Wer mitten im Winter frischen Salat aus dem eigenen Garten möchte, kommt an Postelein kaum vorbei. Während die meisten Gemüsebeete im November längst geräumt sind, legt diese kleine Pflanze erst richtig los. Sie wächst genau dann, wenn sonst fast nichts mehr wächst, und liefert bis ins Frühjahr hinein zartes, mildes Grün. Ursprünglich kommt Postelein von der nordamerikanischen Westküste. Dort war er bei den indigenen Völkern als Nahrungspflanze bekannt, bevor er über Umwege nach Europa gelangte. Mittlerweile hat er sich hier so gut eingelebt, dass er stellenweise verwildert vorkommt. Mit seinen 15 bis 30 cm Höhe bleibt er kompakt. Aus einer flachen Blattrosette wachsen fleischige, saftig grüne Blätter auf langen Stielen. Ganz oben an der Pflanze passiert etwas Besonderes: Zwei Blätter verwachsen dort zu einem runden Teller, durch den der Blütenstängel scheinbar hindurchsticht. Dieses Merkmal macht ihn unverwechselbar und erklärt den Namen Tellerkraut. Trotz der Namensähnlichkeit hat Postelein mit dem Sommerportulak nichts gemein. Postelein gehört zu den Quellkrautgewächsen, der Sommerportulak zu einer ganz anderen Pflanzenfamilie. Auch optisch sehen sie völlig verschieden aus.
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Zahlen, Daten, Fakten
Postelein: Pflanzzeiten & Erntezeiten
WinterDirektsaat von Anfang September bis Ende Dezember. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 45 Tagen etwa Mitte Oktober beginnen und geht bis Ende April im nächsten Jahr.
Winter 2Direktsaat von Anfang Januar bis Ende Februar. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 45 Tagen etwa Mitte Februar beginnen und geht bis Ende April.
Postelein aussäen
Postelein gehört zu den Kaltkeimern. Das heißt: Er braucht kühle Temperaturen unter 12 °C, sonst tut sich gar nichts. Am liebsten keimt er bei 8 bis 12 °C. In der warmen Stube funktioniert das also nicht, dafür umso besser draußen oder in einem unbeheizten Gewächshaus.
Gesät wird ab September bis in den Februar hinein. Die Samen sind winzig klein. Wenn du sie vor dem Säen mit Sand vermischst, lassen sie sich viel besser verteilen. Die Saatrillen sollten höchstens einen Zentimeter tief sein, innerhalb der Reihe reichen 5 bis 10 cm Abstand, und zwischen den Reihen planst du etwa 15 cm ein. Rund zwei bis drei Wochen später strecken sich die ersten Keimlinge aus der Erde. Falls es zu eng wird, zupfst du einfach ein paar raus.
Er kann auch vorgezogen werden, aber eben nicht auf der Fensterbank mit Heizung darunter.
Aus technischen Gründen musste ich es in unserer Datenbank auf zwei Pflanzzeiten (Winter und Winter 2) aufteilen.
Standort und Boden
Postelein mag es eher schattig. Ein Platz im Halbschatten oder Schatten passt ihm am besten. Volle Sonne geht zur Not auch, aber dort trocknet der Boden schneller aus, und genau das verträgt er nicht so gut. Sein flaches Wurzelsystem kann sich nämlich nicht tief ins Erdreich bohren, um an Wasserreserven zu kommen.
Beim Boden ist er genügsam. Locker und humos darf er sein, gerne mit etwas Sand durchmischt. Hauptsache, das Wasser kann gut versickern, ohne dass alles verschlämmt. Wer vor der Aussaat eine Schaufel Kompost untermischt, hat für die gesamte Kulturzeit vorgesorgt. Mehr braucht dieser geniale Schwachzehrer wirklich nicht. Und weil er so flach wurzelt, funktioniert der Anbau auch prima in Töpfen und Balkönkästen.
Postelein: Gute und schlechte Nachbarn
Grundsätzlich ist Postelein beim Thema Nachbarschaft unkompliziert. Er gehört als einzige Nutzpflanze zur Familie der Quellkrautgewächse. Damit gibt es praktisch keine Verwandtschaftskonflikte mit anderen Gemüsearten. Du kannst ihn eigentlich überall dazwischen säen, wo gerade Platz ist.
Postelein: Vorgänger und Nachfolger
Wenn im Spätsommer Bohnen, Erbsen, Kartoffeln oder Tomaten abgeräumt sind, steht das Beet oft leer. Genau hier schlägt die Stunde von Postelein. Er ist eine Ideale Nachkultur um in den Winter hinein frisches Grün zu haben.
Besonders nach Leguminosen wie Bohnen und Erbsen fühlt er sich wohl, weil die den Boden mit Stickstoff angereichert haben.
Der größte Vorteil in der Fruchtfolge: Da keine andere Gemüsepflanze zur selben Familie gehört, kannst Du Postelein theoretisch nach jeder anderen Pflanze aussäen. Es sind meines Wissens nach keine Negativen Vor- und Nachfolger bekannt.
Sorten
Beim Postelein gibt es keine große Sortenvielfalt. Im Handel bekommst Du in der Regel einfach Saatgut der Art Claytonia perfoliata. Wer etwas Abwechslung sucht, kann nach dem Sibirischen Tellerkraut (Claytonia sibirica) Ausschau halten. Das lässt sich genauso anbauen und schmeckt ähnlich. Große Unterschiede zwischen den beiden wirst Du im Beet kaum feststellen.
Pflege und Düngung
An Pflegeaufwand verlangt Postelein so gut wie nichts. Einmal gesät, wächst er vor sich hin, solange die Erde feucht bleibt. Das ist tatsächlich der einzige Punkt, auf den Du wirklich achten solltest: nicht austrocknen lassen.
Düngen ist überflüssig, Postelein ist ein Schwachzehrer.
Bei klirrendem Frost ohne Schnee kannst Du ein Vlies über die Pflanzen legen. Postelein hält zwar einiges aus und übersteht auch Temperaturen von minus 15 °C, aber bei extremem Kahlfrost tut ihm ein bisschen Schutz gut.
Wenn Du nicht möchtest, dass Postelein sich überall im Garten breitmacht, solltest Du die Blüten rechtzeitig abschneiden. Sonst versamt er sich kräftig und taucht im nächsten Herbst an Stellen auf, wo Du ihn vielleicht gar nicht haben wolltest.
Krankheiten und Schädlinge
Postelein ist weitgehend robust und pflegeleicht. Die größte Gefahr sind Schnecken, die es vor allem auf junge Keimlinge abgesehen haben. In den ersten Wochen nach der Aussaat also im Blick behalten und bei Bedarf absammeln oder einen Schneckenzaun aufstellen. Die Pilzkrankheit Alternaria mit bräunlichen Blattflecken ist im Hausgarten kaum ein Thema. Gute Luftzirkulation und trockene Blätter beim Gießen reichen als Vorbeugung.
Ernte und Verarbeitung
Sechs bis acht Wochen nach der Aussaat kannst du die Blätter mit einem scharfen Messer knapp über dem Boden abschneiden. Lass dabei etwa 2 cm stehen, dann treibt die Pflanze nochmal aus. Je nach Saattermin läuft die Ernte von Oktober bis April. Bei Frost lieber warten, sonst werden die Blätter weich und matschig. Junge Blätter schmecken wie milder Spinat mit leicht nussiger Note und wandern am besten roh in den Salat. Ältere Blätter lassen sich kurz in der Pfanne schwenken. Postelein liefert Vitamin C, Eisen, Kalium, Magnesium und Omega-3-Fettsäuren bei niedrigem Nitratgehalt. Im Kühlschrank, locker in einer Schüssel mit feuchtem Tuch abgedeckt, halten sich die Blätter gut eine Woche.
