Amaranth gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt. Schon die Azteken und Inka bauten ihn als Hauptnahrungsmittel an, bevor die spanischen Eroberer den Anbau zeitweise verboten. Heute erlebt die Pflanze aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae) ein echtes Comeback, und das zu Recht: Amaranth liefert sowohl nährstoffreiche Samen als auch spinatähnliche Blätter und sieht dabei mit seinen langen, oft leuchtend roten Blütenrispen einfach toll aus. Die einjährige Pflanze bildet eine kräftige Pfahlwurzel und erreicht je nach Sorte zwischen 30 und 200 cm Höhe. Die Blütenstände können bei manchen Sorten bis zu 60 cm lang werden und hängen bogenförmig herab. Von Juni bis Oktober blüht Amaranth und lockt dabei zahlreiche Bienen und andere Bestäuber an. Pro Pflanze reifen unzählige winzige Samen, was die Selbstaussaat zu einem echten Thema macht. Die Samen enthalten rund 15 % hochwertiges Eiweiß mit viel Lysin, dazu Eisen, Calcium und Magnesium. Sie sind glutenfrei und lassen sich kochen, puffen oder zu Mehl verarbeiten. Die jungen Blätter schmecken angenehm mild und erinnern an zarten Spinat. Wer empfindlich auf Oxalsäure reagiert oder zu Nierensteinen neigt, sollte den Verzehr allerdings in Maßen halten.
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Zahlen, Daten, Fakten
Amaranth: Pflanzzeiten & Erntezeiten
DirektsaatDirektsaat von Mitte Mai bis Ende Mai. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 150 Tagen etwa Anfang Juli beginnen und geht bis Mitte Oktober.
VerpflanzenVerpflanzen ins Beet von Mitte Mai bis Ende Mai. Vorziehen etwa 60 Tage vor dem Auspflanzen, etwa zwischen Mitte März und Ende März. Die Ernte kann nach einer Kulturzeit von 150 Tagen etwa Mitte September beginnen und geht bis Mitte Oktober.
Amaranth aussäen und pflanzen
Amaranth ist ein Lichtkeimer. Die feinen Samen werden nur hauchdünn mit Erde bedeckt, maximal 5 mm tief. Misch die Samen vor der Aussaat mit etwas Sand, dann verteilen sie sich gleichmäßiger. Nach dem Aussäen leicht andrücken und den Boden während der gesamten Keimphase feucht halten. Bei optimalen 18 bis 22 °C zeigen sich die ersten Keimlinge nach etwa 8 bis 14 Tagen, ab rund 13 °C keimt Amaranth zwar auch noch, braucht dann aber entsprechend länger.
Pflanzung 1: Wer hauptsächlich Blätter und Blüten ernten möchte, macht mit der Direktsaat ab Mitte bis Ende Mai nichts falsch. Sobald keine Spätfröste mehr zu erwarten sind, kommen die Samen direkt ins Beet. Amaranth wächst schnell und holt den kleinen Zeitvorsprung einer Vorkultur problemlos auf.
Pflanzung 2: Wer hingegen auf die Körner aus ist oder in einer Gegend mit kürzeren Sommern wohnt, dem lohnt sich das Vorziehen. Dafür säst du ab März zwei bis drei Samen pro Topf in nährstoffarme Aussaaterde und hältst die Töpfe warm. Sobald zwei Blattpaare entwickelt sind, wird pikiert. Erst nach den Eisheiligen ab Mitte Mai dürfen die Jungpflanzen nach draußen, denn Frost verträgt Amaranth überhaupt nicht. Beim Umpflanzen ist ein bisschen Sorgfalt gefragt, weil die Pfahlwurzel empfindlich auf Verletzungen reagiert.
Ob Direkt- oder Vorkultur, beim Abstand gilt etwa 40 cm Abstand zwischen den Pflanzen, bei besonders hochwüchsigen Sorten gerne auch 50 cm. Der Reihenabstand liegt zwischen 30 und 50 cm.
Standort und Boden
Amaranth liebt Wärme und Sonne. Ein vollsonniger, windgeschützter Platz ist ideal, etwa vor einer wärmespeichernden Hauswand. Im Halbschatten wächst die Pflanze zwar auch, blüht dort aber deutlich zurückhaltender.
Der Boden sollte locker, durchlässig und tiefgründig sein. Eine Portion Kompost vor der Pflanzung tut gut. Staunässe führt schnell zu Wurzelfäule. Dank seiner tiefen Pfahlwurzel kommt Amaranth mit kurzen Trockenphasen erstaunlich gut zurecht. Trotzdem solltest du gerade in heißen Sommern regelmäßig gießen. Im Topf kann an heißen Tagen sogar tägliches Wässern nötig sein.
Unter 8 °C stellt Amaranth das Wachstum praktisch ein, und beim ersten Frost ist Schluss. Eine Überwinterung funktioniert leider nicht.
Amaranth: Gute und schlechte Nachbarn
Kürbisgewächse wie Gurke, Zucchini und Kürbis gehören zu den besten Partnern für Amaranth. Durch seinen hohen Wuchs bietet er ihnen Windschutz und leichten Schatten, während die bodendeckenden Kürbisgewächse die Erde vor dem Austrocknen schützen. Halte dabei mindestens 50 cm Abstand ein.
Mais ist ein weiterer Traumpartner. Beide Pflanzen sind wärmeliebend und haben unterschiedliche Nährstoffansprüche. In den traditionellen Milpa-Systemen Mexikos wurden sie schon vor Jahrhunderten zusammen angebaut. Amaranth lockt außerdem räuberische Laufkäfer an, die Maisschädlinge in Schach halten.
Bohnen passen ebenfalls gut dazu, da sie den Boden mit Stickstoff anreichern. Basilikum und Oregano vertreiben mit ihren ätherischen Ölen Blattläuse und ziehen gleichzeitig Bestäuber an. Auch Kopfsalat profitiert vom lichten Schatten, den hohe Amaranth-Pflanzen werfen, weil er dadurch weniger schnell schosst.
Kreuzblütler wie Brokkoli, Blumenkohl und Kohl solltest du hingegen fernhalten. Sie konkurrieren als Starkzehrer heftig um Nährstoffe. Das bestätigt auch wissenschaftliche Literatur. Fenchel ist ebenfalls ein schlechter Nachbar, weil er über seine Wurzeln wachstumshemmende Stoffe ausscheidet. Und andere Fuchsschwanzgewächse wie Spinat, Mangold oder Rote Bete teilen sich mit Amaranth dieselben Schädlinge und Krankheiten.
Amaranth: Vorgänger und Nachfolger
Amaranth gehört wie Spinat, Mangold und Rote Bete zu den Fuchsschwanzgewächsen (Amaranthaceae). Im Gemüsebeet empfiehlt sich eine Anbaupause von 2 bis 3 Jahren, bevor du auf derselben Fläche wieder Pflanzen aus dieser Familie anbaust. Dies beugt bodenbürtigen Krankheiten und einseitiger Nährstoffzehrung vor.
Er wächst nach Starkzehrern wie Kohl oder Kürbis problemlos, zu viel Stickstoff kann jedoch die Abreife der Samen verzögern.
Nach Amaranth profitieren Wurzelgemüse wie Möhren oder Pastinaken von der tief lockernden Pfahlwurzel. Achte auf die starke Selbstaussaat und schneide die Blütenstände ab, bevor die Samen vollständig ausreifen.
Sorten
Die Sortenvielfalt bei Amaranth ist beachtlich und reicht von kompakten Topfpflanzen bis zu imposanten Solitären. Für kleine Gärten und Kübel eignet sich 'Green Thumb' mit nur 30 bis 50 cm Höhe und hellgrünen Blütenständen besonders gut. Wer es klassisch mag, greift zu 'Love Lies Bleeding' mit seinen herabhängenden, purpurroten Blütenquasten bei 60 bis 100 cm Höhe.
Aus der Art Amaranthus cruentus stammt 'Velvet Curtains', eine tiefrote, kübeltaugliche Sorte mit 100 bis 150 cm Höhe. 'Bärnkrafft' ist die einzige vom deutschen Bundessortenamt zugelassene Sorte und eignet sich für den ernsthaften Körneranbau. Richtig spektakulär wird es mit 'Elefantenkopf' (A. hypochondriacus), der dunkelrote Blütenstände auf bis zu 200 cm Höhe schiebt.
Für die Blattnutzung ist 'Roter Meier' (A. lividus var. rubrum) eine gute Wahl mit besonders zarten, spinatähnlichen Blättern. Die Art Amaranthus tricolor bringt mit 'Illumination' eine Sorte hervor, deren bronze-rot-gelbes Laub fast schon zu schön zum Ernten ist. Je nach gewünschter Nutzung als Blattgemüse, Körnerlieferant oder Zierpflanze findet sich also garantiert die passende Sorte.
Pflege und Düngung
Amaranth ist pflegeleicht, die Jungpflanzen aber langsam und anfällig für Verunkrautung. Regelmäßiges Jäten und eine Mulchschicht aus Stroh helfen in den ersten Wochen. Gegossen wird gleichmäßig, ohne Staunässe. Hochwüchsige Sorten ab etwa 80 cm rechtzeitig stützen, das Anhäufeln der Basis, ähnlich wie bei Kartoffeln, verbessert die Standfestigkeit zusätzlich.
Zur Düngung reicht organische Grundversorgung in Form von Kompost und Hornspäne vor der Pflanzung. Bei Bedarf alle zwei bis drei Wochen verdünnte Brennnesseljauche. Stickstoffreicher Mineraldünger fördert nur das Blattwachstum auf Kosten der Samenbildung.
Krankheiten und Schädlinge
Amaranth ist robust und wird von Schnecken meist gemieden. Der häufigste Schädling sind Blattläuse, die sich an Triebspitzen und Blattunterseiten ansiedeln. Du erkennst sie an klebrigen Blättern und kleinen grün-schwarzen Kolonien. Eine Schmierseifenlösung wirkt schnell, vorbeugend hilft Ackerschachtelhalmsud. Marienkäfer und Florfliegen erledigen den Rest.
Echter Mehltau zeigt sich als weißer, mehliger Belag auf den Blättern. Eine Mischung aus Frischmilch und Wasser im Verhältnis 1:8 schafft Abhilfe. Wurzelfäule tritt nur bei Staunässe auf, befallene Pflanzen müssen komplett entfernt werden.
In der Mischkultur halten aromatische Kräuter wie Basilikum Blattläuse fern, Tagetes unterdrücken zusätzlich Nematoden im Boden.
Ernte und Verarbeitung
Die jungen Blätter von Amaranth kannst du bereits rund 8 Wochen nach der Aussaat ernten. Vor der Blüte schmecken sie am zartesten und mildesten. Pflücke regelmäßig einzelne Blätter, das regt die Pflanze zum Nachwachsen an. Wenn möglich, ernte die Blätter abends, dann ist der Nitratgehalt am niedrigsten. Zubereitet werden sie wie Spinat: kurz blanchieren oder dünsten, fertig. Die Blütenstände lassen sich im Knospenstadium zwischen Juli und September ernten. Paniert und in der Pfanne gebraten sind sie eine echte Delikatesse, die man so schnell nicht vergisst. Für die Samenernte wartest du bis September oder Oktober, wenn die Fruchtstände trocken und spröde werden. Schneide sie ab, lass sie etwa eine Woche nachtrocknen und klopfe die winzigen Körner dann heraus. Ein feines Sieb hilft beim Reinigen. Vor dem Kochen die Samen gründlich waschen, um Bitterstoffe und Phytinsäure zu reduzieren. Dann mit der dreifachen Menge Wasser 20 bis 30 Minuten köcheln lassen. Zum Puffen gibst du die trockenen Samen portionsweise in eine heiße Pfanne ohne Fett. Lagere die getrockneten Samen luftdicht, kühl und dunkel. Und vergiss nicht: Amaranth sät sich massiv selbst aus. Wenn du das nicht möchtest, schneide die Blütenstände rechtzeitig vor der vollständigen Reife ab.
