Die Gewürztagetes gehört zu den echten Multitalenten im Gemüsegarten. Ursprünglich stammt sie aus Mexiko und Mittelamerika, wo sie seit Jahrhunderten in der Küche und als Heilpflanze geschätzt wird. In unseren Breiten ist sie einjährig und erfriert leider schon bei rund 4 °C. Dafür hat sie vom Frühsommer bis zum ersten Frost richtig viel zu bieten. Was die Gewürztagetes (Tagetes tenuifolia) so besonders macht: Ihre Wurzeln produzieren schwefelhaltige Verbindungen, sogenannte Terthiophene, die freilebende Nematoden im Boden abtöten. Gleichzeitig vertreiben ihre ätherischen Öle aus den Blättern Weiße Fliegen und Kohlfliegen. Die ungefüllten Blüten locken Bienen, Wildbienen und Schwebfliegen an, deren Larven wiederum Blattläuse vertilgen. Ein echter Rundumschlag also. Gegenüber ihren Verwandten T. patula und T. erecta hat die Gewürztagetes den Vorteil, das Schnecken sie weitestgehend in Ruhe lassen. Obendrein sind Blüten und Blätter essbar und schmecken je nach Sorte nach Zitrone, Mandarine oder Blutorange. In Mexiko nutzt man sie bis heute als Gewürz und Tee, im Kaukasus dient eine verwandte Art sogar als Safranersatz.
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Zahlen, Daten, Fakten
Tagetes: Pflanzzeiten & Erntezeiten
Direktsaat von Anfang April bis Ende Juni. Verpflanzen ins Beet von Mitte Mai bis Ende Juni. Vorziehen etwa 60 Tage vor dem Auspflanzen, etwa zwischen Mitte März und Ende April. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 120 Tagen etwa Anfang Juni beginnen und geht bis Ende Oktober.
Tagetes aussäen und pflanzen
Die Tagetes lässt sich ab Februar oder März auf der Fensterbank vorziehen. Wichtig dabei: Sie ist ein Lichtkeimer. Die Samen werden nur auf die Aussaaterde gestreut, leicht angedrückt und höchstens hauchdünn (maximal 5 mm) mit Substrat bedeckt. Bei Zimmertemperatur von 18 bis 20 °C zeigen sich die Keimlinge nach etwa 10 bis 14 Tagen, manchmal dauert es auch bis zu drei Wochen.
Sobald die ersten gefiederten Laubblätter erscheinen und die Pflänzchen 5 bis 8 cm groß sind, wird pikiert. Am besten nimmst Du einen Pikierstab, um die zarten Wurzeln zu schonen. Dann kommen die Setzlinge in nährstoffreichere Erde.
Ins Freiland darf die Tagetes erst nach den Eisheiligen Mitte Mai, denn Frost verträgt sie überhaupt nicht.
Die Direktsaat ins Beet ist ab Ende April möglich. Wer früh vorziehen möchte, kann bereits im Januar starten und hat dann ab Juni blühende Pflanzen. In den ersten Tagen nach dem Auspflanzen schadet ein temporärer Schneckenschutz nicht, auch wenn T. tenuifolia später kaum angefressen wird.
Standort und Boden
Die Tagetes liebt Sonne. Halbschattige Plätze toleriert sie zwar, aber Blütenfülle und Geschmack leiden spürbar darunter.
An den Boden stellt die Gewürztagetes kaum Ansprüche. Sie gedeiht in so ziemlich jedem Gartenboden, solange er durchlässig ist und nicht zu Staunässe neigt. Gleichmäßige Feuchtigkeit mag sie gern, vollständiges Austrocknen oder nasse Füße dagegen gar nicht.
Als Schwachzehrer kommt die Tagetes mit einer Kompostgabe vor der Pflanzung bestens aus. Zu viel Stickstoff führt zu üppigem Blattwerk auf Kosten der Blüten. Im Topf funktioniert sie hervorragend, egal ob Balkonkasten, Kübel oder als niedrige Beetumrandung. Im Gefäß trocknet das Substrat schneller aus, also öfter kontrollieren.
Tagetes: Gute und schlechte Nachbarn
Neben Tomaten entfaltet sie ihre größte Wirkung: Die ätherischen Öle vertreiben Weiße Fliegen, die Nematodenwirkung schützt die Wurzeln, und als lebende Bodenbedeckung kann sie sogar der Kraut- und Braunfäule vorbeugen. Im Gewächshaus als Unterpflanzung von Tomaten ist das besonders wirkungsvoll.
Kartoffeln profitieren stark von der Nematodenbekämpfung im Wurzelbereich. Alle Kohlarten schätzen den Schutz vor Kohlfliegen und Kohlmottenschildläusen, den die Tagetes durch ihre Duftstoffe bietet. Neben Lauch und Porree hält sie Lauchmotten und Ameisen fern. Petersilie wächst nachweislich besser in der Nähe von Tagetes.
Ringelblumen und Tagetes ergänzen sich. Zusammen verstärken sie die nematodenhemmende Wirkung im Boden.
Schlechte Nachbarn sind uns bisher nicht bekannt. Sie bildet wohl ausschließlich förderliche Kombinationen.
Tagetes: Vorgänger und Nachfolger
Die Tagetes braucht keine Anbaupause und kann theoretisch jedes Jahr am gleichen Platz stehen. Als genügsamer Schwachzehrer laugt sie den Boden kaum aus. Im Gegenteil: Sie hinterlässt sauberen, nematodenreduzierten und mit organischer Substanz angereicherten Boden.
Wir verteilen Tagetes und Ringelblume gerne über das gesamte Beet verteilt.
Sorten
Unter den Sorten der Gewürztagetes stechen besonders die sogenannten Gem-Sorten hervor. 'Lemon Gem' mit hellgelben Blüten und deutlichem Zitronenaroma ist wohl die bekannteste und am häufigsten empfohlene Sorte. 'Tangerine Gem' und 'Orange Gem bringen einen Mandarinengeschmack mit.
Wer Farbenvielfalt sucht, greift zu 'Starfire', einer Mischung aus verschiedenen Gelb- und Rottönen. 'Luna Orange' fällt durch ihren polsterartigen, stark verzweigten Wuchs auf und eignet sich prima als Bodendecker. 'Red Gem' setzt mit karmesinroten Blüten einen besonderen Akzent.
Wer primär Nematoden bekämpfen will, sollte ergänzend Tagetes patula 'Single Gold' pflanzen. Diese Sorte bekämpft wohl Pratylenchus-Nematoden sehr effizient. Am besten kombinierst du Tagetes tenuifolia für Geschmack und Tagetes patula für maximale Bodenhygiene.
Pflege und Düngung
Die wichtigste Maßnahme ist es verwelkte Blüten regelmäßig ausputzen. Das regt die Pflanze an, ständig neue Knospen zu bilden, und kann die Blütezeit um Wochen verlängern.
Beim Gießen solltest Du das Wasser direkt an den Wurzelbereich geben. Feuchtigkeit auf Blättern und Blüten begünstigt Grauschimmel.
Ein kleiner Hinweis zum Hautschutz: Alle Tagetes-Arten enthalten phototoxische Substanzen, die bei empfindlichen Personen in Kombination mit Sonnenlicht eine Kontaktdermatitis auslösen können. Bei längerer Gartenarbeit mit Tagetes lohnen sich Handschuhe.
Krankheiten und Schädlinge
Grauschimmel (Botrytis cinerea) ist die häufigste Pilzkrankheit bei der Tagetes. Er zeigt sich als grauer, pelziger Belag auf Blüten und Blättern, besonders bei feuchter Witterung. Befallene Pflanzenteile sofort entfernen und konsequent unten gießen. Gute Luftzirkulation hilft ebenfalls.
Mehltau kann bei ungünstiger Witterung auftreten, Blattläuse und Spinnmilben sind im Freiland selten ein Thema. Bei Staunässe drohen Welkekrankheiten. Insgesamt gehört die Tagetes aber zu den robusten, wenig krankheitsanfälligen Pflanzen im Garten.
Ernte und Verarbeitung
Von Juni bis zum ersten Frost im Oktober kannst Du laufend Blüten und Blattspitzen der Tagetes ernten. Regelmäßiges Pflücken fördert die Nachblüte enorm. In der Küche eignen sich die Blüten frisch für Salate, als essbare Garnitur auf Desserts, in Kräuterbutter, Tees und Punschgetränken. Sie färben Speisen safrangelb und lassen sich wunderbar trocknen für Tee- und Gewürzmischungen. Die Blüten enthalten den Farbstoff Lutein, ein Carotinoid, das vorbeugend gegen die Netzhauterkrankung Makuladegeneration wirken kann. Für die Samengewinnung lässt Du im Herbst einige der letzten Blütenköpfe ausreifen, bis sie braun und trocken sind. Die Samen herauslösen und bei Raumtemperatur nachtrocknen. Dunkel, trocken und kühl gelagert bleiben sie mehrere Jahre keimfähig. Wer keine unkontrollierte Selbstaussaat möchte, sollte abgeblühte Blüten rechtzeitig abschneiden.
