Chicorée anbauen

Cichorium intybus var. foliosum Treibzichorie, Bleichzichorie, Brüsseler Endivie, Witloof
Weitere Namen
Treibzichorie, Bleichzichorie, Brüsseler Endivie, Witloof
Botanischer Name
Cichorium intybus var. foliosum
Familie / Gattung
Asteraceae / Cichorium
Pflanzenkategorie
Blattsalate
Chicoréelantapix/Shutterstock.com

Chicorée ist eine Zuchtform der Gemeinen Wegwarte, die mit ihren meist himmelblauen Blüten an vielen Wegrändern wächst. Er gehört wie Radicchio und Zuckerhut zu den Zichorien und ist mit Endivien und Salat verwandt. Aus den dicken Rüben der Wurzelzichorie röstete man schon vor Jahrhunderten Zichorienkaffee.

In Belgien entdeckten Bauern im 19. Jahrhundert, dass eingelagerte Wurzeln im Dunkeln zarte, gelbe Triebe bilden. Im Garten wächst deshalb nicht der Chicorée aus dem Supermarkt, sondern eine Blattrosette mit kräftiger Rübe, die du im Winter antreibst. Die Pflanze ist zweijährig und würde im zweiten Jahr blühen.

Zahlen, Daten, Fakten

Lichtbedarf
Sonne
Nährstoffbedarf
Mittelzehrer
Schwierigkeitsgrad
Profi
Kultur (nach Gertrud Franck)
A - hohe oder breite Kulturen, nahezu Ganzjährig
Kultur (nach Schwester C. Weinrich)
Begleitkultur
Kulturzeit
140 Tage
Reihenabstand
40 cm
Pflanzabstand
10 cm
Wuchshöhe
40 - 70 cm
Saattiefe
1 cm
Keimtemperatur (minimal)
5 °C
Keimtemperatur (optimal)
12 - 20 °C
Keim-Art
Dunkel

Chicorée: Pflanzzeiten & Erntezeiten

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Direktsaat
Ernte

Direktsaat von Mitte April bis Ende Mai. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 140 Tagen etwa Ende September beginnen und geht bis Ende November.

Chicorée aussäen

Chicorée baust du in zwei Etappen an, und das ist auch der Grund, warum viele beim ersten Versuch stutzen. Wie gesagt, auf dem Beet wächst nämlich nicht das, was du später isst. Vom Feld erntest du nur die Wurzel, der knackige helle Kolben kommt später im Dunkeln dazu.

Die erste Etappe ist die Feldphase. Gesät wird direkt ins Beet, am besten im Mai, sobald der Boden oberflächlich 14 Grad erreicht hat. Vorziehen und Pikieren kannst du dir sparen, denn Chicorée bildet eine kräftige Pfahlwurzel und nimmt das Umpflanzen übel. Zieh flache Rillen mit 30 bis 40 Zentimetern Abstand und leg die Samen etwa einen Zentimeter tief ab.

Nach acht bis vierzehn Tagen zeigen sich die ersten Keimlinge. Vereinzele nun die Pflanzen, so dass in der Reihe nur alle 10 bis 15 Zentimeter eine Pflanze steht. Stehen sie enger, bilden sich dünne Wurzeln, und aus dünnen Wurzeln wird später kein ordentlicher Chicorée. Du brauchst am Ende Rüben mit 3 bis 6 Zentimetern Durchmesser, alles darunter treibt schlecht.

Zwischen September und Oktober endet die Feldphase. Die äußeren Blätter werden gelb, das ist dein Signal. Hol die Rüben mit der Grabegabel vorsichtig aus der Erde, sie sollen möglichst unbeschädigt bleiben. Dann das Laub etwa fünf Zentimeter über der Wurzel abschneiden und dabei die kleine Knospe in der Mitte auf keinen Fall verletzen. Genau aus ihr wächst später der Chicorée. Die Rüben lässt du zwei bis drei Tage luftig abtrocknen und schlägst sie danach in feuchten Sand ein, kühl bei 0 bis 5 Grad, dunkel und frostfrei. So halten sie bis zu acht Monate.

Damit beginnt die zweite Etappe, die Treibphase. Vor dem Antreiben brauchen die Wurzeln eine Ruhezeit von mindestens einer Woche in der Kälte, die ersten Sätze kannst du ab November aufstellen. Der Vorteil: Du musst nicht alles auf einmal antreiben. Nimm einfach satzweise ein paar Rüben aus dem Lager, dann erntest du über Wochen hinweg frischen Chicorée statt alles gleichzeitig.

Zum Antreiben stellst du die Wurzeln aufrecht und dicht an dicht in einen Eimer oder eine Kiste mit Abzugslöchern, füllst mit feuchter Erde auf und sorgst für 12 bis 18 Grad. Das Wichtigste ist die absolute Dunkelheit. Sie verhindert, dass sich Blattgrün und der Bitterstoff Lactucopikrin bilden, und genau deshalb bleiben die Kolben blass und mild. Fällt Licht dazu, wird dein Chicorée bitter.

Wie du abdeckst, hängt von der Sorte ab. Alte Sorten wie Brüsseler Witloof brauchen 15 bis 20 Zentimeter Sand oder Erde als Deckschicht, in die sie hineinwachsen. Ohne diese Schicht bilden sie nur lockere Köpfe. Neuere Sorten wie Etardo, Robin oder Schriek treiben auch in den freien Luftraum feste Kolben, hier reicht ein lichtdichter Deckel oder eine schwarze Folie. Nach drei bis vier Wochen sind die Knospen erntereif, pro Wurzel bekommst du eine.

Standort und Boden

Chicorée braucht einen sonnigen Platz und einen tiefgründigen, lockeren und steinarmen Boden, in dem seine Pfahlwurzel gerade nach unten wachsen kann. Mittelschwere, sandige Lehmböden sind ideal, zu nasse oder sehr trockene Stellen eignen sich nicht. Der Boden sollte nicht zu humos und nicht frisch gedüngt sein, sonst wird die Rübe zwar groß, treibt im Winter aber schlecht. Ein leicht saurer bis neutraler Boden um pH 6,5 bis 7 passt gut.

Chicorée: Gute und schlechte Nachbarn

Chicorée steht von Mai bis in den Herbst als breite Blattrosette im Beet und bildet dabei die Rübe für die Treiberei. Als gute Nachbarn gelten in Deutschland, England und Frankreich vor allem Möhren und Fenchel, bei uns auch Stangenbohnen, in England und Frankreich Zwiebeln. Eine Begründung gibt es dafür nicht, die Empfehlungen stammen aus überlieferten Mischkulturtabellen. Mit Salat verträgt sich Chicorée, in Salatmischungen gehört er aber nicht, weil er bis zum Herbst stehen bleibt.

Endivien, Radicchio und Zuckerhut pflanzt du lieber nicht direkt neben den Chicorée. Alle vier sind Zichorien und teilen den Echten Mehltau, der im Spätsommer leicht von einer Art auf die andere übergeht. Größere Schäden sind selten, ein paar Meter Abstand reichen. Andere Salate, Sonnenblumen oder Artischocken als Nachbarn sind kein Problem, solange du sie in der Fruchtfolge auseinanderhältst.

Gute Nachbarn
Fenchel
Möhre
Stangenbohne
Zwiebel
Schlechte Nachbarn
Endivie
Kamille
Radicchio
Zuckerhut

Chicorée: Vorgänger und Nachfolger

Chicorée ist bei der Fruchtfolge anspruchsvoll. Auf ein Beet, auf dem Salate, Endivien, Radicchio, Zuckerhut, Sonnenblumen, Topinambur oder Artischocken standen, kommt er erst nach drei Jahren wieder, und auch nach Chicorée selbst hältst du drei Jahre Pause. Alle diese Korbblütler teilen Bodenpilze wie die Sclerotinia-Fäule, die viele Jahre im Boden überdauert.

Gute Vorfrüchte sind Zwiebeln, Lauch und Feldsalat, die wenig Stickstoff und kaum Erntereste hinterlassen. Nach Kohl und nach Bohnen säst du Chicorée besser nicht. Beide lassen viel Stickstoff im Boden zurück, und dann wächst der Chicorée zu üppig. Seine Rüben werden zwar dick, treiben im Winter aber nur lockere, enttäuschende Köpfe. Aus demselben Grund gibst du vor der Saat keinen frischen Mist.

Da Chicorée schon im Mai gesät wird und bis Oktober oder November im Beet steht, passt vor ihm im selben Jahr höchstens eine sehr frühe Kultur wie überwinterter Feldsalat. Nach der Rübenernte bleibt das Beet bis zum Frühjahr frei.

Gute Vorgänger
Feldsalat
Lauch
Zwiebel
Schlechte Vorgänger
Alexandrinerklee
Artischocke
Batavia
Blumenkohl
Brokkoli
Buschbohne
Cardy
Chicorée
Eichblattsalat
Eisbergsalat
Endivie
Erdklee
Feuerbohne
Flower Sprouts
Grünkohl
Inkarnatklee
Kohlrabi
Kopfsalat
Lollo bianda / Lollo rosso
Palmkohl
Perserklee
Radicchio
Romana-Salat
Romanesco
Rosenkohl
Rotklee
Rotkohl
Sonnenblume
Spitzkohl
Stangenbohne
Topinambur
Weißklee
Weißkohl
Wirsing
Zuckerhut
Schlechte Nachfolger
Artischocke
Batavia
Cardy
Chicorée
Eichblattsalat
Eisbergsalat
Endivie
Kamille
Kopfsalat
Lollo bianda / Lollo rosso
Radicchio
Ringelblume
Romana-Salat
Schwarzwurzel
Sonnenblume
Topinambur
Zuckerhut

Sorten

Beim Chicorée unterscheiden sich die Sorten vor allem darin, wann und wie du sie treibst. Alte Sorten wie Brüsseler Witloof brauchen beim Treiben eine Deckschicht aus Sand oder Erde, in die sie hineinwachsen. Neuere Sorten, oft Hybriden, treiben auch ohne Deckerde oder im Wasser feste Kolben, solange es völlig dunkel ist. Frühe Sorten wie Atlas treibst du ab November, spätere wie Tardivo oder Etardo bis in den März, und mit Redoria gibt es auch eine rote Form.

Pflege und Düngung

Den Sommer über ist die Pflege überschaubar. Gleichmäßig gießen, hacken solange die Blätter die Reihen noch nicht geschlossen haben, und beim Düngen zurückhaltend bleiben. Zu viel Stickstoff produziert zwar dicke Wurzeln, aber die treiben später nur lockere, enttäuschende Köpfe. Kompost vor der Saat reicht völlig.

Krankheiten und Schädlinge

Chicorée ist im Beet meist robust, die meisten Schäden zeigen sich erst beim Lagern und Treiben. Der wichtigste Erreger ist die Sclerotinia-Fäule. Im August und September werden Blätter wässrig und brechen zusammen, der Pilz wächst über den Rübenkopf in die Rübe und bildet schwarze Dauerkörper, die viele Jahre im Boden bleiben. Halte deshalb drei Jahre Abstand zu anderen Korbblütlern und lagere nur gesunde Rüben ein.

Der Violette Wurzeltöter überzieht die Rüben des Chicorées mit einem violetten Pilzgeflecht, oft nesterweise an nassen Stellen. Er befällt auch Möhren, Sellerie, Rote Bete und Spargel und hält sich viele Jahre im Boden, auf befallenen Stellen baust du mindestens vier Jahre keine dieser Pflanzen an. Weiße Beläge auf den Blättern im Spätsommer sind meist Echter Mehltau, der von Endivien, Radicchio oder Zuckerhut herüberkommt und selten ernsthaft schadet.

Im Sommer saugen manchmal Salatwurzelläuse am Wurzelhals, du erkennst sie an weißen, wattigen Belägen. Blattläuse und Minierfliegen machen sich vor allem im Treibraum bemerkbar, wo ihre Fraßgänge die Chicoréekolben unansehnlich machen. Kontrolliere die Rüben vor dem Antreiben, sortiere faulige und fleckige aus und halte den Treibraum sauber und nicht zu warm. Junge Pflanzen werden gern von Schnecken, Drahtwürmern und Erdraupen angefressen.

Anfällig für
Alternaria-Blattflecken an Zichorien
Bakterielle Blattflecken an Salat
Bakterielle Nassfäule
Breitadrigkeit
Drahtwurm
Echter Mehltau an Korbblütlern
Erdraupen
Falscher Mehltau an Salat(Anfälligkeit gering)
Gemüseminierfliegen
Grauschimmel
Grüne Pfirsichblattlaus
Kohlmottenschildlaus
Nacktschnecken(Anfälligkeit gering)
Nördlicher Wurzelgallennematode(Anfälligkeit hoch)
Pythium-Wurzelfäule
Rhizoctonia
Ringfleckenkrankheit an Salat
Salatblattlaus
Salatmosaikvirus
Salatwurzellaus
Tomatenbronzefleckenvirus
Violetter Wurzeltöter
Wasserrübenmosaikvirus
Weißstängeligkeit

Ernte und Verarbeitung

Brent Hofacker/Shutterstock.com

Die Rüben des Chicorées erntest du ab Ende September bis in den November, bevor starker Frost kommt. Leichte Fröste vertragen sie gut, ein paar kalte Nächte fördern sogar den späteren Austrieb. Grab die Rüben mit der Grabegabel aus, kürze das Laub auf zwei bis drei Zentimeter, ohne das Herz zu verletzen, und sortiere alle Rüben unter 2,5 Zentimetern aus. Nach drei bis sechs Wochen im dunklen Treibraum, je nach Temperatur, brichst du die geschlossenen, etwa 15 Zentimeter langen Kolben ab. Jede Rübe treibt nur einmal richtig aus, im Kühlschrank hält sich der Chicorée eine Woche.

In der Küche isst du Chicorée roh als knackigen Wintersalat, kurz angebraten oder mit Schinken und Käse überbacken. Die gelben Blätter schmecken mild, werden sie am Licht grün, auch bitterer. Der Bitterstoff Intybin gilt als verdauungsfördernd.

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