Ihre Maden fressen braune Gänge in die Rüben, schon wenige machen den Rettich unbrauchbar. Die Puppen überwintern im Boden, deshalb säst du Rettich nicht nach Kreuzblütlern und legst gleich nach der Saat ein Netz oder Vlies auf.
Erdflöhe durchlöchern vor allem im Mai und Juli die jungen Blätter. Gegen sie hilft ein feines Netz, dazu hältst du den Boden durch Gießen und Hacken feinkrümelig und feucht. Die Larven der Kohlrübenblattwespe fressen einen Rettichsatz in wenigen Tagen kahl, schau deshalb regelmäßig nach.
Die Rettichschwärze färbt die Rüben außen schwarz, oft ringförmig, später werden die Stellen morsch. Der Erreger mag Wärme über 20 Grad und kalkreiche Böden, ihre Dauersporen bleiben mehrere Jahre im Beet. Säe Rettich deshalb jedes Jahr an eine andere Stelle und wähle weniger anfällige Sorten. Auf Beeten mit Kohlhernie oder Verticillium-Welke baust du keinen Rettich an.
Im kühlen, feuchten Herbst zeigt sich am Rettich öfter Weißer Rost mit weißen Pusteln unter den Blättern, unter Glas Falscher Mehltau. Blattläuse übertragen Viren wie das Wasserrübenmosaikvirus, das vor allem Daikon-Hybriden schädigt, ein Netz hält auch sie fern.
Ernte und Verarbeitung
Ernte den Rettich, sobald die Rübe ihre volle Größe hat. Überreife Rettiche werden hohl und pelzig, drückst du die Rübe und sie gibt nach, ist es schon zu spät. Je nach Sorte bleibt dir dafür ein bis zwei Wochen Zeit, im Hochsommer nur wenige Tage. Lagerrettiche holst du im Spätherbst bei trockenem Wetter aus dem Boden, drehst das Laub ab und lagerst sie bei etwa 0 Grad und hoher Luftfeuchte bis zu sechs Monate, etwa in Sand im Keller. In der Küche isst du Rettich roh als Salat, gesalzen zur Brotzeit oder süßsauer eingelegt, die zarten Blätter schmecken als Rohkost. Als altes Hausmittel gilt der Saft des schwarzen Winterrettichs gegen Husten, dafür wird er ausgehöhlt und mit Kandis gefüllt.
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