
Wirsing ist ein Kopfkohl mit stark gekrausten, blasigen Blättern und einem lockereren Kopf als Weißkohl. Er stammt vermutlich aus Italien, deshalb heißt er auch Welschkohl. Die äußeren Blätter sind dunkelgrün, innen wird der Kopf gelblich und zart. Wirsing ist einjährig und wächst je nach Sorte als schneller Frühwirsing, als Herbstwirsing oder als winterharter Wirsing, der bis ins Frühjahr auf dem Beet stehen kann. Er enthält mehr Mineralstoffe und Vitamine als Weißkohl, und seine Blätter sind weicher.
Zahlen, Daten, Fakten
Wirsing: Pflanzzeiten & Erntezeiten
FrühlingVerpflanzen ins Beet von Mitte März bis Ende April. Vorziehen etwa 35 Tage vor dem Verpflanzen, etwa zwischen Mitte Februar und Mitte März. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 100 Tagen etwa Mitte Mai beginnen und geht bis Ende Juli.
SommerDirektsaat von Anfang April bis Mitte Mai. Verpflanzen ins Beet von Ende April bis Mitte Juni. Vorziehen etwa 35 Tage vor dem Verpflanzen, etwa zwischen Mitte März und Anfang Mai. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 120 Tagen etwa Mitte Juli beginnen und geht bis Ende November.
WinterVerpflanzen ins Beet von Mitte Juni bis Ende Juli. Vorziehen etwa 35 Tage vor dem Verpflanzen, etwa zwischen Mitte Mai und Mitte Juni. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 160 Tagen etwa Anfang November beginnen und geht bis Ende März im nächsten Jahr.
Wirsing aussäen und pflanzen
Frühling: Frühwirsing säst du ab Februar im Haus und pflanzt ihn ab Mitte März unter Vlies aus.
Sommer: Sommer- und Herbstwirsing ziehst du ab Ende März vor und setzt ihn von Ende April bis Mitte Juni ins Beet, ab April kannst du ihn auch direkt säen.
Winter: Für Winterwirsing säst du ab Mitte Mai und pflanzt von Mitte Juni bis Ende Juli.
Die Samen keimen schon bei wenigen Grad, am schnellsten bei 18 bis 20 °C, und kommen 0,5 bis 1 cm tief in die Erde. Nach etwa vier Wochen sind die Jungpflanzen so weit, setze sie mit höchstens vier Laubblättern und je nach Sorte 40 x 50 cm bis 50 x 60 cm weit. Frühe Pflanzungen schützt du vor Kälte, sonst schießt der Wirsing leicht in die Blüte.
Standort und Boden
Wirsing braucht einen offenen, sonnigen Platz und einen tiefgründigen, humosen Boden, der Wasser gut hält. Mittelschwere bis schwere Böden sind ideal, frisch umgegrabene oder verdichtete Stellen mag er nicht. Ein hoher pH-Wert schützt vor Kohlhernie, saure Böden kalkst du deshalb vorher. Kühle Lagen mit taureichen Nächten bekommen dem Wirsing besser als heiße Sommer. Für Kübel und Balkon ist er zu groß, im Hochbeet wächst er gut.
Wirsing: Gute und schlechte Nachbarn
Sellerie ist der beste Nachbar für den Wirsing. Er soll mit seinem Duft den Kohlweißling abhalten, und Schwester Christa Weinrich beobachtet, dass gerade der empfindliche Wirsing dafür besonders dankbar ist. Setz beide abwechselnd in eine Reihe, gern in vorher gesäten Spinat, der dann als Mulch zwischen den Pflanzen liegen bleibt. Frühe Salate passen in die Nachbarreihe, und wo der Wirsing abgeerntet ist, ziehen Endivien oder Zuckerhut ein.
Winterwirsing steht vom Sommer bis in den Winter auf dem Beet. Zwischen den jungen Reihen ist anfangs Platz für Möhren, Rote Bete, Kohlrabi oder kleinen Pak Choi, im Spätsommer für Feldsalat, Winterkresse oder Radicchio. Auch zwischen Erbsen, Busch- oder Ackerbohnen kannst du Wirsing pflanzen, er wächst weiter, wenn die Hülsenfrüchte geerntet sind. Gertrud Franck setzt späte Kohlarten neben Frühkartoffeln, die im Sommer das Beet räumen. Dill, Borretsch, Salbei und Thymian am Rand sollen Schädlinge verwirren oder Nützlinge anlocken.
Erdbeeren gelten in mehreren Ländern als schlechte Nachbarn, und Gartenkresse säst du besser für sich. Chinakohl hältst du fern, weil Blattläuse ein gefährliches Virus von ihm auf den Wirsing übertragen. Ob Tomaten den Wirsing schützen, ist umstritten, und bei Zwiebeln widersprechen sich die Überlieferungen. Die übrigen Kohlarten daneben sind kein Problem, solange du sie in der Fruchtfolge auseinanderhältst.
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Wirsing: Vorgänger und Nachfolger
Wie alle Kohlarten kommt Wirsing erst im vierten Jahr wieder auf ein Beet, auf dem Kreuzblütler standen. So hältst du Kohlhernie, Kohlfliege und Kohlzystennematoden in Schach, die lange im Boden überdauern.
Die besten Vorfrüchte sind Erbsen und Bohnen, deren Stickstoff der hungrige Wirsing gut nutzt. Nach Zwiebeln, Knoblauch oder Schalotten wächst er ebenfalls gut. Weil Winterwirsing erst im Juni oder Juli ins Beet kommt, passt Salat als Vorkultur im selben Jahr. Nach Roter Bete und Mangold hältst du vier Jahre Abstand, weil alle drei unter dem Rübenzystennematoden leiden. Lauch und Spinat vermehren diesen Fadenwurm, als Vorfrucht sind sie deshalb umstritten.
Im Jahr nach dem Wirsing folgen gut Pastinaken oder Lauch. Möhren, Salat und Schwarzwurzeln wachsen nach Kohl dagegen schlechter, und Zwiebeln werden nach den vielen Ernteresten weich. Nach frühem Wirsing kannst du im Spätsommer noch Feldsalat oder Spinat säen. Zieh die Strünke nach der Ernte heraus, damit Weiße Fliegen und Krankheiten nicht im Beet überwintern.
- Stickstoffnachlieferung
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- Zu viel Stickstoff für empfindlichen Nachfolger
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Sorten
Beim Wirsing unterscheidest du Früh-, Sommer- und Herbst- sowie Winterwirsing. Frühe Sorten wachsen schnell, sind hellgrün und bilden lockere, leichte Köpfe, der Sommerwirsing heißt auch Butterkohl. Mittelfrühe und späte Sorten für Sommer und Herbst bilden größere, schwerere Köpfe, die sich zum Teil lagern lassen. Winterwirsing wächst langsam, ist dunkelgrün und übersteht je nach Sorte 10 bis 15 Grad Frost. Es gibt auch rote Wirsingsorten und Mini-Wirsing für enge Pflanzung.
Pflege und Düngung
Wirsing ist ein Starkzehrer. Arbeite vor dem Pflanzen 3 bis 5 kg Kompost pro Quadratmeter ein und gib vor der Kopfbildung noch einmal Pflanzenjauche. Gieß gleichmäßig, vor allem im Juli und August, wenn sich die Köpfe bilden, nach langer Trockenheit platzen sie sonst bei Starkregen auf. Lockere den Boden bis August, mulche und häufle die Pflanzen vor der Kopfbildung an. Ein Kulturschutznetz ab der Pflanzung hält die meisten Schädlinge fern. Winterwirsing bekommt ab dem Spätsommer keinen Stickstoff mehr, sonst friert er leichter.
Krankheiten und Schädlinge
Am gefährlichsten für den Wirsing ist die Kohlhernie, die die Wurzeln knollig anschwellen lässt. Ihre Dauersporen überleben viele Jahre im Boden, deshalb helfen nur vier Jahre Abstand zu allen Kreuzblütlern und genug Kalk im Boden. Nach einem Befall wartest du besser sieben Jahre.
Die Kohlmottenschildlaus, eine winzige weiße Fliege, befällt Wirsing besonders gern. Im warmen Spätsommer sitzt sie massenhaft an den Blattunterseiten, ihr klebriger Honigtau wird schwarz von Rußtaupilzen. Ein Netz und das Abräumen alter Kohlstrünke helfen am meisten.
Raupen von Kohlweißling, Kohleule und Kohlmotte fressen Löcher in die Blätter, die Kohlfliege legt ihre Eier an den Wurzelhals junger Pflanzen und Erdflöhe durchlöchern die Blätter im Mai. Die Mehlige Kohlblattlaus saugt an den Blättern und überträgt Viren. Gegen all diese Schädlinge des Wirsings hilft ein feines Kulturschutznetz, das du bis zur Ernte liegen lässt.
Bei feuchtem Wetter zeigen sich Kohlschwärze, Falscher Mehltau oder Weißer Rost, und im Herbst kann die Weißstängeligkeit die Köpfe faulen lassen. Gesundes Saatgut, luftiger Stand und eine Heißwasserbeize der Samen beugen vor.
Ernte und Verarbeitung
Frühwirsing erntest du ab Ende Mai bis in den Juli, Sommer- und Herbstwirsing von Mitte Juli bis November. Winterwirsing bleibt auf dem Beet und wird von November bis März geerntet, ganz nach Bedarf. Schneide die Köpfe ab, sobald sie fest sind, frühe Sorten platzen sonst schon nach wenigen Wochen. Bei Frost wartest du, bis die Köpfe wieder aufgetaut sind. Herbstwirsing zum Lagern ziehst du kurz vor dem ersten Frost mit dem Strunk aus der Erde und bewahrst ihn bei 2 bis 6 °C und hoher Luftfeuchte auf. Wirsing ist zarter als Weißkohl, seine weichen Blätter eignen sich gut zum Füllen, für Eintöpfe, Suppen und als Gemüsebeilage. Gertrud Franck kochte den Kopf im Ganzen oder halbiert und schneidet ihn erst danach in Scheiben.
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