Das Bergbohnenkraut ist ein mehrjähriger, immergrüner Halbstrauch aus der Familie der Lippenblütler. Ursprünglich stammt es von den trockenen, kalkigen Felshängen der Balkanhalbinsel, wo es auf kargen Böden in voller Sonne gedeiht. Im Garten kann es viele Jahre am selben Standort stehen und verholzt mit der Zeit an der Basis. Im Vergleich zum einjährigen Sommer-Bohnenkraut schmeckt es deutlich intensiver, schärfer und pfeffriger. Vielen ist das Aroma pur fast zu kräftig, weshalb es in der Küche sparsam dosiert wird. In der Küche passt Bergbohnenkraut hervorragend zu Bohnengerichten, Hülsenfrüchten und Eintöpfen. Im Hausgarten hat es aber noch einen ganz anderen Wert: Viele Wildbienenarten, Hummeln und Schmetterlinge lieben die weißen bis violetten Blüten, die von Juli bis September erscheinen.
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Zahlen, Daten, Fakten
Winter-Bohnenkraut: Pflanzzeiten & Erntezeiten
Direktsaat von Anfang Mai bis Ende August. Verpflanzen ins Beet von Anfang Mai bis Ende Mai. Vorziehen etwa 45 Tage vor dem Auspflanzen, etwa zwischen Mitte März und Mitte April. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 90 Tagen etwa Anfang Juni beginnen und geht bis Ende Dezember im nächsten Jahr.
Winter-Bohnenkraut aussäen und pflanzen
Bergbohnenkraut ist ein Lichtkeimer. Samen nur auf feuchtes Substrat legen, leicht andrücken, höchstens eine Spur Sand darüber. Vorziehen ab März auf der Fensterbank, Direktsaat ins Freiland ab April, besser nach den Eisheiligen.
Die Keimung dauert 2 bis 4 Wochen, unbedingt frisches Saatgut verwenden, die Keimfähigkeit lässt bereits nach einem Jahr nach.
Neben der Aussaat lässt sich Bergbohnenkraut auch vegetativ vermehren: Im Frühjahr kannst Du den Wurzelstock teilen, im Sommer (Juli bis August) halbverholzte Stecklinge schneiden. Jungpflanzen sollten den ersten Winter geschützt verbringen und erst im Folgejahr dauerhaft ins Freiland umziehen.
Standort und Boden
Bergbohnenkraut braucht volle Sonne mit mindestens sechs Stunden direkter Einstrahlung pro Tag. Schon im lichten Halbschatten kümmert die Pflanze und bildet deutlich weniger Aromastoffe. Der Boden muss gut durchlässig, locker und eher nährstoffarm sein. Kalkhaltige bis neutrale Böden sind ideal, saure Böden mag das Bergbohnenkraut gar nicht.
Schwere Lehmböden solltest Du vor der Pflanzung mit Sand, Bims oder Kies auflockern.
Die obere Etage einer Kräuterspirale, ein mediterranes Kräuterbeet, Steingärten oder Trockenmauern sind perfekte Standorte. Auch im Topf auf dem Balkon gedeiht das Bergbohnenkraut prima, wenn eine gute Drainage gegeben ist.
Winter-Bohnenkraut: Gute und schlechte Nachbarn
Bohnen und Bergbohnenkraut sind gute Partner. Die intensiven ätherischen Öle halten die Schwarze Bohnenlaus und den Bohnenkäfer fern, und weil das Bergbohnenkraut als Dauerkultur ganzjährig im Beet steht, schützt es die Bohnen schon ab dem Frühjahr. Buschbohnen und Stangenbohnen profitieren gleichermaßen.
Da der Platz der Bohnen im Beet aber ständig wechselt, ist es einfacher Mischkultur mit Sommer-Bohnenkraut durchzuführen.
Auch mit Erdbeeren versteht sich das Bergbohnenkraut gut. Kopfsalat und Pflücksalat, Rote Bete und Zwiebeln sind ebenfalls dankbare Nachbarn. In der Kräutergemeinschaft harmoniert es besonders mit Oregano, Thymian, Rosmarin, Lavendel, Salbei und Ysop, da alle die gleichen Standortvorlieben teilen: sonnig, trocken, mager.
Abstand halten solltest Du wie auch beim Sommer-Bohnenkraut zu Basilikum und Liebstöckel.
Winter-Bohnenkraut: Vorgänger und Nachfolger
Bergbohnenkraut steht als mehrjährige Dauerkultur typischerweise 5 bis 10 Jahre am selben Platz. Eine klassische Fruchtfolgeplanung entfällt damit.
Wenn Du eine alte Pflanze nach Jahren entfernst, sollten keine anderen Lippenblütler wie Thymian, Salbei, Oregano, Minze oder Basilikum nachgepflanzt werden. Die Selbstunverträglichkeit innerhalb dieser Pflanzenfamilie ist gut belegt.
Sorten
Die Wildform des Bergbohnenkrauts ist der sichere Klassiker für den Garten: 20 bis 40 cm hoch, intensiv pfeffrig-würzig und absolut unkompliziert. Wer wenig Platz hat, greift zur kompakten Sorte 'Aromakugel', die sich besonders für Töpfe und kleine Beete eignet.
Die interessanteste Spielart ist das Zitronen-Bergbohnenkraut (Satureja montana var. citriodora). Es überrascht mit einem warm-zitronigen Aroma fast ohne herbe Noten und eignet sich hervorragend für Tees, Salate, Grillmarinaden und Fischgerichte.
Pflege und Düngung
Bergbohnenkraut ist genügsam. Sparsam gießen. Eine leichte Kompostgabe im Frühjahr reicht als Düngung. Überdüngung mit Stickstoff verschlechtert Aroma und Winterhärte.
Der wichtigste Pflegeschnitt erfolgt im Frühjahr: Triebe kräftig zurückschneiden, aber niemals ins alte Holz. Nach der Blüte ist ein weiterer leichter Rückschnitt möglich. Regelmäßiges Ernten der Triebspitzen fördert buschigen Wuchs.
Im Freiland übersteht etabliertes Bergbohnenkraut bis minus 15 bis minus 20 Grad. Im Kübel den Topf einwickeln oder kühl und hell überwintern.
Krankheiten und Schädlinge
Bergbohnenkraut ist dank seiner ätherischen Öle robust. Das größte Risiko ist Wurzelfäule durch Staunässe, durchlässiger Boden und zurückhaltendes Gießen beugen dem vor.
Echter Mehltau kann bei Wärme und hoher Luftfeuchtigkeit auftreten, besonders bei zu engem Stand oder zu viel Stickstoff. Blattläuse lassen sich mit einem Wasserstrahl oder Nützlingen leicht in den Griff bekommen. Ein Sud aus Bergbohnenkraut (10 ml Konzentrat auf 1 Liter Wasser) wirkt dabei auch als natürliches Spritzmittel.
Ernte und Verarbeitung
Der große Vorteil des Bergbohnenkrauts gegenüber dem einjährigen Sommerbohnenkraut: Als immergrüner Halbstrauch liefert es ganzjährig frische Blätter, auch mitten im Winter. Das intensivste Aroma haben die Blätter kurz vor und zu Beginn der Blüte im Juli und August. Das ist auch der beste Zeitpunkt für eine größere Ernte zum Trocknen. Schneide laufend Triebspitzen ab, das fördert gleichzeitig buschigen Nachwuchs. Verwende vor allem die Blätter, nicht die holzigen Stiele. Bei einer größeren Ernte nie mehr als ein Drittel der Pflanze auf einmal nehmen. Die Blüten sind übrigens ebenfalls essbar und haben einen leicht pfeffrigen Geschmack. Zum Konservieren hängst Du die Zweige kopfüber an einem luftigen, schattigen Ort auf. Getrocknetes Bergbohnenkraut behält sein Aroma hervorragend und hält sich in verschlossenen Gläsern monatelang. Am besten schmeckt es natürlich frisch von der Pflanze direkt in den Topf.
