Tomatillo anbauen

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Physalis philadelphica Mexikanische Tomate, Grüne Mexikanische Tomate, Mexikanische Blasenkirsche
Weitere Namen
Mexikanische Tomate, Grüne Mexikanische Tomate, Mexikanische Blasenkirsche
Botanischer Name
Physalis philadelphica
Pflanzenkategorie
Fruchtgemüse

Tomatillo
Frank Vincentz/CC BY-SA 3.0

Die Tomatillo gehört zur Familie der Nachtschattengewächse und ist trotz ihres Namens keine Tomate, sondern eine Blasenkirsche (Physalis). Ursprünglich stammt sie aus Mexiko und Mittelamerika, wo sie seit Jahrtausenden kultiviert wird. In der aztekischen Milpa-Landwirtschaft wuchs sie zwischen Mais, Bohnen und Kürbis. Heute ist sie in Deutschland noch immer ein echtes Garten-Highlight und überrascht viele mit ihrer Robustheit und ihrem einzigartigen Geschmack.

Das markanteste Merkmal der Tomatillo ist ihre laternenförmige Fruchthülle aus papierartigem Kelchgewebe. Diese Hülle umschließt die Frucht vollständig und platzt bei Reife auf. Das Fruchtfleisch schmeckt säuerlich-würzig, hat eine apfelartige Konsistenz und eine leicht klebrige Oberfläche. In der mexikanischen Küche ist die Tomatillo unverzichtbar für Salsa verde, grüne Enchilada-Saucen und herzhafte Eintöpfe.

Tomatillos sind strikte Fremdbefruchter. Eine einzelne Pflanze setzt keine Früchte an. Du brauchst also immer mindestens zwei Pflanzen, die gleichzeitig blühen. Bienen und Hummeln erledigen dann die Bestäubung, und die Blüten sind bei Insekten sehr beliebt.

Wie bei allen Nachtschattengewächsen enthalten die grünen Pflanzenteile und unreifen Früchte Solanin. Bei manchen Sorten sind die Früchte allerdings auch unreif genießbar, anders als etwa bei der Andenbeere.

Zahlen, Daten, Fakten

Lichtbedarf
Sonne
Nährstoffbedarf
Mittelzehrer
Schwierigkeitsgrad
Fortgeschritten
Kultur (nach Gertrud Franck)
A - hohe oder breite Kulturen, nahezu Ganzjährig
Kulturzeit
160 Tage
Reihenabstand
80 cm
Pflanzabstand
80 cm
Wuchshöhe
100 - 200 cm
Saattiefe
1 cm
Keimtemperatur (minimal)
20 °C
Keimtemperatur (optimal)
22 - 27 °C
Keim-Art
Hell
Vorzieh-Dauer
90 Tage
Pikieren nach Aussaat
21 Tage

Tomatillo: Pflanzzeiten & Erntezeiten

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Vorziehen
Verpflanzen
Ernte

Verpflanzen ins Beet von Mitte Mai bis Mitte Juni. Vorziehen etwa 90 Tage vor dem Auspflanzen, etwa zwischen Mitte Februar und Mitte März. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 160 Tagen etwa Anfang August beginnen und geht bis Ende Oktober.

Tomatillo pflanzen

Die Tomatillo wird in unseren Breiten fast immer vorgezogen, weil sie frostempfindlich ist und eine Reifezeit von bis 90 Tagen braucht. Die Aussaat beginnt ab Mitte Februar auf der Fensterbank oder ab Mitte März im Gewächshaus. Wenn du die Samen für 12 bis 24 Stunden in lauwarmem Wasser einweichst hebt es die natürliche Keimhemmung auf. Danach sofort aussäen, nicht trocknen lassen.

Die Samen kommen etwa 0,5 bis 1 cm tief in die Erde. Bei 22 bis 27 °C keimen sie innerhalb von ein bis zwei Wochen. Eine Abdeckung mit Klarsichtfolie oder ein Mini-Gewächshaus beschleunigt die Keimung. Sobald die Jungpflanzen etwa 5 cm groß sind und das erste echte Blattpaar zeigen, werden sie in einzelne 9-cm-Töpfe pikiert.

Ins Freiland dürfen die Pflänzchen erst nach den Eisheiligen ab Mitte Mai. Vorher lohnt es sich, sie tagsüber an einen geschützten Platz nach draußen zu stellen, damit sie sich langsam abhärten.

Beim Einpflanzen setzt du die Tomatillo ruhig etwas tiefer, so bildet der Stängel zusätzliche Adventivwurzeln. Der Pflanzabstand beträgt 80 x 80 cm, denn die Pflanzen wachsen ordentlich buschig. Sofort beim Pflanzen eine stabile Rankhilfe oder einen Holzpfahl setzen, sonst kippen die Triebe später unter der Fruchtlast um.

Standort und Boden

Die Tomatillo liebt volle Sonne und braucht mindestens 6 Stunden direktes Licht am Tag. Zu wenig Sonne macht die Stängel weich und drückt den Ertrag deutlich. Ein windgeschützter Platz ist ideal, weil durch die großen Blätter bei starkem Wind die Pflanze leicht Schaden nimmt.

Der Boden sollte locker, nährstoffreich und gut durchlässig sein. Staunässe verträgt die Tomatillo gar nicht und reagiert mit Wurzelfäule. Ein leicht sauer bis neutraler Boden ist ideal.

Beim Wasserbedarf zeigt sich die Tomatillo unkompliziert. Sie ist erstaunlich trockenheitstolerant und steckt kurze Trockenphasen problemlos weg. Regelmäßiges Gießen steigert allerdings den Fruchtansatz deutlich. Im Topf lässt sie sich in Gefäßen ab 40 Liter Volumen gut kultivieren. Als Substrat eignet sich Gemüseerde mit Kompost, gerne mit etwas Sand für besseren Wasserabfluss.

Tomatillo: Gute und schlechte Nachbarn

Mais ist der wohl traditionellste Nachbar der Tomatillo. In der mexikanischen Milpa-Kultur wuchsen beide Pflanzen seit Jahrtausenden zusammen. Der Mais bietet Windschutz und konkurriert kaum um die gleichen Nährstoffe. Bohnen passen ebenfalls hervorragend dazu, weil sie den Boden mit Stickstoff anreichern und die Tomatillo davon profitiert. Kürbis ergänzt das Trio perfekt: Seine breiten Blätter beschatten den Boden, halten die Feuchtigkeit und unterdrücken Unkraut.

Basilikum hat sich bei Tomaten bewährt und funktioniert bei der Tomatillo genauso gut. Die ätherischen Öle halten Blattläuse und Weiße Fliege auf Abstand. Zwiebeln und Knoblauch sind ebenfalls willkommene Partner. Ihre intensiven Duftstoffe halten Blattläuse fern, was bei Nachtschattengewächsen immer ein Pluspunkt ist. Ringelblumen und Tagetes bekämpft Nematoden im Boden und lockt gleichzeitig Bestäuber an, was bei der fremdbestäubenden Tomatillo besonders wertvoll ist.

Andere Nachtschattengewächse wie Tomaten, Kartoffeln, Paprika, Auberginen und die eng verwandte Andenbeere solltest du nicht direkt neben die Tomatillo setzen. Sie teilen dieselben Krankheitserreger, allen voran die Kraut- und Braunfäule. Fenchel hemmt mit seinen Wurzelausscheidungen das Wachstum vieler Gemüsearten und gehört auf ein eigenes Beet. Auch Gurken sind keine guten Nachbarn, weil beide anfällig für Mehltau sind und unterschiedliche Feuchtigkeitsansprüche haben.

Sehr gute Nachbarn
Gute Nachbarn
Schlechte Nachbarn
Sehr schlechte Nachbarn

Tomatillo: Vorgänger und Nachfolger

Hülsenfrüchte wie Erbsen und Bohnen sind ideale Vorgänger für die Tomatillo. Ihre Knöllchenbakterien hinterlassen Stickstoff im Boden, den die Tomatillo als Mittelzehrer gut verwerten kann. Auch Salate und Feldsalat eignen sich prima, weil sie den Boden kaum belasten und keine Krankheiten aus der Nachtschatten-Familie mitbringen.

Nach der Tomatillo profitieren Hülsenfrüchte vom tiefgründig durchgearbeiteten Boden und füllen den Stickstoffvorrat wieder auf.

Auf keinen Fall solltest du nach der Tomatillo andere Nachtschattengewächse pflanzen. Das gilt auch umgekehrt. Zwischen zwei Nachtschatten-Kulturen auf derselben Fläche sollten mindestens 3 bis 4 Jahre liegen, um bodenbürtige Krankheitserreger auszuhungern.

Gute Vorgänger
Schlechte Vorgänger
Gute Nachfolger
Schlechte Nachfolger

Sorten

Unter den verfügbaren Sorten sticht 'Purple de Milpa' hervor: Sie bildet tiefviolette bis fast schwarze, mittelgroße Früchte mit einem nussig-würzigen Aroma und reift nach etwa 70 Tagen. 'Toma Verde' ist die klassische mexikanische Handelssorte mit grünen, kräftig-säuerlichen Früchten, perfekt für eine authentische Salsa verde. Wer es süßer mag, greift zur hellgelben 'Amarylla', einer europäischen Sorte polnischer Herkunft, die sich auch für Marmeladen und milde Salsas eignet. 'Grande Rio Verde' liefert besonders große, grüne Früchte und überzeugt mit ergiebigem Ertrag.

Pflege und Düngung

Das Gießen gestaltet sich bei der Tomatillo unkomplizierter als bei Tomaten. Einmal pro Woche reicht meistens, bei Hitze etwas öfter. Der Fruchtansatz fällt bei gleichmäßiger Bodenfeuchtigkeit deutlich besser aus, aber kurze Trockenphasen steckt sie locker weg. Staunässe ist das Einzige, was du wirklich vermeiden musst.

Als Mittelzehrer kommt die Tomatillo in gut kompostiertem Boden oft ohne zusätzliche Düngung aus. Eine monatliche Gabe organischen Gemüsedüngers schadet aber nicht. Kaliumreiche Dünger fördern den Fruchtansatz, während zu viel Stickstoff eher üppiges Blattwachstum statt Früchte hervorbringt.

Ausgeizen ist bei der Tomatillo nicht nötig und auch nicht üblich. Die buschige Wuchsform ist ausdrücklich erwünscht. Wer die Triebspitze abkneift, regt die Verzweigung an und macht die Pflanze standfester. Ob du die erste Blüte an der Y-Gabelung (die sogenannte Königsblüte) belässt oder entfernst, ist Geschmackssache.

Im Kübel lässt sich die Tomatillo bei etwa 10 °C kühl und hell überwintern, wenn du sie im Herbst auf ein Drittel zurückschneidest. Alternativ kannst du im Sommer Stecklinge mit 4 bis 5 Blättern ziehen und diese über den Winter bringen. Wichtig bei der Samenernte ist, dass frisch geerntete Samen noch nicht keimen, sie brauchen mindestens ein Jahr Nachreife.

Krankheiten und Schädlinge

Im Vergleich zu Tomaten zeigt sich die Tomatillo deutlich robuster gegenüber den typischen Gartenkrankheiten. Trotzdem kann die Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) auftreten, vor allem bei feuchtem, kühlem Wetter mit schlechter Durchlüftung. Ein windoffener Standort, großzügige Pflanzabstände und der Verzicht auf Überkopfbewässerung beugen dem gut vor. Keine anderen Nachtschattengewächse in der Nähe zu pflanzen, ist hier die wichtigste Mischkultur-Regel.

Mehltau kann bei engen Pflanzabständen oder sehr feuchter Witterung auftreten und zeigt sich als weiße oder graubraune Beläge auf den Blättern. Wurzelfäule entsteht bei Staunässe und äußert sich durch vergilbende Blätter und Welke trotz feuchtem Boden.

Bei den Schädlingen sind Blattläuse am häufigsten. Bei leichtem Befall hilft Abwaschen oder Neem-Extrakt. Marienkäfer, Schlupfwespen und Florfliegen als natürliche Gegenspieler zu fördern, lohnt sich immer. Basilikum, Tagetes und Lauchgewächse in der Nachbarschaft halten den Befallsdruck ebenfalls niedrig. Spinnmilben treten vor allem bei Hitze und Trockenheit auf, kräftiges Abspritzen der Blattunterseiten mit Wasser hilft oft schon. Thripse erkennst du an silbrig-braunen Verfärbungen auf Blättern und Früchten. Gelbtafeln helfen bei der Früherkennung.

Ernte und Verarbeitung

Das sicherste Zeichen für die Erntereife: Die papierartige Fruchthülle platzt auf und die Tomatillo sprengt sie förmlich. Ab diesem Punkt kannst du die Früchte pflücken. Die Erntezeit beginnt bei uns etwa ab August und läuft bis zum ersten Frost im Oktober oder November.

Je nachdem, was du kochen möchtest, lohnt sich ein gezielter Erntezeitpunkt. Etwas unreife Früchte schmecken säuerlicher und eignen sich hervorragend für klassische Salsa verde. Vollreife Tomatillos entwickeln eine weichere, süßlichere Note. Überreife, schlaffe Früchte haben zu lange an der Pflanze gehangen.

Die Lagerfähigkeit ist beachtlich: In ihrer Hülle halten Tomatillos bei Raumtemperatur 4 bis 6 Wochen. Ohne Hülle schrumpeln sie dagegen schnell. Einfrieren ist möglich, die Früchte werden beim Auftauen aber matschig und eignen sich dann nur noch für Saucen. Die klebrige Schicht auf der Fruchtoberfläche lässt sich einfach mit warmem Wasser abwaschen.