Ingwer gehört zur Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae) und stammt ursprünglich aus den tropischen Regenwäldern Südostasiens. Was wir als Ingwerknolle kennen, ist botanisch gesehen ein Rhizom, also ein unterirdischer Spross. In ihm stecken die typischen Scharfstoffe Gingerol und Shogaol, die nicht nur für den markanten Geschmack sorgen, sondern auch entzündungshemmend und verdauungsfördernd wirken. 2018 wurde Ingwer sogar zur Heilpflanze des Jahres gekürt. Die Pflanze treibt schilfähnliche, einjährige Triebe direkt aus dem Rhizom, deren Blätter denen von Mais oder Bambus ähneln. In unseren Breiten erreicht sie Höhen zwischen 50 und 120 cm, als Zimmerpflanze manchmal sogar bis 150 cm. Im Herbst sterben die oberirdischen Teile ab, das Rhizom überdauert aber im Boden oder Topf. Ein schönes Detail am Rande: Auch die Blätter und Stiele sind essbar. Sie schmecken sanft nach Zitronengras und machen sich gut in Suppen oder Salaten. Trotz seiner tropischen Herkunft lässt sich Ingwer auch bei uns kultivieren. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Bamberg forscht seit 2017 daran und bestätigt, dass frisch geernteter deutscher Ingwer geschmacklich die Importware deutlich übertrifft. Allerdings braucht die Pflanze eine Vegetationsperiode von mindestens acht Monaten mit ausreichend Wärme. Deshalb ist die Topfkultur auf der Fensterbank oder im Gewächshaus der sicherste Weg zum Erfolg.
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Zahlen, Daten, Fakten
Ingwer: Pflanzzeiten & Erntezeiten
GewächshausVerpflanzen ins Beet von Anfang Februar bis Ende Februar. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 240 Tagen etwa Anfang Oktober beginnen und geht bis Ende November.
FreilandVerpflanzen ins Beet von Anfang Mai bis Ende Mai. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 240 Tagen etwa Anfang November beginnen und geht bis Ende Dezember.
Ingwer pflanzen
Ingwer wird nicht über Samen vermehrt, sondern ausschließlich vegetativ über Rhizomstücke. Am besten besorgst Du Dir eine frische Bio-Ingwerknolle aus dem Handel, denn konventionelle Ware kann mit wachstumshemmenden Substanzen behandelt sein. Achte darauf, dass das Rhizom prall und möglichst glatt ist. Ideal ist ein Stück, das bereits kleine knubbelige Verdickungen zeigt, die sogenannten Augen, vergleichbar mit Kartoffelaugen.
Schneide ein etwa 3 bis 5 cm großes Stück mit mindestens zwei Augen ab und lege es über Nacht in lauwarmes Wasser. Frische Schnittflächen sollten einige Stunden an der Luft trocknen, damit sie nicht faulen. Das Rhizomstück setzt Du dann etwa 2 bis 5 cm tief in nährstoffreiche, durchlässige Erde, wobei die Augen nach oben zeigen. Ingwer ist ein Flachwurzler, deshalb eignen sich breite Töpfe mit mindestens 30 cm Durchmesser besser als tiefe Gefäße. Im Beet hältst Du einen Pflanzabstand von 20 bis 30 cm ein.
Ab Ende Januar bis Februar kannst Du mit dem Vorziehen im Haus beginnen. Der Topf kommt an einen warmen Platz mit mindestens 20 °C, ideal sind 25 bis 26 °C. Ein Stück Frischhaltefolie über dem Topf erzeugt in den ersten Wochen ein tropisches Mikroklima. Die Keimung dauert je nach Temperatur 3 bis 8 Wochen. Im Gewächshaus ist eine Pflanzung ab Ende März möglich, ins Freiland darf Ingwer erst nach den Eisheiligen ab Mitte Mai.
Standort und Boden
Ingwer braucht einen hellen bis halbschattigen Standort. In seiner Heimat wächst er als Unterholzpflanze, deshalb verträgt er die pralle Mittagssonne nicht so gut. Ein Platz mit viel Licht, aber ohne direkte Sonneneinstrahlung in den heißesten Stunden, ist genau richtig. Im Sommer kann der Topf nach schrittweiser Gewöhnung auch ins Freie wandern.
Die optimale Wachstumstemperatur liegt zwischen 20 und 30 °C. Nachts sollte das Thermometer im Sommer nicht unter 12 bis 15 °C fallen. Frost ist absolut tödlich für die Pflanze. Die Luftfeuchtigkeit sollte bei mindestens 60 bis 70 Prozent liegen, regelmäßiges Besprühen des Laubs hilft dabei.
Beim Boden gilt: nährstoffreich, humos und vor allem gut durchlässig. Staunässe verträgt Ingwer nicht und führt unweigerlich zum Verfaulen der Rhizome. Eine Drainageschicht aus Blähton oder Kies am Topfboden ist Pflicht. Im Freiland eignet sich leichter, sandiger Boden am besten. Der ideale pH-Wert liegt zwischen 5,5 und 6,5, also leicht sauer. Zum Gießen verwendest Du am besten kalkarmes Wasser, idealerweise Regenwasser.
Ingwer: Gute und schlechte Nachbarn
Ingwer gilt als eher schwieriger Mischkultur-Partner. Die Pflanze hat eine allelopathische Wirkung, das heißt, sie kann das Wachstum benachbarter Pflanzen hemmen. Das ist auch einer der Gründe, warum die Topfkultur so nachdrücklich empfohlen wird. Koriander wird als verträglicher Nachbar im Kräuterbeet genannt. Da Ingwer als Einkeimblättrige botanisch weit von den meisten Gemüsearten entfernt ist, teilt er sich zumindest kaum Krankheiten und Schädlinge mit ihnen.
Generell gilt: Wenn Du Ingwer im Beet statt im Topf anbaust, halte ausreichend Abstand zu empfindlichen Nachbarkulturen. Die sicherste Variante bleibt aber die Einzelkultur im eigenen Gefäß.
Ingwer: Vorgänger und Nachfolger
In der Fruchtfolge ist Ingwer eine echte Bereicherung. Als einkeimblättrige Pflanze aus der Familie der Ingwergewächse unterbricht er den Kreislauf bodenbürtiger Krankheiten, die sich bei jahrelangem Anbau von Nachtschattengewächsen wie Tomaten, Paprika oder Auberginen aufbauen können. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Bamberg bestätigt diesen Effekt aus eigener Forschung: Ingwer gönnt dem Boden eine echte Verschnaufpause und eignet sich daher besonders gut als Wechselkultur im Gewächshaus.
Für Tomaten, Paprika, Auberginen und Kürbisgewächse wie Gurken oder Zucchini ist Ingwer daher ein guter Nachfolger. Umgekehrt profitieren genau diese Kulturen auch als Nachfolger, weil der Boden durch den Ingweranbau regeneriert wurde.
Vermeiden solltest Du den direkten Anbau nach anderen Ingwergewächsen wie Kurkuma oder Galgant. Eine Anbaupause von mindestens einem Jahr am selben Standort ist sinnvoll.
Sorten
Klassische Zuchtsorten wie bei Tomaten gibt es beim Ingwer praktisch nicht. Stattdessen unterscheidet man nach Herkunftsregionen mit jeweils eigenem Charakter. Jamaikanischer Ingwer gilt als mild und zitronig-frisch, indischer bringt ein süßliches Zitronenaroma mit. Australischer Ingwer ist die mildeste Variante, während nigerianischer Ingwer als besonders scharf bekannt ist. Brasilianische Herkünfte bilden besonders große Knollen, und Fidschi-Ingwer besticht durch seine zarte, saftige Textur.
Für den Anbau zu Hause spielt die exakte Herkunft aber eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist, dass das Rhizom frisch und unbehandelt ist. Bio-Ingwer aus dem Supermarkt oder Bioladen eignet sich hervorragend als Ausgangsmaterial.
Pflege und Düngung
Während der Wachstumsperiode von Frühling bis Herbst hältst Du die Erde gleichmäßig feucht. Ingwer braucht viel Wasser, Staunässe verträgt er jedoch nicht. Diese Balance zwischen feucht und nicht zu nass ist die zentrale Herausforderung. Der Wasserbedarf ist vergleichbar mit dem von Tomaten.
Beim Düngen zeigt die Forschung der LWG ein interessantes Bild: Ingwer braucht überraschend wenig Stickstoff, dafür aber viel Kalium. Zu viel Stickstoff führt sogar dazu, dass sich kein ordentliches Rhizom bildet. Kompost ist eine gute Kaliumquelle. Ergänzend kannst Du alle drei Wochen mit Brennnesseljauche gießen oder im Frühling einen organischen Langzeitdünger unter die Erde mischen.
Im Herbst, wenn die Triebe gelb werden und einziehen, stellst Du das Gießen komplett ein. Zur Überwinterung bleibt das Rhizom im Topf und kommt an einen dunklen, trockenen Ort bei 8 bis 12 °C. Ab Ende Februar stellst Du den Topf wieder warm und hell auf und beginnst vorsichtig mit dem Gießen. So lässt sich Ingwer über mehrere Jahre kultivieren.
Krankheiten und Schädlinge
Dank seiner Scharfstoffe Gingerol und Shogaol ist Ingwer weitgehend resistent gegen Schädlinge und Krankheiten. Die allermeisten Probleme entstehen durch Pflegefehler, nicht durch Erreger.
Das häufigste Problem ist mit Abstand die Rhizomfäule, die durch Staunässe entsteht. Befallene Stellen werden weich und bräunlich, dazu kommt ein fauliger Geruch. Vorbeugen kannst Du durch eine gute Drainage, das Antrocknen frischer Schnittflächen vor dem Pflanzen und maßvolles Gießen.
Bei Zimmerkultur treten gelegentlich Trauermücken (Sciaridae) auf, deren Larven die feinen Wurzeln schädigen. Gelbtafeln helfen bei der Bekämpfung, als Hausmittel kannst Du auch Streichhölzer mit dem Schwefelkopf nach unten in die Erde stecken. Schimmelbildung kann bei der Anzucht unter Folie auftreten, wenn nicht regelmäßig gelüftet wird. Im Freiland können Wühlmäuse die Rhizome anknabbern, ein Wühlmauskorb schafft hier Abhilfe.
Ernte und Verarbeitung
Die Ernte erfolgt etwa acht Monate nach dem Pflanzen. Bei einer Pflanzung im Februar ist also ungefähr im Oktober Erntezeit. Das Zeichen der Reife: Die oberirdischen Triebe färben sich gelb und welken. Möchtest Du milden, frischen Ingwer, erntest Du schon etwas früher, solange die Blätter noch grün sind. Für schärferen Ingwer, der sich gut zum Trocknen oder für Tee eignet, wartest Du die Gelbfärbung ab. Im Topf ziehst Du die Pflanze einfach vorsichtig heraus. Im Beet stichst Du mit dem Spaten kreisrund um die Pflanze und hebst sie aus. Für die Weiterkultur im nächsten Jahr legst Du ein paar kräftige Rhizomstücke beiseite.
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