Dill gehört zu den Doldenblütlern und ist die einzige Art der Gattung Anethum. Ursprünglich stammt er aus Vorderasien und dem östlichen Mittelmeerraum, wo er schon vor über 5.000 Jahren als Gewürz- und Heilpflanze genutzt wurde. Über mittelalterliche Klostergärten fand er seinen Weg nach Mitteleuropa. Der Name leitet sich vom altnordischen Wort dilla ab, was so viel wie beruhigen bedeutet. Die einjährige Pflanze wächst je nach Sorte zwischen 30 und 150 cm hoch, wobei die meisten Sorten im Bereich von 60 bis 100 cm landen. Typisch ist die tiefreichende Pfahlwurzel, die den Boden schön auflockert. Alle Pflanzenteile lassen sich verwenden: die feinen Blätter, die gelben Doldenblüten und die Samen. Dill enthält reichlich ätherische Öle mit verdauungsfördernder und beruhigender Wirkung sowie nennenswerte Mengen an Kalium und Kalzium. Im Garten ist er ein wertvoller Nützlingsmagnet, denn seine Blüten locken Schwebfliegen, Marienkäfer und Wildbienen an. Die Larven der Schwebfliegen vertilgen in der Umgebung große Mengen Blattläuse.
Weintraube/Shutterstock.com
Zahlen, Daten, Fakten
Dill: Pflanzzeiten & Erntezeiten
Direktsaat von Anfang April bis Ende Juli. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 30 Tagen etwa Anfang Juni beginnen und geht bis Ende Oktober.
Dill aussäen
Dill wird am besten direkt ins Beet gesät, denn er bildet eine empfindliche Pfahlwurzel und verträgt das Umpflanzen schlecht. Ab April, sobald die Temperaturen konstant über 15 °C liegen, kannst Du loslegen. Gesät werden kann bis Juli oder August. Für eine durchgehende Ernte lohnt sich eine gestaffelte Aussaat alle drei bis vier Wochen.
Die Samen nur hauchdünn mit Erde bedecken oder leicht einharken, denn Dill ist ein Lichtkeimer. Das schützt vor Windverwehung, ohne die Keimung zu hemmen. Der Reihenabstand sollte etwa 25 cm betragen, innerhalb der Reihe vereinzelst Du die Pflänzchen auf 15 cm. Vor der Aussaat den Boden gut lockern und gerne etwas Kompost einarbeiten.
Wir verzichten bei uns im Garten komplett auf Reihen und Abstände beim Dill, sondern sähen Ihn einfach breitwürfig in den Bereich bei den Gurken.
Die Keimung dauert je nach Witterung ein bis drei Wochen. Achte darauf, frisches Saatgut zu verwenden, denn Dillsamen sind nur etwa ein bis zwei Jahre keimfähig.
Standort und Boden
Dill braucht einen sonnigen Platz mit mindestens sechs bis acht Stunden direkter Sonneneinstrahlung. Halbschatten geht zur Not auch, aber das Aroma leidet spürbar darunter. Ein windgeschützter Standort ist wichtig, weil die hohlen Stängel bei größeren Sorten leicht abknicken.
Der Boden sollte locker, humusreich und gut durchlässig sein. Ein lehmiger Boden mit etwas Sand- oder Kiesanteil für die Entwässerung eignet sich besonders.
Was Dill gar nicht verträgt, ist Staunässe. Stehendes Wasser fördert Pilzerkrankungen, vor allem die gefürchtete Fusarium-Welke. Halte die Feuchtigkeit möglichst gleichmäßig. Starke Schwankungen zwischen trocken und nass sind ebenfalls problematisch. Eine Mulchschicht hilft, den Boden gleichmäßig feucht zu halten.
Dill: Gute und schlechte Nachbarn
Gurke ist der absolute Klassiker neben Dill. Die Kombination funktioniert in beide Richtungen: Dill fördert die Keimfähigkeit der Gurken, und die breiten Blätter der Gurke beschatten den Boden und verhindern das Austrocknen. Nicht umsonst heißt Dill im Volksmund auch Gurkenkraut.
Kohlarten wie Brokkoli, Blumenkohl, Wirsing und Grünkohl profitieren enorm, weil die ätherischen Öle des Dills den Kohlweißling irritieren und so den Befall reduzieren. Gleichzeitig lockt blühender Dill Schwebfliegen an, deren Larven Blattläuse in der Umgebung dezimieren. Zwischen Ackerbohnen ausgesät, hält Dill die Schwarze Bohnenlaus fern.
Kopfsalat, Feldsalat und Endivie gedeihen gut neben Dill. Auch Rote Bete, Zwiebeln, Erbsen und Zucchini sind bewährte Partner.
Fenchel ist der mit Abstand schlechteste Nachbar. Als eng verwandte Doldenblütler können sich Dill und Fenchel kreuzen, was aromalose Hybride hervorbringt. Beide hemmen sich gegenseitig im Wachstum. Kümmel, Liebstöckel, Koriander und Pastinake sollten ebenfalls nicht direkt neben Dill stehen, weil sie als Doldenblütler um die gleichen Nährstoffe konkurrieren oder dieselben Krankheiten teilen.
Dill: Vorgänger und Nachfolger
Dill unterliegt als Doldenblütler einer strikten Fruchtfolge-Regel: Mindestens drei bis vier Jahre Anbaupause, bevor an derselben Stelle wieder ein Doldenblütler steht. Der Hauptgrund ist die Fusarium-Welke, ein Bodenpilz, dessen Sporen jahrelang im Erdreich überdauern.
Als Schwachzehrer kommt Dill wunderbar nach Starkzehrern wie Tomaten, Kohl oder Kürbis zurecht. Der Boden ist zwar etwas abgemagert, aber für den genügsamen Dill reicht es völlig. Besonders günstig sind Hülsenfrüchte wie Bohnen und Erbsen als Vorgänger, weil sie Stickstoff im Boden anreichern und ihn mit ihren Wurzeln lockern. Auch Kartoffeln eignen sich gut, sofern keine Nematodenbelastung vorliegt.
Schlechte Vorgänger sind sämtliche Doldenblütler: Petersilie, Möhre, Sellerie, Fenchel, Pastinake und Kerbel teilen die gleichen bodenbürtigen Krankheiten und Schädlinge. Nach Dill eignen sich Kreuzblütler wie Kohl und Radieschen, Gänsefußgewächse wie Spinat und Mangold oder Nachtschattengewächse wie Tomate und Paprika als Nachfolger. Dills tiefe Pfahlwurzel lockert den Boden auf, wovon besonders flachwurzelnde Nachfolger profitieren.
Sorten
Bei Dill unterscheidet man grob zwischen Blattdill für den Frischverbrauch und Samendill für Gewürz und zum Einlegen. Die Auswahl ist groß und je nach Ziel lohnt sich ein genauerer Blick auf die Sorten.
Wer möglichst lange Blätter ernten will, ohne dass die Pflanze schnell in die Blüte schießt, greift zu spätblühenden Sorten wie 'Elefant' oder 'Dukat'. 'Elefant' wird bis zu 120 cm hoch und bildet besonders viel dunkelgrünes Laub. 'Dukat' punktet mit einem hohen Ölgehalt und intensivem Aroma.
Für den Anbau im Topf oder auf dem Balkon eignen sich kompakte Sorten wie 'Ella', 'Delikat' oder 'Fernleaf'. Die werden nur 20 bis 40 cm hoch, sind feinlaubig und passen auch in kleinere Gefäße. Am anderen Ende der Skala steht 'Hercules' mit bis zu 160 cm Wuchshöhe, eine spätblühende Züchtung mit kräftigem Wuchs.
Ältere Landsorten säen sich oft zuverlässig selbst aus und kommen Jahr für Jahr wieder. Ist eine robuste Sorte einmal im Garten etabliert, brauchst Du Dich um Nachschub kaum noch zu kümmern.
Pflege und Düngung
Dill ist ein genügsames Kraut, das wenig Aufmerksamkeit verlangt. Beim Gießen kommt es vor allem auf Gleichmäßigkeit an. Starke Wechsel zwischen nass und trocken begünstigen Pilzbefall. An heißen Sommertagen morgens oder abends wässern, dabei möglichst nicht auf die Blätter gießen. Im Topf ist der Wasserbedarf höher, hier also regelmäßiger kontrollieren.
Beim Düngen gilt: weniger ist mehr. Eine einmalige Kompostgabe vor der Aussaat reicht im Beet für die gesamte Saison. Pflanzenjauchen aus Beinwell oder Brennnessel können das Wachstum zusätzlich ankurbeln. Überdüngung schadet, denn sie führt zu weichen, instabilen Stängeln und weniger Aroma. Im Topf kannst Du ab April wöchentlich einen verdünnten organischen Flüssigdünger geben.
Regelmäßiges Jäten ist besonders in den ersten Wochen wichtig, weil Dillkeimlinge sehr langsam wachsen und schnell von Unkraut überwuchert werden. Den Boden gelegentlich hacken, um die Durchlüftung zu verbessern. In windexponierten Lagen größere Pflanzen mit Stäben stützen. Wenn Du Dill abblühen und aussamen lässt, kannst Du im nächsten Jahr mit Selbstaussaat rechnen.
Krankheiten und Schädlinge
Die Fusarium-Welke (Fusarium oxysporum) ist mit Abstand das größte Problem beim Dill. Der Bodenpilz tritt besonders bei Staunässe und fehlendem Standortwechsel auf. Betroffene Pflanzen welken trotz ausreichender Feuchtigkeit, die Stängelbasis verfärbt sich bräunlich. Befallene Pflanzen sofort entfernen und auf keinen Fall kompostieren. Vorbeugung ist hier das A und O: die Anbaupause von mindestens drei bis vier Jahren für alle Doldenblütler konsequent einhalten und Staunässe vermeiden.
Die Auflaufkrankheit betrifft frisch gekeimte Pflänzchen, die kurz nach dem Auflaufen umfallen und absterben. Dagegen hilft gleichmäßige, nicht zu nasse Feuchtigkeit. Doldenbrand zeigt sich durch Verbräunung und Vertrocknung der Blütendolden.
Blattläuse sind der häufigste Schädling, besonders auf jungen Pflanzen. Du erkennst den Befall an klebrigen, eingerollten Blättern. Hier helfen Nützlinge wie Marienkäfer und Florfliegen. Die Mischkultur mit Dill hilft sich hier teilweise selbst: blühender Dill lockt Schwebfliegen an, deren Larven Blattläuse vertilgen. Nematoden schädigen die Wurzeln und lassen sich am besten durch konsequente Fruchtfolge in Schach halten.
Ernte und Verarbeitung
Die Blatternte beginnt etwa sechs bis acht Wochen nach der Aussaat, sobald die Pflanzen 15 bis 20 cm hoch sind. Schneide die Triebspitzen laufend nach Bedarf ab, das regt weiteres Wachstum an. Das intensivste Aroma haben die Blätter kurz vor der Blüte. Die gelben Doldenblüten erscheinen von Juni bis September und sind ebenfalls essbar. Dillsamen erntest Du, wenn sich die Dolden braun färben, meist Ende August bis September. Dazu die Stängel abschneiden und kopfüber zum Trocknen aufhängen. Frisch geschnittener Dill hält sich im Kühlschrank in einem feuchten Tuch oder Schraubglas bis zu drei Wochen. Die beste Methode zur Konservierung ist das Einfrieren: Dill frisch hacken und portionsweise einfrieren, so bleibt das Aroma weitgehend erhalten. Trocknen geht auch, aber getrockneter Dill verliert gegenüber frischem oder gefrorenem deutlich an Geschmack. In der Küche passt Dill zu Gurkensalat, eingelegten Gurken, Fischgerichten, Kartoffeln, Quark, Kräuterbutter und Eierspeisen. Dill nicht mitkochen, sondern erst kurz vor dem Servieren zugeben. Hitze zerstört das feine Aroma. Die Samen lassen sich ähnlich wie Kümmel für Brote und Gebäck verwenden. Aus ihnen lässt sich auch ein wohltuender, beruhigender Tee aufbrühen. Dillblüten eignen sich hervorragend zum Aromatisieren von Kräuteressig und zum Einlegen von Gemüse. Und beim Würzen gilt: lieber großzügig als sparsam.
